Erstes bundesweites Zentrum: Universität Hannover macht Mittelstand fit

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
15.03.2016 00:06
Seit Ende Februar hat „Mit uns digital! Das Zentrum für Niedersachsen und Bremen“ als erstes Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Deutschlands seine Arbeit aufgenommen. Vom Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz Universität Hannover aus soll künftig der Mittelstand für das Thema Digitalisierung gewonnen werden.
Erstes bundesweites Zentrum: Universität Hannover macht Mittelstand fit

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das neue Kompetenzzentrum in Garbsen hat es sich zum Ziel gesetzt, Industrie-4.0-Know-how in den Mittelstand zu bringen und damit die Unternehmen für die Zukunft und in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben mit 5,4 Millionen Euro für drei Jahre. Als nicht-niedersächsischer Partner ist die Freie Hansestadt Bremen mit an Bord.

„Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für Unternehmen. Wir wollen sie daher im und für den Mittelstand attraktiv machen und haben uns dafür zwei Ziele gesetzt. Erstens: Wir wollen mittelständische Unternehmen für die Digitalisierung gewinnen und das Vertrauen in die Digitalisierung stärken. Und zweitens: Wir wollen passgenaue Hilfen anbieten“, sagt Stefan Schnorr, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, anlässlich des Startschusses am 24. Februar.

„Im Rahmen des Förderschwerpunktes‚ 'Mittelstand-Digital – Strategien zur digitalen Transformation der Unternehmensprozesse‘ werden wir daher zunächst zehn Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, ein Kompetenzzentrum Digitales Handwerk und vier Mittelstand 4.0-Agenturen einrichten“, so Schnorr weiter. Die Zentren und Agenturen würden mittelständische Unternehmer dort mitnehmen, wo sie stünden und gezielt zu neuen Digitalisierungs- und Industrie 4.0-Lösungen informieren, qualifizieren und sensibilisieren. Die Kompetenzzentren würden zudem praxisnah konkrete Anschauungs- und Erprobungsmöglichkeiten bieten.

Kleine Unternehmen müssen am Wissenschaftspuls bleiben

Die am Zentrum beteiligten Hochschulen in Niedersachsen und Bremen liefern mit ihren Forschungen zum Thema Industrie 4.0 qualifizierte Voraussetzungen, um das Thema in den Mittelstand zu bringen. Die Staatssekretärin im Niedersächsischen Wissenschaftsministerium, Andrea Hoops: „Das PZH ist national und international hoch anerkannt. Dies zeigt sich eindrucksvoll in den eingeworbenen Drittmitteln, den zahlreichen Forschungskooperationen und der Anzahl und dem Renommee der Kooperationspartner aus Wissenschaft und Industrie.“ Hoops weiter: „Wir möchten, dass Niedersachsens Wirtschaft innovativ und wettbewerbsfähig bleibt. Deshalb ist es wichtig, dass insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen von den neuesten Forschungsergebnissen unserer Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen profitieren.“

Die effektive Bündelung des Know-hows der Hochschulen in Niedersachsen und Bremen zum Thema Industrie 4.0 ist wesentlich für das Zentrum. „Die Expertisen des Zentrums so zusammenzuführen, dass die kleinen und mittleren Unternehmen den optimalen Nutzen haben, ist eine der Herausforderungen der nächsten Wochen“, erklärt Prof. Berend Denkena, Vorstand des Zentrums und Leiter des Instituts für Fertigungstechnik der Leibniz Universität. Doch nicht nur die organisatorischen und die zu bewältigenden technischen Herausforderungen seien enorm. Denkena: „Die gesellschaftliche Akzeptanz der neuen Entwicklungen, die Auswirkungen auf die Arbeitswelt – auch von diesen Faktoren hängt wesentlich der Erfolg unserer Arbeit ab.“

Fast 500 Informationsgespräche bei Unternehmen, rund 250 Schulungen und etwa 70 Workshops in ganz Niedersachsen und Bremen will das Zentrum bis Ende 2018 realisieren. Neun Lernfabriken, eine davon auf dem Messegelände in Hannover, sind im Aufbau und sollen kleine und mittlere Unternehmen fit machen für die digitale Zukunft. Eine mobile Fabrik präsentiert ausgewählte Inhalte der General- und Expertenfabriken als Roadshow. Die Roadshows sollen Industrie 4.0 auch in ländliche Regionen direkt zur Zielgruppe bringen.

Digitalisierung ist eine Wachstumschance

Erkannt wurde die Problematik auch im Süden der Republik. Laut der Münchner IHK „gibt es mehr und mehr Innovateure unter den Mittelständlern.“ Doch unterm Strich hätten kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung noch Nachholbedarf. Und das obwohl die Unternehmen durchaus die Vorteile der Digitalisierung als Wachstumschance erkennen, berichtet heise.

