Finanzen

Irland liegt am Boden und übernimmt EU-Präsidentschaft

Lesezeit: 1 min
18.12.2012 15:00
Zypern gibt die EU-Ratspräsidentschaft ab ist und fast pleite. Ab Januar übernimmt Irland den Vorsitz und ist seit dem Bailout nicht wieder auf die Beine gekommen.
Irland liegt am Boden und übernimmt EU-Präsidentschaft

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Irland wird im nächsten Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Doch das Land liegt wirtschaftlich am Boden. Die irische Industrieproduktion war im Oktober dieses Jahres um dramatische 16,7 Prozent geringer als im Oktober 2011, so Trading Economics. Das BIP lag im dritten Quartal nur 0,8 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals. Die Erwerbslosenquote des Landes liegt im November fast unverändert bei 14,6 Prozent. Einziger Lichtblick ist die irische Außenhandelsbilanz.

Besonders deutlich werden die Probleme in Irland anhand der Entwicklung im Baugewerbe. Der entsprechende Index, der die Anzahl der zugelassenen Bauvorhaben misst, lag im dritten Quartal bei 20,7 Punkten, teilt das irische Statistikbüro (CSO) mit. Dieser Wert ist 4,2 Prozent geringer als im zweiten Quartal und sogar 10,8 Prozent geringer als ein Jahr zuvor. Das Jahr 2005 bildet die Grundlage dieses Index‘ mit einem Wert von 100 Punkten. Das heißt, die Zahl der Bauvorhaben ist in diesem Zeitraum auf weniger als ein Viertel geschrumpft.

Unter den derzeitigen Bedingungen in Irland scheint es auch nicht möglich, die enormen Schulden des Landes von inzwischen 180 Milliarden Euro in den Griff zu bekommen. Irland hatte im Jahr 2011 eine Staatschuldenquote von 106,4 Prozent. Denn seit der Finanzkrise 2008 macht der irische Staat massiv Schulden. 2010 betrug das Defizit 30,9 Prozent, 2011 lag es bei 13,4 Prozent. Derart aussichtslose Staatsschuldenquoten wie Irland haben in Europa sonst nur Portugal mit 108,1 Prozent, Griechenland mit 170,6 Prozent und Italien mit 120,7 Prozent. Und auch die Schulden im Süden Europas steigen weiter massiv an (mehr hier). Einen Schuldenschnitt wie für Griechenland werde es für Irland nicht geben, machte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jüngst deutlich (mehr hier).

Die Hauptursache der Staatsverschuldung in Irland sind die Bailouts irischer Banken in der Folge der Finanzkrise. Um diese zu retten, verschuldete sich der irische Staat massiv. Irland versucht seit Monaten, eine rückwirkende Rekapitalisierung irischer Banken durch den ESM nach dem Vorbild Spaniens durchzusetzen (mehr hier). Doch die EU lehnt diese Vorhaben bisher ab. Im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft wagt Irland nun einen neuen Anlauf. Es werde eine Priorität der irischen EU-Ratspräsidentschaft sein, „die Banken direkt zu rekapitalisieren“, sagte der irische Finanzminister Eamon Gilmore der Irish Times. Dadurch würden sich die irischen Staatsschulden um circa ein Drittel verringern.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zweitgrößter Weizen-Produzent der Welt stoppt den Export

Der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt stellt die Ausfuhren ein - mit weitreichenden Folgewirkungen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russischer Gas-Transit durch die Ukraine geht weiter zurück

Das Volumen russischen Gases, das durch die Ukraine in die EU gepumpt wird, sinkt weiter.

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Großhandelspreise markieren stärksten Anstieg seit den 60er Jahren

Die Großhandelspreise haben im April den stärksten Anstieg seit Beginn der Zeitreihe in den 1960er Jahren markiert.

DWN
Deutschland
Deutschland Interview mit Angela Merkel: "Man kann auch etwas von mir lernen"

DWN-Autor Arno Luik hat im März sein Buch "Als die Mauer fiel, war ich in der Sauna. Gespräche über den Wahnsinn unserer Zeit"...

DWN
Finanzen
Finanzen Bärenmarkt voraus: Was Anleger derzeit von professionellen Tradern lernen können

Investoren und Trader betrachten Märkte aus geradezu gegensätzlichen Perspektiven, die beide Erfolg haben können. Doch in einem...

DWN
Politik
Politik Moskau nennt Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands „schwerwiegenden Fehler“

Die russische Regierung warnt vor einem Beitritt Schwedens und Finnlands zur Nato.

DWN
Deutschland
Deutschland Rheinmetall: Wandel durch Krieg

"Wandel durch Handel": Bis vor kurzem galt dieses Motto noch.

DWN
Deutschland
Deutschland Ernst Wolff: "Friedrichs Traum von der Freiheit"

Ernst Wolff hat ein neues Buch veröffentlicht, das wir an dieser Stelle besprechen.