Gemischtes

Brexit: Junge Briten zeigten wenig Interesse am Referendum

Lesezeit: 2 min
29.06.2016 02:01
Junge Briten haben mehrheitlich für einen Verbleib in der Europäischen Union gestimmt. Ihr Frust über das Ergebnis ist jetzt groß. Doch ihre Beteiligung am Brexit-Votum war deutlich geringer als das der älteren Generationen.

Mehr zum Thema:  
Brexit >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Brexit  

Die jungen Briten hätten den Ausgang des Brexit-Votums offenbar maßgeblich beeinflussen können, wenn sie sich stärker an der Abstimmung beteiligt hätten. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass ihre Wahlbeteiligung insgesamt niedriger war als bei den Alten.

Auf die mangelhafte Beteiligung der jungen Leute macht der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring in einem Blogbeitrag aufmerksam. Der Ökonom verweist auf eine Schätzung, die von New Statesman veröffentlicht wurde. Demnach gingen nur 36 Prozent der 18- bis 24-Jährigen überhaupt zur Wahl. Bei den über 65-Jährigen waren es hingegen 83 Prozent.

Weiterhin verweist der Journalist auf Auswertungen der BBC und der FT. Das Ergebnis hier: In Wahlkreisen mit mehr jüngeren Leuten war die Wahlbeteiligung niedriger.

„Wir stellen fest, dass von den Jungen (...) nur knapp jeder Vierte zur Wahl ging und für den Verbleib in der EU stimmte. In den anderen Altersgruppen waren es durchgängig 33 bis 37 Prozent“, so Häring. „Es sieht ganz so aus, als wäre es sehr vielen jungen Briten entweder egal gewesen, oder der Anteil derer, die sich nicht zutrauten, sich eine Meinung über dieses hochkomplexe Thema zu bilden, war besonders hoch - oder eine Mischung aus beidem.“

51,9 Prozent der Briten hatten am Donnerstag für den Brexit gestimmt, 48,1 Prozent dagegen, berichtet die AFP. Bei den Bürgern im Rentenalter, die die Zeit vor dem Beitritt Großbritanniens zur damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) im Jahr 1973 noch gut in Erinnerung haben, war die Unterstützung für das „Leave“-Lager besonders groß.

Laut einer Umfrage des Instituts Michael Ashcroft unter 12.000 Referendumsteilnehmern votierten 60 Prozent der über 65-Jährigen für den Austritt aus der EU. Von den 18- bis 24-Jährigen Wählern sprachen sich hingegen 73 Prozent für einen Verbleib in der EU aus, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es immerhin 62 Prozent.

Jetzt laden junge Briten erst einmal ihren Frust ab. Der Ausgang des EU-Referendums sei ein Rückschritt, schreibt der Cambridge-Student Matthew van der Merwe in einem Leserbrief an die Financial Times. „Viel von dem Optimismus, den ich mit den meisten meiner Generation geteilt habe, ist jetzt weg.“

Unter dem Schlagwort „#NotInMyName“ (Nicht in meinem Namen) machen junge Briten im Kurznachrichtendienst Twitter klar, dass sie ganz und gar nicht hinter der Brexit-Entscheidung stehen.

Dass es sich dabei aber nicht um ein rein britisches Phänomen handelt, zeigte bereits die Beteiligung an den Europawahlen. „2014 gingen 35,3 Prozent der jungen Europäer zwischen 21 und 24 zur Wahl. Bei den 25 bis 29-Jährigen lag die Wahlbeteiligung bei 36 Prozent“, berichtet DRadio Wissen. Das Fazit der Redaktion mit Blick auf Großbritannien: „Mit Wahlpflicht hätten sich die Briten womöglich für die EU entschieden.“


Mehr zum Thema:  
Brexit >

DWN
Politik
Politik Der Chefredakteur kommentiert: Verbot des Compact-Magazins - Schutz der Demokratie oder Angriff auf die Freiheit?
19.07.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Politik
Politik Zukunft der Marine: Pistorius denkt über zusätzliche U-Boote nach
19.07.2024

Die U-Boote spielen eine zentrale Rolle in der Marine. Deutschland hat bereits zusätzliche Boote in Auftrag gegeben. Wird trotz der...

DWN
Immobilien
Immobilien BGH-Urteil: Siegreiche Eigentümer müssen nun auch Prozesskosten tragen!
19.07.2024

Streitigkeiten sind in Wohnungseigentümergemeinschaften keine Seltenheit und landen oft vor Gericht. Müssen die siegreichen Parteien dann...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft IT-Ausfälle weltweit: Flughäfen, Banken und Kliniken teilweise im Chaos - Ursache gefunden
19.07.2024

Flugzeuge am Boden, Fernsehsender zeigen nur Standbilder, Operationen abgesagt: Es kommt selten vor, dass ein Computerproblem globale...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Düstere Prognose für Deutschland: IWF senkt Wachstumserwartung!
19.07.2024

Die Konjunktur in Deutschland bleibt anscheinend auch 2024 Schlusslicht. Der IWF sieht nur ein Wachstum von 0,2 Prozent und langfristig...

DWN
Politik
Politik Biden-Rückzug naht? – Trump glänzt nach Attentat
19.07.2024

Biden allein in der Isolation, Trump umgeben von seiner Familie im Regen von Konfetti: Die Bilder der beiden Kontrahenten im US-Wahlkampf...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft E-Autos: Scholz setzt auf serbisches Lithium
19.07.2024

Bundeskanzler Olaf Scholz schließt am Freitag in Belgrad mit Serbien ein Abkommen über den umweltfreundlichen Abbau von Lithium im...

DWN
Politik
Politik Aids-Konferenz: Sorge um Finanzierung und politische Lage
19.07.2024

In München treffen sich tausende Experten zur weltgrößten Konferenz zu HIV und Aids. Sorgen macht ihnen die politische Weltlage. Sind...