Gemischtes

Reichweitenproblem gelöst: Auflade-Straßen für Elektro-Autos

Lesezeit: 2 min
21.08.2015 13:59
Elektro-Fahrzeuge können künftig ihre Akkus während der Fahrt aufladen. Großbritannien will dazu spezielle Aufladespuren mit kabelloser Lade-Technologie unter dem Straßenbelag installieren. Das Reichweiten-Problem der Elektroautos könnte sich damit erledigen.
Reichweitenproblem gelöst: Auflade-Straßen für Elektro-Autos
Elektro-Autos sollen in Großbritannien künftig beim Fahren ihren Akku aufladen können. (Foto: assets.highways.gov.uk)

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Pläne der deutschen Bundesregierung sind ehrgeizig. Geht es nach ihr sollen bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Ende 2014 waren nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes etwa 19.000 reine Elektroautos in Deutschland angemeldet. Hybride, welche sowohl mit Strom als auch mit herkömmlichen Kraftstoffen fahren können, gab es etwas mehr als 80.000. Insgesamt waren 2014 knapp 44,4 Millionen Autos auf unseren Straßen unterwegs.

Dass die Zahl der ökologischen Autos nur langsam steigt, liegt aber nicht nur an den Autobauern. Für den Einsatz von E-Autos ist auch eine komplett neue Infrastruktur nötig. Die Reichweite vieler Fahrzeuge liegt lediglich bei 150 bis 200 Kilometern. Ein flächendeckendes Netz von Elektrotankstellen müsste also her, um auch längere Fahrten zu ermöglichen. Wie Citylab berichtet, arbeitet man in Großbritannien aktuell an einer alternativen Lösung.

Bei der neuen Technik soll die Straße selbst zur Tankstelle werden. Erste Tests der „dynamischen kabellosen Stromübertragung“ sollen noch in diesem Jahr beginnen und 18 Monate andauern, so eine Machbarkeitsstudie, die die britische Regierung veröffentlicht hat. Zu Beginn findet der Test auf nicht-öffentlichen Straßen statt. Bewährt sich die Technik, sollen schon bald darauf erste Tests auf offenen Straßen durchgeführt werden.

Großbritannien hofft, sich mit dem Modellversuch eine Führungsrolle in der Entwicklung neuer Antriebstechnologien zu sichern. Ein völlig neuer Wirtschaftszweig und neue Arbeitsplätze können so geschaffen werden. Rund eine halbe Milliarde Pfund werden deshalb über die kommenden 5 Jahre in die neue Technologie investiert.

Für den Versuch sollen einige Fahrzeuge und einige Kilometer Teststraße mit der Technik zum kabellosen Aufladen ausgestattet werden. Vereinfacht ausgedrückt befinden sich unter dem Asphalt Stromleitungen, die mit Spulen verbunden sind. Fährt ein Auto über die Straße soll der Strom kabellos zu einem Empfänger im Fahrzeug geleitet werden. Grundsätzlich sei die Technik für alle Typen von Elektroautos geeignet, heißt es in der Vorstellung des Projekts.

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die gesamte Technik unter der Straße befindet. Das Risiko von Unfällen mit Stromleitungen oder Trafohäuschen neben der Straße wäre somit nicht gegeben. Dadurch, dass große und unansehnliche Oberleitungen auch entfallen ist ein Einsatz nahezu überall vorstellbar, selbst in historischen Altstadtkernen.

Das Unternehmen Highways England ist zuständig für den Betrieb und Ausbau der Schnell- und Hauptverkehrsstraßen in England. Gemeinsam mit der Regierung treibt sie seit einiger Zeit die Schaffung einer modernen Infrastruktur voran. Die Straßen Englands sollen dabei nachhaltiger, wirtschaftlicher und sicherer werden. Im Rahmen eines über 15 Milliarden Pfund schweren Investitionsprogramms sollen so auch Aufladestationen entlang der Autobahnen entstehen. Das Ziel lautet: Alle 20 Meilen wird eine Aufladestation errichtet.

Die Aufladespuren sind nicht die einzige Innovation im Straßenbau: So könnten Straßen künftig aus recyceltem Plastik-Müll bestehen, der stabiler und günstiger ist als heutiger Asphalt. Die Straßenbeläge der Zukunft könnten aber auch Sonnenenergie in Strom umwandeln, wie das Unternehmen Solar Roads derzeit in Krommenie, einer Stadt nordwestlich von Amsterdam, auf einem Radweg testet. In den Wegplatten sind dafür spezielle Solarmodule eingebaut. Noch ist die Technik in der Entwicklung, denn die Effizienz ist zu niedrig und die Kosten sind zu hoch, um wirklich Straßen mit Solarzellen auszustatten.

Wird die Erforschung und Entwicklung dieser Technologien aber weiter vorangetrieben, könnten Tankstellen schon bald überflüssig sein. Die Sonne liefert dann die Energie, die von der Straße an das Auto weitergegeben wird. Autofahren könnte damit zu einer komplett umweltfreundlichen und emissionsfreien Sache werden. Und es ist eine Möglichkeit, der zunehmenden Verknappung von Ressourcen wie Erdöl etwas entgegenzusetzen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Deutschland
Deutschland Brandbrief an Merkel: Deutschland spielt mit dem Verlust seiner mittelständischen Basis

Vertreter des Mittelstands warnen in einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Merkel vor einer mutwilligen Zerstörung der wirtschaftlichen...

DWN
Politik
Politik 2021: Jahr der Wahlen - oder der Wählertäuschungen?

2021 ist das Jahr der großen Wahlen. Doch eigentlich ist es egal, für wen sich die Wähler entscheiden, schreibt DWN-Gastautor Henrik...

DWN
Deutschland
Deutschland Flugsicherung läuft gegen geplante Abtretung von Teilen des deutschen Luftraums Sturm

Die Deutsche Flugsicherung sowie die Gewerkschaft der Flugsicherung laufen gegen Pläne der Beratungsgesellschaft Deloitte Sturm.

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Corona-Überraschung: Funktionär der Kommunistischen Partei China ist Mitglied der Leopoldina

Ein Top-Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas ist seit Juli 2020 auch Mitglied der Leopoldina, die die Bundesregierung in der...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Russen glauben mehrheitlich, das Corona-Virus sei eine von Menschen geschaffene Biowaffe

Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass zwei Drittel der Russen glauben, das Virus sei eine Biowaffe, und zwei Drittel sich nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Greensill-Bank in Schieflage, Bafin schickt Sonderbeauftragten

Die Bremer Greensill-Bank ist in Turbulenzen geraten. Das Geldhaus gehört zu einem britisch-australischen Konzern, der seinerseits derzeit...