Ein Problem der Digitalisierung sei jedoch die Schnelligkeit, mit der sich digitale Lösungen entwickeln, heißt es weiter. „Alle noch weitgehend analog aufgestellten Mittelständler müssen sich angesichts dieser Beschleunigung also fragen, wie und vor allem wie lange ihr bestehendes Geschäftsmodell, ihr Produkt, ihre Prozesse in der neuen Welt noch Bestand haben. Oder ob sie Gefahr laufen, von schnelleren, digitalen Konkurrenten, die auch aus ganz unvermuteten Ecken kommen können, verdrängt zu werden“, zitiert das Blatt Rahild Neuburger, Geschäftsführerin der unabhängigen Plattform „Münchner Kreis“ aus einem Artikel der IHK. „Insofern sollten die Mittelständler, die bislang eher noch zögern, den Zeitfaktor im Auge behalten, den digitalen Wandel zwar nicht überstürzen, aber doch zügig aufbrechen in die Digitalisierung – um die sie ohnehin nicht herumkommen und die auch erhebliche Chancen für sie bergen kann.“


Mehr zum Thema:  

DWN
Termine
Wichtige Termine Lesen Sie hier, warum Sie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten lesen sollten und wie Sie dabei 17% sparen!

Unser Chefredakteur Hauke Rudolph zeigt auf, warum man Abonnent der DWN sein sollte. Gleichzeitig können Sie von einem interessanten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Querelen ohne Ende: Polen greift Russland erneut wegen Nordstream 2 an

Der Bau der Gasleitung Nordstream 2, den Deutschland gemeinsam mit Russland plant, kommt nie zur Ruhe. Jetzt attackiert wieder Polen das...

DWN
Politik
Politik Regierungskrise zieht auf: US-Gouverneure weigern sich, Trump mit Truppen zu unterstützen

Die Gouverneure mehrerer amerikanischer Bundesstaaten haben die Aufforderung von Präsident Trump, Truppen zur Verstärkung nach Washington...

DWN
Politik
Politik Soldaten gegen Demonstranten? US-Verteidigungsmininster Mark Esper stellt sich gegen Trump

Der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper lehnt den Einsatz von Soldaten gegen gewalttätige Demonstranten ab.

DWN
Politik
Politik FBI entlastet Antifa und nimmt Rechtsextremisten ins Visier

Aus einem Lagebericht des FBI geht hervor, dass die Antifa an den Ausschreitungen am 31. Mai in Washington keine Schuld trifft. Stattdessen...

DWN
Politik
Politik London, Paris, Athen: In Europa brechen Anti-Rassismus-Proteste aus

Auch in Europa kommt es verstärkt zu Protesten gegen Rassismus und Ausgrenzung. In London, Paris, Athen, Stockholm und Rotterdam haben...

DWN
Panorama
Panorama USA: Geplünderte Handelsketten solidarisieren sich mit den Plünderern

"Wir können unsere Fenster und Handtaschen ersetzen, aber wir können George Floyd, Ahmaud Arbery, Breonna Taylor, Eric Garner, Trayvon...

DWN
Politik
Politik Neue Doktrin: Russland behält sich vor, Atomwaffen in konventionellem Krieg einzusetzen

Russland hat eine neue Doktrin zum Einsatz von Kernwaffen veröffentlicht.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Corona-Ticker vom 3. Juni: Mehr als 50.000 Tote in Großbritannien

Lesen Sie die aktuellen Meldungen zur Corona-Pandemie im Liveticker.

DWN
Finanzen
Finanzen Beste Stimmung im Kasino: Börsen verzeichnen trotz Krisen steigende Kurse

An den Aktienmärkten ist die Stimmung trotz der Unruhen in den USA, der Konfrontation der USA mit China und des weltweiten...

DWN
Deutschland
Deutschland Neues Gesetz zur Überwachung des Internets: Den Deutschen drohen 150.000 Strafverfahren pro Jahr

150.000 Verfahren im Jahr: Das könnten die Folgen des neuen Gesetzes zur Überwachung des Internets sein.

DWN
Politik
Politik Bericht: Warum „White Lives Matter“ rassistisch ist

Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Anti Defamation League zufolge wurde die Phrase „White Lives Matter“ von weißen...

DWN
Politik
Politik Wie Araber-Clans den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat ablehnen

Drogenhandel per Kokstaxi, Geldwäsche, Schießereien - solche kriminelle Energie macht Ermittlern in der Hauptstadt zu schaffen. Etliche...

DWN
Technologie
Technologie Banken wehren sich mit Künstlicher Intelligenz gegen zunehmenden Betrug

Künstliche Intelligenz wird für Banken zunehmend wichtiger.

DWN
Technologie
Technologie Umstrittene Studie: Auto-Konzerne profitieren von fehlendem Kosten-Bewusstsein der Autofahrer

Laut einer wissenschaftlichen Studie schätzen Autofahrer die Kosten, die ihr Fahrzeug produziert, völlig falsch ein.

celtra_fin_Interscroller