Gemischtes

Bundesregierung hilft VW: Abgas-Skandal in Deutschland beendet

Lesezeit: 2 min
09.12.2015 12:27
Die Bundesregierung und der VW-Konzern haben sich überraschend darauf verständigt, die CO2-Affäre still und leise zu beerdigen. Solche Privilegien genießt kein normales Unternehmen in Deutschland. Doch auch für VW ist die Einigung schlecht: Sie verhindert die längst fälligen technologischen Innovationen.
Bundesregierung hilft VW: Abgas-Skandal in Deutschland beendet
Das neue Buch von Michael Maier. (Foto: FBV)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Unter dem Titel «CO2-Manipulation bei VW löst sich in Luft auf» berichtet die FAZ, dass die Affäre für den Konzern in Deutschland ohne Folgen bleiben werde. Die Falschangaben bei CO2-Werten in Abgasen von VW-Autos sind nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für den Konzern ein deutlich kleineres Problem als angenommen. Auf Kunden hätten die Unregelmäßigkeiten keine Auswirkungen, habe eine gemeinsame Überprüfung von Kraftfahrt-Bundesamt, Bundesverkehrsministerium und VW ergeben.

Das Unternehmen teilte am Mittwoch in Wolfsburg mit, nach umfassenden internen Prüfungen und Messkontrollen sei «nun klar, dass fast alle diese Modellvarianten doch den ursprünglich festgestellten CO2-Werten entsprechen». Technische Maßnahmen an den betroffenen Fahrzeugen seien nicht notwendig, teilte VW weiter mit. Auch die Verbrauchswerte der Fahrzeuge würden sich nicht ändern. Die finanzielle Belastung von zwei Milliarden Euro, mit der VW aufgrund der CO2-Affäre kalkuliert hatte, bestätige sich nun auch nicht.

Am 3. November hatte der Konzern von den Unregelmäßigkeiten berichtet, von denen 800.000 Autos des Konzerns betroffen sein könnten. Tatsächlich sind laut FAZ nach abermaliger Prüfung weniger als 40.000 Autos betroffen. In der vergangenen Woche hatte ein VW-Sprecher bereits gesagt, die Zahl der verdächtigen Autos schrumpfe. Aus Kundensicht stand vor allem die mögliche Gefahr im Raum, dass Steuernachforderungen auf sie zukommen könnten.

Die Abweichungen sind dem Bericht zufolge zudem minimal: Bei einigen Autos nur 0,1 Gramm, in anderen Fällen bis zu 4 Gramm CO2 je Kilometer. Diese Werte liegen innerhalb von zulässigen Toleranzen. Die VW-Aktie legte zwischenzeitlich um knapp fünf Prozent zu.

Tatsächlich ist diese überraschende Beendigung des Skandals nur vorübergehend eine gute Nachricht für VW. Sie passt in das Schema der engen Verzahnung von Politik und Autoindustrie in Deutschland, wie Michael Bernegger am Beispiel VW illustriert: «Seit Jahrzehnten stehen sich Volkswagen und Bundesregierung sehr nahe. Bis Ende der 1980er-Jahre war der Bund selber ein großer Teilhaber an VW. Unter dem Auto-Kanzler Schröder ließ sich dieser vom Personal-Direktor eine Reform des Arbeitsmarktes und der Sozialgesetzgebung auf die Bedürfnisse von Volkswagen und der Autoindustrie zuschneidern. Wiederholt setzten er und seine Nachfolgerin sowie die zuständigen Minister sich persönlich ein, um unliebsame Verschärfungen der Emissionswerte in Deutschland und in Brüssel zu verhindern.«

Der Fall zeigt, wie schädlich es ist, wenn einzelne Unternehmen im Staatsbesitz machen können, was sie wollen. Zwar wird die Einigung VW kurzfristig Luft verschaffen. Doch mittelfristig wird VW einen hohen Preis dafür bezahlen, dass sich der Konzern jeder Innovation verschließen konnte, weil man stets über die Regierung und den der Regierung gefügigen Regulator durchsetzen konnte, dass alles bleibt wie es ist. Damit verpasst VW die technologische Revolution, die sich überall in der Auto-Industrie bereits zeigt - ob bei der Frage des Selbstfahrers, der E-Mobilität, Car-Sharing oder der Daten-Integration. VW kann, so hat es den Anschein, außerhalb des Marktes agieren. Das ist ein gefährlicher Weg: Denn wenn sich die Marktbedürfnisse so grundlegend ändern wie beim Automobil gerade aktuell, dann kann sich VW sehr schnell als Dinosaurier abseits des Marktes wiederfinden.

***

DWN-Herausgeber Michael Maier beschreibt in seinem neuen Buch, welche Folgen es hat, wenn die Bundesregierung als oberster Lobbyist eines Großkonzerns auftritt: Sie kann zwar die alten Netzwerke schützen, verhindert jedoch gleichzeitig, dass in der Wirtschaft jene Erfolg haben, die auf Innovationen setzen. Im globalen Wettbewerb der technologisch-industriellen Revolution wird diese kurzsichtige Restauration dazu führen, dass Deutschland von immer rückständiger wird und am Ende nur noch als Werkbank für die dynamischen Volkswirtschaften der Welt fungieren kann.

Michael Maier: „Das Ende der Behaglichkeit. Wie die modernen Kriege Deutschland und Europa verändern“. FinanzBuch Verlag München, 228 Seiten, 19,99€.

Bestellen Sie das Buch hier direkt beim Verlag.

Oder kaufen Sie es im guten deutschen Buchhandel das Buch ist überall erhältlich. Wir unterstützen den Buchhandel ausdrücklich, er muss gefördert werden!

Oder bestellen Sie das Buch bei Amazon. Mit einem Kauf unterstützen Sie die Unabhängigkeit der Deutschen Wirtschafts Nachrichten. 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Es ist offiziell: Lockdown wird bis zum 28. März verlängert

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28....

DWN
Deutschland
Deutschland Brandbrief an Merkel: Deutschland spielt mit dem Verlust seiner mittelständischen Basis

Vertreter des Mittelstands warnen in einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Merkel vor einer mutwilligen Zerstörung der wirtschaftlichen...

DWN
Politik
Politik Gegen den Lockdown: Texas hebt Maskenpflicht auf und öffnet alle Restaurants

Der US-Bundesstaat Texas wird zum Missfallen der in Washington D.C. sitzenden Biden-Regierung am 10. März alle Geschäfte und alle...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Studie lobt Lockdowns, weil sie gut für das Klima sind – doch ging es eigentlich nicht um ein Virus?

Laut Experten sind über ein Jahrzehnt hinweg gleichwertige Emissionsrückgänge wie während des aktuellen Corona-Lockdowns erforderlich,...

DWN
Politik
Politik 2021: Jahr der Wahlen - oder der Wählertäuschungen?

2021 ist das Jahr der großen Wahlen. Doch eigentlich ist es egal, für wen sich die Wähler entscheiden, schreibt DWN-Gastautor Henrik...

DWN
Politik
Politik DWN-Recht: Dürfen nun Beamte, die der AfD angehören, gefeuert werden?

In den Reihen der als „Verdachtsfall“ eingestuften AfD befinden sich auch deutsche Beamte. Welche beruflichen und rechtlichen...

DWN
Politik
Politik Medienberichte: Intensivstationen sind voll mit Leuten, die kein Deutsch verstehen

Die Bild-Zeitung berichtet von einem Gespräch zwischen RKI-Chef Lothar Wieler und mehreren Chefärzten. Demzufolge sei die Mehrheit der...