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Erst umschauen, dann gehen: Schimpansen verstehen Straßenverkehr

Lesezeit: 3 min
22.05.2015 13:10
Forscher finden immer mehr Hinweise auf ein menschenähnliches Sozialverhalten bei Schimpansen. In Uganda wurden die Affen beim Überqueren einer Straße gefilmt. Die Beobachtungen beweisen Rücksicht auf Artgenossen und Anpassungsvermögen an die vom Menschen geprägte Umwelt.
Erst umschauen, dann gehen: Schimpansen verstehen Straßenverkehr

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Den Forschern einer Studie, die über 29 Monate ging, gelang es, in Ugandas Kibale National Park 122 Schimpansen dabei zu filmen, wie sie die Schnellstraße des Nationalparks an einer gefährlichen Stelle überquerten. Sie beobachteten, dass neun von zehn Schimpansen nach Autos Ausschau hielten und warteten, bevor sie über die Straße gingen, berichtet Discover Magazine.

Es ist eins der ersten Dinge, die wir als Kinder von unseren Eltern beigebracht bekommen haben: „Schaue immer in beide Richtungen, bevor du die Straße überquerst“. Allerdings sind wir nicht die einzigen, die sich an diese einfache Regel halten, um für die eigene Sicherheit zu sorgen. Noch erstaunlicher ist, dass die Schimpansen im Kibale National Park scheinbar noch weitere Regeln bei einer Straßenüberquerung beachten. Man hofft, diese Erkenntnisse zur Stärkung unseres Verständnisses, wie Tiere sich an die Zivilisation anpassen, nutzen zu können.

Pro Stunde kommen ca. 90 Autos mit über 90 Stundenkilometern an der Stelle vorbei, wo die Forscher ihre Kamera aufgestellt haben. Für eine kleine Gruppe von Schimpansen kann die Begegnung mit einem Auto ziemlich gefährlich werden – für die Insassen selbstverständlich auch. An derselben Stelle verloren im Zeitraum eines Jahres bereits Vertreter sechs verschiedener Primatengattungen ihr Leben.

Dennoch überqueren die Schimpansen die Straße an dieser gefährlichen Stelle und beweisen Mut, Intelligenz, Rücksicht und Anpassungsvermögen. In den meisten Fällen wird eine Gruppe Schimpansen von einem Alphatier angeführt, wenn sie sich der Straße nähert – was darauf hindeutet, dass sie die Situation durchaus als gefährlich wahrnehmen. Beim Beklettern von Futterbäumen achten sie stattdessen nicht so sehr auf ihre Sicherheit.  Aufgrund der Gefahr arbeiten die Tiere sehr eng zusammen.

Das Überqueren einer Straße bedeutet echtes Teamwork für eine Gruppe Schimpansen. Zuerst teilen sie sich in Kleingruppen auf und überqueren die Straße zusammen. Auf schwächere Tiere, wie Weibchen, Nachwuchs und Verletzte, wird hierbei besonders Rücksicht genommen – sie dürfen sich gerne etwas mehr Zeit lassen. Bei größeren Gruppen legen die Schimpansen allerdings einen Zahn zu, damit alle gleichzeitig über die Straße kommen. Von der anderen Seite aus halten sogar 20 Prozent der Primaten nach dem Rest der Gruppe Ausschau und warten darauf, dass alle sicher ankommen.

Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten die Forscher in American Journal of Primatology. Die Erkenntnisse sind wichtig, um besser zu verstehen, wie sich Schimpansen an eine durch den Menschen geformte Umwelt anpassen. Weitere Untersuchungen sind allerdings wichtig, um die Folgen vielbefahrener Straßen für die Tiere auswerten zu können.

Darüber hinaus wird gefordert Maßnahmen einzuleiten, um Unfälle mit Tieren zu vermeiden – etwa mit zusätzlicher Beschilderung, niedrigeren Geschwindigkeitsbegrenzungen und Polizeikontrollen. Denn in Afrika werden immer mehr Straßen gebaut, die zu mehr und mehr tödlichen Wildunfällen führen.

Je ausgiebiger wir die Tiere beobachten, desto häufiger wird die Ähnlichkeit der Schimpansen zum Menschen auch durch ihr Verhalten deutlich. Unsere Verwandten haben nämlich zum Teil mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie wir und es lassen sich an ihnen Verhaltensmuster ähnlich dem des Menschen beobachten.

Die Biologin Julie Rushmore von der University of Illinois beobachtete in Uganda zum Beispiel ein Familiendrama. Sie folgte einer Mutter mit fünf Schimpansenkindern und konnte beobachten wie ein erwachsenes männliches Tier versuchte die Mutter mit ihren Kindern von der Gruppe zu entfernen, um sich mit ihr zu paaren. Das wollte sie allerdings nicht, weshalb das Männchen aggressives Verhalten zeigte. Nachdem das Weibchen am selben Tag öfters geflohen ist, um dem Männchen zu entkommen, trennte es sich mitsamt Kindern von der Gruppe.

Außerdem fanden Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie heraus, dass auch Schimpansen unterschiedliche Kulturen besitzen – feine Unterschiede bestehen beispielsweise in der Art und Weise, wie die Menschenaffen Nüsse öffnen. Selbst bei benachbarten Gruppen lassen sich häufig Ungleichheiten beobachten, obwohl die Tiere genetisch identisch sind, denn Schimpansen pflanzen sich auch über ihre Gruppe hinaus fort.

In London erkannten Forscher, dass Schimpansen in Gefangenschaft gerne Puzzles lösen   – egal ob sie dafür mit Essen belohnt werden oder nicht, einfach weil es ihnen Spaß macht. Darüber hinaus nutzen auch einige Primatenarten Speere für die Jagd, wie Discovery News  berichtet.

Erkenntnisse über Schimpansen sind für uns sehr nützlich. Aus ihnen lassen sich Rückschlüsse auf den frühen Menschen ziehen und darauf, wie wir sie vor dem Aussterben schützen können. Laut IUCN sind Schimpansen stark gefährdet, da Menschen in ihren Lebensraum eindringen, ihn zerstören und tödliche Krankheiten verbreiten.

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