Politik

EZB verschärft Strafzinsen für überschüssiges Geld

Lesezeit: 2 min
03.12.2015 11:03
Die EZB hat höhere Strafzinsen für die Banken beschlossen. Damit dürfte der Druck der Banken steigen, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben. Bereits jetzt müssen Kunden mit größeren Vermögen Strafzinsen zahlen. Denkbar wäre, dass nun auch kleinere Vermögen erfasst werden.
EZB verschärft Strafzinsen für überschüssiges Geld
Das neue Buch von Michael Maier. (Foto: FBV)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die EZB hat die Strafzinsen für Banken verschärft, wenn diese überschüssiges Geld bei ihr parken. Der sogenannte Einlagensatz sei auf minus 0,3 Prozent von bislang minus 0,2 Prozent gesetzt worden, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mit. Der Leitzins bleibt unverändert.

Dies könnte bald schon Konsequenzen für private Anleger haben. Denn bereits heute müssen Anleger für große Vermögen, also etwa Pensionsfonds, Strafzinsen zahlen.

Es ist zu erwarten, dass diese Maßnahme der finanziellen Repression bald auch auf kleinere Guthaben angewendet wird. Aktuell werden bei vielen Banken Tagesgeldkonten ab 500.000 Euro und Girovermögen von zwei Millionen mit Strafzinsen belegt. Der Strafzins beträgt in in der Regel 0,25 Prozent. Begonnen hatte damit die Skatbank, auch die Commerzbank erhebt seit über einem Jahr diese Zinsen. Die Tatsache, dass es zu keinen Protesten der Kunden gekommen ist, könnte die EZB in ihren Vorhaben bestärken, die Schraube weiter anzuziehen.

Der Chef der Erste-Bank, Andreas Treichl, spricht von einer offensichtlichen Enteignung der Sparer in Europa.

Erst wenn sich wirklich Widerstand regt, dürften die Zentralbanken Einschränkungen beim Bargeld ins Auge fassen. Aktuell gibt es einen entsprechenden Testlauf in Griechenland: Alle Griechen müssen ab 1. Januar 2016 ihre gesamten Bargeldbestände offenlegen. Die Debatte um ein Bargeld-Verbot könnte in diesem Zusammenhang ebenfalls wieder Fahrt gewinnen, weil nur ein solches Verbot die Durchsetzung von Negativzinsen garantiert, wie Kenneth Rogoff schlüssig erklärt hat. 

Der Grund der finanziellen Repression liegt auf der Hand: Die meisten Staaten sind überschuldet. Die Staaten wollen sich nun weiter verschulden, um den Krieg gegen den Terror führen zu können. So hat Frankreich bereits angekündigt, dass der Sicherheitspakt wichtiger sei als der Stabilitätspakt. Österreich, dessen Milliarden-Debakel mit der HGAA das Land noch auf Jahrzehnte belasten wird, hat ebenfalls angekündigt, wegen der Flüchtlinge mehr Schulden machen zu müssen.

Mit den Käufen sollen die Anleihen-Renditen gedrückt werden, damit diese Papiere als Investment für Geldhäuser unattraktiver werden. Stattdessen sollen sie mehr Kredite an Firmen und Haushalte vergeben. Das würde die Konjunktur anschieben und in der Folge auch für mehr Preisauftrieb sorgen.

***

DWN-Herausgeber Michael Maier erklärt in seinem neuen Buch, warum die fortgesetzte Enteignung der Sparer durch die EZB einer Art der modernen Kriegsanleihe gleichkommt. Die Staaten setzte skrupellos auf finanzielle Repression, um ihre militärischen Abenteuer zu finanzieren. Weil die meisten Staaten pleite sind, müssen sie sich das Geld mit immer schärferen Methoden bei Sparern, Anlegern und Steuerzahlern holen.

Michael Maier: „Das Ende der Behaglichkeit. Wie die modernen Kriege Deutschland und Europa verändern“. FinanzBuch Verlag München, 228 Seiten, 19,99€.

Bestellen Sie das Buch hier direkt beim Verlag.

Oder kaufen Sie es im guten deutschen Buchhandel das Buch ist überall erhältlich. Wir unterstützen den Buchhandel ausdrücklich, er muss gefördert werden!

Oder bestellen Sie das Buch bei Amazon.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Politik
Politik Russische und chinesische Bomber führen gemeinsame Übungsflüge durch / Frage stellt sich immer mehr: Wer ist Freund, wer Feind?

Die Kooperation zwischen China und Russland nimmt Konturen an. Aber wer stellt sich Ihnen entgegen? Und sind Peking und Moskau wirklich...

DWN
Politik
Politik Völkerrechtler: Die USA gehören wegen ihrer Sanktionspolitik vor den Internationalen Gerichtshof

Lesen Sie das Interview von DWN-Autor Ralf Paulsen mit dem ehemaligen Sekretär der UN-Menschenrechtskommission und weltweit anerkannten...

DWN
Politik
Politik "Die russischen Soldaten stehlen alles - selbst Hundehütten"

Die DWN haben ein drittes Telefon-Interview mit dem ukrainischen Musiker Roman Antonyuk geführt, der mit seiner Familie in Lwiw (Lemberg)...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Kein "Mist" aus Russland: Bauern schlagen Alarm

Seit die Düngemittel-Importe aus Russland von der EU gestoppt wurden, herrscht Dünge-Mangel auf den europäischen Feldern.

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Globalisierung am Ende: Lieferketten werden dauerhaft unterbrochen bleiben

Der Abbruch vieler Lieferketten deutet auf das Ende der Globalisierung. Für die Weltwirtschaft wird es kein Zurück zum Zustand vor Corona...

DWN
Politik
Politik Griechenland beschwert sich bei UN wegen türkischer Kampfbomber

Im Konflikt mit der Türkei hat Griechenland nun die UN eingeschaltet. Denn türkische Kampfbomber überfliegen regelmäßig bewohnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Rückkehr zur Normalität: Russland lockert die Geldpolitik

Die russische Notenbank hat ihren Leitzins erneut deutlich gesenkt. Dies markiert den Rückgang zur geldpolitischen Normalität - trotz...