Politik

Allianz warnt vor dem perfekten Sturm in der Welt-Wirtschaft

Lesezeit: 2 min
20.02.2016 00:57
Die Allianz schlägt Alarm: Niedrigzinsen, die Talfahrt an den Aktienmärkten und die politischen Unsicherheiten könnte sich zu einem perfekten Sturm verdichten. Die Probleme seien weder in Wirtschaft noch in der Politik gelöst.
Allianz warnt vor dem perfekten Sturm in der Welt-Wirtschaft

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Allianz  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Widrigkeiten an den Finanzmärkten und die weltweiten Krisen machen die Allianz vorsichtig. Vorstandschef Oliver Bäte stellte am Freitag in München für das laufende Jahr einen operativen Gewinn von zehn bis elf Milliarden Euro in Aussicht. Nur unter günstigen Umständen würde Europas größter Versicherer damit sein operatives Ergebnis von 10,7 Milliarden Euro aus dem vergangenen Jahr wiederholen. Niedrigzinsen, die Talfahrt an den Aktienmärkten und die politischen Unsicherheiten bildeten einen "perfekten Sturm", dem der Münchener Versicherer trotzen wolle. "Die Probleme sind weder in der Politik noch in der Wirtschaft gelöst", sagte Bäte.

"Wir wollen in dem schwierigen Umfeld unser Pulver trocken halten", begründete der Manager die für viele Analysten enttäuschende Dividende. Die Allianz schüttet für 2015 mit 7,30 Euro je Aktie 45 Cent mehr aus als im Jahr zuvor. Experten hatten im Schnitt aber mehr erwartet. Das ließ die Aktie des Dax-Unternehmens ins Minus rutschen. Solche Schwankungen störten ihn wenig, machte Bäte deutlich. "Zu kurzfristig zu denken, ist der größte Fehler, den man machen kann."

Bäte hatte nach seinem Amtsantritt versprochen, regelmäßig das Geld auszuschütten, das der Versicherungsriese nicht für Zukäufe brauche. Bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Allianz-Chef machte er aber deutlich, dass er stärker als sein Vorgänger Michael Diekmann auf Übernahmen setzt. Die Chancen seien gestiegen, dass sich in den nächsten zwei Jahren etwas ergebe, vor allem in der Sachversicherung. "Wir sind überzeugt, dass sich erhebliche Wachstumschancen bieten", sagte Bäte. Er wolle "zuschlagen können, wenn der eine oder andere wackelt".

Auf Wachstum aus eigener Kraft allein könne sich die Allianz nicht mehr verlassen. "In den letzten zehn Jahren wurde es immer schwieriger, in dieser Industrie zu wachsen." Dabei gehe es aber nicht um Mega-Übernahmen. "Wir wollen keine Riesen-Akquisitionen machen", sagte Bäte. Diese schafften meistens keinen Wert.

Die milliardenschweren Mittelabflüsse bei der US-Vermögensverwaltungstochter Pimco schlugen im vergangenen Jahr erstmals auch auf das operative Ergebnis bei der Allianz durch. Dieses kletterte nur um drei Prozent und verfehlte damit das Maximalziel von 10,8 Milliarden Euro knapp. Der Nettogewinn der Allianz stieg um sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

Pimco verdiente 2015 mit 1,8 Milliarden Euro ein Fünftel weniger. 125 Milliarden Euro zogen die Anleger nach dem abrupten Abschied von Firmengründer und Anleihen-Guru Bill Gross im vergangenen Jahr aus den Pimco-Fonds ab. Damit halbierten sich die Abflüsse zwar, doch mit einer Trendwende rechnet Bäte erst für Ende 2016. Trotzdem stehe die Allianz zu der Tochter: "Wir verlieren nicht so schnell die Geduld", beschwichtigte Bäte. "Die Kollegen sind auf dem richtigen Weg." Pimco müsse nun aber an den Kosten arbeiten, drängte Finanzvorstand Dieter Wemmer.

Auch im angestammten Versicherungsgeschäft ist die Allianz mitten im Umbau. In der Lebensversicherung wendet sie sich von Produkten mit langfristigen Garantien ab, die zu viel Kapital binden. Im Neugeschäft belaste sie der Garantiezins kaum noch, sagte Kapitalanlage-Vorstand Maximilian Zimmerer. Gleichzeitig sucht er erfolgreich nach Alternativen zu Staatsanleihen: Das Volumen alternativer Kapitalanlagen - von Hypothekendarlehen bis zu Infrastruktur-Projekten - liege schon bei 92 Milliarden Euro, das sind 14 Prozent der 666 Milliarden Euro, die die Allianz für ihre Kunden angelegt hat. Binnen eines Jahres könnten daraus 110 Milliarden werden, sagte Zimmerer.

Große Umstrukturierungen plane er aber nicht, betonte Bäte. Das lenke vom Kunden ab. "Aber wir brauchen mehr Vorteile aus unserer Größe." Die einzelnen Landestöchter müssten stärker zusammenarbeiten, bei Produkten, aber auch in der Kapitalanlage. Auch die Manager in der Zentrale müssten "marktnäher" werden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Westeuropas Automarkt stürzt auf 30-Jahres-Tief

Dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge wird auch 2021 ein rabenschwarzes Jahr für Europas Autobranche.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verfassungsrechtler und Banker warnen: Green Deal der EU nur mit Ökodiktatur möglich

Ein Ex-Bundesverfassungsrichter warnt davor, dass Deutschland und Europa in eine „Öko-Diktatur“ abgleiten könnte. Doch auch Analysten...

DWN
Politik
Politik Merkel stellt Verbindung zwischen Pandemie und Umweltschutz her – drohen uns nun Klimabeschränkungen?

Angela Merkel zufolge erhöht die Zerstörung der Natur die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern wie das Corona-Virus. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Opposition: Bundesregierung will Mitsprache des Bundestags bei Corona in speziellem Gremium „versenken“

Die Oppositionsparteien FDP und Grüne kritisieren Pläne der Bundesregierung zur Bildung eines speziellen Gremiums.

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Finanzen
Finanzen Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe...

DWN
Finanzen
Finanzen City of London fürchtet Abzug des billionenschweren Derivategeschäfts in die EU

In der City of London liegen die Nerven blank. Den Verlust kleinerer Märkte an den Kontinent nahm man noch hin, nun droht mit einem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz Brexit: RWE bringt in Großbritannien Schlüsselprojekt für Windenergie voran

Viele deutsche Industrieunternehmen stehen zwar wegen des Brexits unter Druck. Doch nicht so der Energiekonzern RWE, für den...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wird die OPEC+ die Ölproduktion erhöhen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass die OPEC+ am Donnerstag die Ölproduktion ankurbeln wird. Russland unterstützt dieses Vorhaben,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Held von Hanoi: Mann rettet Mädchen nach Sturz aus dem 12. Stockwerk

Vietnam feiert einen Lastwagenfahrer, der einem aus einem Hochhaus stürzenden Kind das Leben gerettet hat.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker - Vorbild Israel: EU arbeitet an „Grünem Pass“ für Geimpfte

Die EU-Kommission arbeitet an einem Gesetz zur Einführung eines „Grünen Passes“, der geimpften Bürgern offenbar Vorteile gegenüber...