Politik

Bundesbank überstimmt: Draghi zieht Politik gegen deutsche Sparer durch

Lesezeit: 2 min
03.12.2015 20:41
Die Bundesbank kann innerhalb der EZB die Interessen der deutschen Sparer nicht mehr vertreten. Der Beschluss zur neuen Geld-Schwemme erfolgte gegen das Votum von Bundesbank-Chef Jens Weidmann.
Bundesbank überstimmt: Draghi zieht Politik gegen deutsche Sparer durch
Das neue Buch von Michael Maier. (Foto: FBV)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat die Entscheidung der EZB zu einer noch stärkeren Öffnung der Geldschleusen in der Ratssitzung offenbar nicht mitgetragen. Er habe "eine weitere Lockerung nicht für notwendig gehalten", sagte Weidmann am Donnerstagabend in Frankfurt laut Redetext. Zwar lägen voraussichtlich die Preisentwicklung 2016 und wohl auch zum Teil 2017 unter der Norm für Preisstabilität. "Das sollte nicht leichtfertig zur Seite gewischt werden." Weidmann zufolge spielt der Energiepreisrückgang dabei eine dominante Rolle. Dazu kämmen die bereits ergriffenen umfangreichen geldpolitischen Schritte, "die auch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden sein können". Die Bundesbank hatte der ultraexpansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) von Anfang an kritisch gegenüber gestanden.

Die Währungshüter der EZB hatten auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag wegen der hartnäckigen Mini-Inflation beschlossen, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Sie weiteten das umstrittene Anleihen-Kaufprogramm um mindestens sechs Monate bis März 2017 aus und senkten zudem den Strafzins für Banken, wenn diese bei der Zentralbank Geld parken. Die neuen schwächeren Inflationsprognosen der Experten der Euro-Notenbanken zeigen Weidmann zufolge "keine besorgniserregende wirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum". Der deutliche Rückgang der Energiepreise stütze vielmehr die Konjunkturerholung im Euro-Raum. "Der Energiepreisrückgang erklärt außerdem zu einem Gutteil die Entwicklung der Verbraucherpreise", so Weidmann.

Auch in Deutschland war der Protest erheblich - doch auch vergebens. Die Bundesbank kann innerhalb der EZB die Interessen der deutschen Sparer nicht mehr vertreten.

Ähnliches gilt auch für Österreich: Der Chef der Erste Bank, Andreas Treichl, sprach sogar von einer Enteignung der Sparer - eine Wortwahl, die bisher unter aktiven Bankern gemieden wurde, weil sich niemand den Zorn der EZB zuziehen will. Die EZB macht nämlich nicht nur die Geldpolitik, sondern fungiert auch als Bankenaufsicht und hat damit die volle Kontrolle über die europäischen Banken.

***

DWN-Herausgeber Michael Maier erklärt in seinem neuen Buch, wie die Zentralbanken den Staaten den Rücken für ihre Politik freihalten. Damit werden jene Staaten gestärkt, die die Geldpolitik aktiv in ihrem Sinne gestalten können. Die Bundesbank und die Oesterreichische Nationalbank haben dagegen signifikant an Bedeutung verloren. Damit fehlt Deutschland und Österreich im globalen Kräftemessen eine wichtige Waffe. Denn Währungskriege sind Teil der modernen Kriege - und dies trifft die deutschen Sparer seit geraumer Zeit spürbar.

Michael Maier: „Das Ende der Behaglichkeit. Wie die modernen Kriege Deutschland und Europa verändern“. FinanzBuch Verlag München, 228 Seiten, 19,99€.

Bestellen Sie das Buch hier direkt beim Verlag.

Oder kaufen Sie es im guten deutschen Buchhandel das Buch ist überall erhältlich. Wir unterstützen den Buchhandel ausdrücklich, er muss gefördert werden!

Oder bestellen Sie das Buch bei Amazon.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deindustrialisierung: Deutsche Batterie-Industrie zeigt Auflösungserscheinungen
30.05.2024

Die deutsche Batterie-Industrie steht vor dem Aus: Immer mehr Unternehmen geben ihre Produktionsstandorte auf, um in kostengünstigere...

DWN
Politik
Politik Reich und Arm: Die Unterschiede werden größer in Deutschland
30.05.2024

Erst die Corona-Pandemie, dann der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Beides nicht nur unerfreulich an sich, sondern auch zwei weitere...

DWN
Politik
Politik Folgen von Corona: So groß ist die Einsamkeit in Deutschland
30.05.2024

Das Gefühl von Einsamkeit war seit den 90er Jahren zurückgegangen - dann kam Corona und warf viele Menschen zurück. Unter anderem das...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutschland und Frankreich fordern EU-Reformen für Wirtschaftswachstum
30.05.2024

Europa steht vor der Herausforderung, das Wirtschaftswachstum zu steigern. Deutschland sowie Frankreich setzen sich dafür ein. In einer...

DWN
Politik
Politik Fataler Effekt: Sauberer werdende Luft führt zu verstärkter Erwärmung
30.05.2024

Ein großer Schritt zu weniger Luftverschmutzung könnte einen fatalen Nebeneffekt haben: Mit einer neuen Verordnung für den...

DWN
Immobilien
Immobilien Transparente Mietpreise: Berlin hat wieder einen qualifizierten Mietspiegel
30.05.2024

Stadtentwicklungssenator Gaebler hat den neuen Berliner Mietspiegel vorgestellt. Demnach sind die Bestandsmieten in der Hauptstadt im...

DWN
Politik
Politik DWN-SERIE zur Europawahl (Teil 3): Das Wahlprogramm der AfD für die EU
30.05.2024

Am Sonntag, dem 9. Juni, findet in Deutschland die Abstimmung zur Europa-Wahl statt. Erstmals werden auch 16-Jährige über die...

DWN
Politik
Politik SPD-Linke warnen Lindner vor Kürzungen bei Entwicklungspolitik
30.05.2024

Ringen um den Bundeshaushalt 2025: Linke SPD-Abgeordnete schießen scharf gegen Finanzminister Christian Lindner und fordern "es dürfen...