Gemischtes

Bundesbank: Vermögen sind in Deutschland besonders ungleich verteilt

Lesezeit: 3 min
21.03.2016 14:56
Die Nettovermögen in Deutschland sind deutlich ungleicher verteilt als in den anderen europäischen Ländern, so eine Studie der Bundesbank. Belohnt wird Risiko und Immobilien-Besitz.
Bundesbank: Vermögen sind in Deutschland besonders ungleich verteilt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Besitzer von Immobilien und Aktien sind in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich reicher geworden. Das geht aus einer Studie der Bundesbank hervor, deren Ergebnisse sie in ihrem jüngsten Monatsbericht am Montag veröffentlichte. Die Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF) für Deutschland zeigt: Vor allem wer Häuser, Wohnungen und Aktien besitzt, konnte sein Vermögen in den vergangenen Jahren mehren.

Seit Jahren ist günstiges Notenbankgeld die Treibkraft für die Börsen, und das Zinstief treibt die Preise an den Immobilienmärkten. Allerdings: So kräftig, wie es boomende Börsen und explodierende Immobilienpreise vermuten ließen, legten die Nettovermögen der Bundesbürger im Vergleich der Jahre 2010 und 2014 nicht zu.

„Ob die Reichen mehr Immobilien kaufen oder die Immobilie die Reichen reicher macht“ sei anhand der Daten nicht auszumachen, erklärt Tobias Schmidt vom Forschungszentrum der Deutschen Bundesbank, der die Studie maßgeblich betreut. Es gebe jedoch „einen starken Zusammenhang zwischen Immobilienbesitz und Vermögen“, heißt es in der Studie, die die Bundesbank nach aufwendiger Auswertung am Montag veröffentlichte. Dass Durchschnitts-Deutsche um Aktien einen großen Bogen machen, lässt die richtig Wohlhabenden weiter davonziehen.

Insgesamt sehen die Forscher durch die Daten, die von April bis November 2014 in 4461 repräsentativ ausgewählten Haushalten erhoben wurden, das Kernergebnis ihrer ersten Erhebungswelle 2010 bestätigt: „Die Nettovermögen in Deutschland sind weiterhin ungleich verteilt“, stellt Schmidt fest. Etwa die Hälfte der jetzt befragen Haushalte - das kann ein Single-Haushalt sein oder eine Familie mit vielen Kindern; Voraussetzung ist, dass gemeinsam gewirtschaftet wird –nahm bereits zum zweiten Mal an der Studie teil.

9259 Menschen ab einem Alter von 16 Jahren gaben umfassend Auskunft über ihr Vermögen – und ihre Schulden. Auf der Haben-Seite: Haus und Auto, wertvolle Sammlungen und Schmuck, Guthaben auf Sparkonten, Bausparverträge, Aktien, Lebensversicherungen. Auf der Soll-Seite: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditkartenschulden, Bafög-Schulden.

Rechnet man die Summe aller Vermögenswerte hoch und teilt sie durch 40 Millionen Haushalte, ergibt sich ein durchschnittliches Bruttovermögen der privaten Haushalte in Deutschland von 240.200 (2010.222 200) Euro. Abzüglich von Schulden bleibt ein Nettovermögen von 214.500 (195.200) Euro übrig. Im Schnitt stiegen die Nettovermögen der erneut befragten Haushalte um 11.000 Euro. Bei den Werten verlassen sich die Forscher auf die Angaben der Befragten.

Die nüchterne Erkenntnis: Den reichsten zehn Prozent gehören 59,8 (2010: 59,2) Prozent des Nettovermögens, während fast drei Viertel der privaten Haushalte 2014 nur über ein unterdurchschnittliches Nettovermögen verfügten. Die untere Hälfte der Haushalte verfügt über magere 2,5 Prozent des gesamten Nettovermögens.

Weil die Durchschnittswerte zu den Vermögen jedoch stark durch Extremwerte beeinflusst sind, halten die Bundesbank-Experten eine andere Auswertung für aussagekräftiger: den sogenannten Medianwert. Dabei werden alle einzelnen Daten der Reihe nach aufgelistet, dann wird die Mitte der Verteilung festgestellt. Die Haushalte werden also in eine reichere und ärmere Hälfte geteilt. Diese Medianwerte liegen deutlich niedriger als die durch „Ausreißer“ verzerrten reinen Durchschnittswerte: brutto bei 77.200 (2010: 67 900) Euro, netto bei 60.400 (51.400) Euro.

Die Grenze zwischen den vermögendsten zehn Prozent und dem Rest der Haushalte verlief bei 468.000 Euro und ist somit acht Mal so hoch wie der Median. Für den Euroraum insgesamt ergab sich hierbei in der Studie 2010 – neuere Daten für den Währungsraum werden Ende 2016 erwartet – ein Wert von fünf.

