Politik

Top-Ökonom: Glaubt den Eliten nicht, Weltwirtschaft ist auf Crash-Kurs

Lesezeit: 2 min
01.06.2016 00:29
Der ehemalige Asien-Chefökonom von Morgan Stanley warnt vor schweren Krisen in der Weltwirtschaft. Die politischen Eliten würden alle Warnungen ignorieren. Sie reden sich die Lage schön und behaupten, die Lage sei nicht so schlimm. Als Beispiel der Unfähigkeit der politischen Führer nennt der Ökonom den völlig überflüssigen G7-Gipfel in Japan.
Top-Ökonom: Glaubt den Eliten nicht, Weltwirtschaft ist auf Crash-Kurs

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Der ehemalige Chefökonom für die Region Asien bei Morgan Stanley, Andy Xie, hat in einem zuerst in der South China Morning Post veröffentlichten Gastbeitrag scharfe Kritik am Zustand der Weltwirtschaft und an den führenden Eliten geäußert.

Sie seien nicht fähig oder gewillt, die gefährliche Entwicklung zu stoppen. „Vor der gegenwärtigen Zeitverschwendung namens G7-Treffen konnte die Arbeitsgruppe der G20 in Schanghai keine vernünftigen Vorschläge zur Ankurbelung der Weltwirtschaft machen und beschwerte sich stattdessen, dass die gegenwärtigen Gefahren nicht die ‚tiefer liegenden Fundamentaldaten der Weltwirtschaft‘ reflektierten. Der Ölpreis war seit Juni 2014 um 70 Prozent eingebrochen, der brasilianische Real hatte sich halbiert und der russische Rubel hatte 60 Prozent an Wert eingebüßt. Die Weltwirtschaft befindet sich am Rand einer weiteren Rezession und diese wichtigen Leute haben das alles auf eine Art psychologisches Problem der Wahrnehmung der Menschen geschoben.“

Tatsächlich „deuteten alle Anzeichen auf eine längere Periode der globalen Stagnation und Instabilität“ hin, schreibt Xie. Dafür macht Xie teilweise die expansive Geldpolitik verschiedener Notenbanken nach der Krise von 2008 verantwortlich. Diese massiven Finanzmittel hätten meist keine nachhaltige Wirkung auf die Realwirtschaft gehabt, sondern zu Preisblasen in verschiedenen Anlageformen wie Aktien und Immobilien geführt. Dadurch seien vor allem die wenigen Wohlhabenden immer reicher geworden, während der große Rest bestenfalls einige „Krümel“ des Geldsegens abbekommen hätte. „Der durch die expansive Geldpolitik erhoffte Wohlstandeffekt ist im kleinen Kreis der Wohlhabenden geblieben“, schreibt Xie.

Dort, wo massiv in die Wirtschaft investiert wurde, sei es häufig zum Aufbau von unproduktiven Überkapazitäten gekommen. Diese machen sich derzeit etwa in der europäischen Stahlindustrie bemerkbar, die unter dem hohen chinesischen Überangebot leidet. „China hat nach 2008 Gelder im Umfang von etwa 20 Billionen Dollar bereitgestellt, um den Bau von Fabriken und Wohnungen zu finanzieren. Doch eine Investition garantiert noch keine Nachfrage. China baute also noch mehr Fabriken, um Nachfrage für die eben erwähnte Fabrik zu generieren. Dieses Schneeballsystem konnte nicht lange funktionieren.“

Xie kritisiert, dass die chinesische Überproduktion überdies die Rohstoffpreise aufgebläht hat, was ebenfalls zu einem Schneeballsystem geführt habe. „Als die großen Zentralbanken die Zinsen auf Null gesetzt haben, sind Billionen von Dollar als Kredite in den Rohstoffbereich geflossen. Unternehmen in den Schwellenländern, die von den steigenden Rohstoffpreisen beeindruckt waren, liehen sich insgesamt 9 Billionen Dollar. Dieser Schuldenberg gründet auf einem Rohstoff-Schneeballsystem, welches seinerseits auf einem chinesischen Investitions-Schneeballsystem ruht. Sein Zusammenbruch ist erst der Beginn.“

Dass die Weltwirtschaft kurz vor einer Rezession stehe, sei außerdem das Resultat eines Systems falscher Anreize: „Nach der Finanzkrise von 2008 hat die amerikanische Regierung und die Federal Reserve Billionen von Dollar dafür ausgegeben, jene Leute zu retten, die die Krise erschaffen haben. Anstatt mit der Insolvenz und Gefängnis rechnen zu müssen, sind diese Leute so reich geworden wie nie zuvor. Wie vorauszusagen war, haben sie ihre Ressourcen dazu verwendet, das System noch mehr zu manipulieren.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Paul-Ehrlich-Institut: Fast 50.000 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen stehen im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen

Das Paul-Ehrlich-Institut führt in einem Sicherheitsbericht aus, dass vom 27.12.2020 bis zum 30.04.2021 „über 49.961 aus Deutschland...

DWN
Politik
Politik Das ist die Rede von Bundespräsident Steinmeier zum 76. Jahrestag des Kriegsendes

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat anlässlich des 76. Jahrestags des Kriegsendes eine bewegende Rede gehalten.

DWN
Finanzen
Finanzen Wann werden die Zentralbanken endlich abgeschafft?

All die vielen monetären Anstrengungen der letzten Jahrzehnte waren anscheinend umsonst. Die Zentralbanken verfehlen ständig ihre Ziele...

DWN
Finanzen
Finanzen Alzheimer: So bewahren Sie Freiheit, Finanzen und Lebensqualität trotz Diagnose

Betroffene und Angehörige reagieren zuerst geschockt auf die Diagnose von Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen. Doch gerade in diesen...

DWN
Deutschland
Deutschland Einmalige Vermögensabgabe durch Super-Reiche könnte dem Bund 310 Milliarden Euro bescheren

Durch eine einmalige Vermögensabgabe durch Multimillionäre in Deutschland könnte der Bund 310 Milliarden Euro einnehmen, um die...

DWN
Politik
Politik Der Klimaschutz entwickelt sich zur Seifenoper: Die Aktivisten ergehen sich in hohlen Phrasen - statt tatkräftig anzupacken

DWN-Kolumnist Ronald Barazon glaubt, dass Klimaschutz notwendig ist. Aber Ergebnisse seien nicht mit Protest und Phrasendrescherei zu...

DWN
Politik
Politik Putin gedenkt Weltkriegs-Ende: Es gibt keine Vergebung für diejenigen, die „wieder aggressive Pläne pflegen“

Anlässlich des 76. Jahrestags des Sieges der Sowjetunion über Nazideutschland hat Russlands Präsident Wladimir Putin gesagt, dass es...

DWN
Politik
Politik US-Marine fängt Schiff mit Tausenden Waffen im Arabischen Meer ab

Die US-Marine hat im Arabischen Meer ein staatenloses Segelschiff mit Tausenden Waffen abgefangen.