Das heißt: Die Nettovermögen in Deutschland sind deutlich ungleicher verteilt als in vielen anderen europäischen Ländern. Für Italien liegen bereits Zahlen für 2014 vor: Dort liegt das durchschnittliche Nettovermögen bei 218.000 Euro, der Median bei netto 138.000 Euro.

Im innerdeutschen Vermögensvergleich hinkt der Osten – trotz Zuwächsen – zudem hinter dem Westen her. Die durchschnittlichen Nettovermögen lagen in den fünf ostdeutschen Bundesländern plus Berlin im Jahr 2014 bei 96.100 (2010: 67.480) Euro, im Westen waren es 246.000 (230.240) Euro. Der Median lag im Osten bei netto 24.800 (21.440 Euro), im Westen bei 80 000 (78.910) Euro.

Ein Grund: Immobilienbesitz und Betriebsvermögen sind im Osten weniger verbreitet als im Westen, wo Vermögen oft schon seit Generationen gemehrt wird. „Vermögen baut sich langsam auf“, erklärt Bundesbank-Forscher Schmidt. Darum hofft er auch, dass die Notenbank auf Grundlage ihrer nächsten Umfrage, die für 2017 geplant ist, für einen längeren Zeitraum belastbare Aussagen machen kann.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die Finanz-Jongleure der EU üben neue Tricks - besser wäre es, wenn sie den Banken die Arbeit nicht erschweren würden

Plötzlich taucht der Krisenfonds ESM aus der medialen Versenkung wieder in der öffentlichen Debatte auf. Doch was genau ist der ESM, was...

DWN
Technologie
Technologie Weltraum: Ein perfekter Ort für Mythen und Propaganda

Die Gelehrten aller Zeiten haben sich mit dem Weltraum beschäftigt. Denn Mythen geben den Menschen Halt. Heute ist es ausgerechnet der...

DWN
Politik
Politik Auf WhatsApp: Spanische Ex-Militärs sprachen über Putsch gegen Regierung

Hochrangige spanische Luftwaffenoffiziere haben auf WhatsApp offen zum Putsch gegen die spanische Regierung aufgerufen. Zuvor hatten...

DWN
Politik
Politik Frankreich: Erneut schwere Ausschreitungen, Filiale der zweitgrößten Bankengruppe wird geplündert

In Paris ist es im Verlauf einer Kundgebung gegen die Regierung zu schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Zwischenbilanz: Wer steigt auf, wer verabschiedet sich in die wirtschaftliche Zweitklassigkeit

DWN-Leser Christian Kreiß zieht eine vorläufige Bilanz: welche Staaten stehen derzeit auf der Seite der Profiteure, welche verlieren an...

DWN
Politik
Politik Realpolitikerin Baerbock über Bundeswehr: „Gewehre müssen schießen und Nachtsichtgeräte funktionieren“

Grünen-Chefin Annalena Baerbock macht sich für eine bessere Grundausrüstung der Bundeswehr stark. Sie hat als Realpolitikerin die...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Aluminium-Branche schlägt Alarm: Cocktail aus Covid und Green Deal führt den Mittelstand in den Ruin

Der europäische Zusammenschluss der Aluminium verarbeitenden Unternehmen warnt in einer neuen Studie vor dem Ausverkauf einer ganzen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Hunderte Millionen betroffen: Pandemie löst weltweite Ernährungs-Krise aus

Zahlreiche Menschen werden offenbar nicht wegen einer Corona-Infektion, sondern aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf...

DWN
Politik
Politik Eskalation in Sachsen-Anhalt: Ministerpräsident Haseloff feuert Innenminister im Streit um Rundfunkgebühren

Der Streit um die Anhebung der Rundfunkgebühr in Sachsen-Anhalt eskaliert. Ministerpräsident Haseloff feuert seinen INnenminister.

DWN
Politik
Politik Nord Stream 2: Keine US-Sanktionen gegen Merkel, sondern „nur“ gegen deutsche Firmen

Im Streit um die deutsch-russische Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 will der US-Kongress Sanktionen gegen Regierungen und Behörden...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Ombudsfrau rügt Deal zwischen BlackRock und EU-Kommission, doch ohne Konsequenzen

Die Europäische Ombudsfrau hat einen Auftrags-Deal zwischen der EU-Kommission und dem US-Finanzgiganten BlackRock wegen möglicher...

DWN
Politik
Politik US-Kongress will Truppenabzug aus Deutschland stoppen

Demokraten und Republikaner im US-Kongress wollen den von Präsident Donald Trump geplanten Truppenabzug aus Deutschland blockieren. Doch...

DWN
Politik
Politik Scholz droht Tankstellen mit Pflicht zum Bau von Ladestationen für E-Autos

Wenn Deutschlands Tankstellen Ladestationen für Elektro-Autos nicht bald freiwillig installieren, dann will Bundesfinanzminister Olaf...