Finanzen

US-Arbeitsmarkt: In der Realität findet der Aufschwung nicht statt

Lesezeit: 2 min
12.07.2016 00:57
In den USA stieg die Zahl der Arbeitsstellen im Juni überraschend deutlich. Die guten Nachrichten stehen im Widerspruch zur derzeitigen Grundtendenz in der amerikanischen Wirtschaft. Diese ist negativ, wie ein Blick hinter die schönen offiziellen Zahlen zeigt.
US-Arbeitsmarkt: In der Realität findet der Aufschwung nicht statt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

In einer interessanten Analyse widmet sich die Bremer Landesbank den neuesten Arbeitsmarkt-Daten aus den USA:

Reden wir über den Arbeitsmarkt der USA, der eine sensationelle Wendung genommen hat.

Am Freitag fühlte man sich an Helene Fischers Lied „Atemlos“ ob der notwendigen intellektuellen Verarbeitung dieser nahezu historischen Wendung erinnert.

Mein Gott, wie machen die das in den USA nur. Wie von Zauberhand entstehen Jobs, als ob sich die US-Wirtschaft in einem Boom befände. Das ist aber nicht der Fall.

Wir sind mit dem schwächsten Expansionsbild der US-Wirtschaft seit 2012 konfrontiert.

Wir sind mit der größten Gewinnrezession bei US-Unternehmen seit 2009 konfrontiert.

Wir sind mit der Tatsache konfrontiert, dass die Einzelhandelsumsätze das schwächste nominelle Wachstum seit 2011 ausweisen und ganze US-Warenhausketten scheiterten oder ihre Filialnetze einkürzten, während der produzierende Sektor längst in einer Rezession steckt (Auftragseingänge auf dem Niveau von 2012) und der Immobilienmarkt und die Baubranche nur mit aggressiver Hypothekenvergabe auf der Qualitätsbasis 2007 am Leben erhalten werden.

Deswegen hat JP Morgan jetzt betont, dass die Risiken für eine US-Rezession im Laufe der kommenden 12 Monate mit 37% auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Erholung sind. Die Deutsche Bank ist bei einem vergleichbaren Indikator übrigens bei einer Wahrscheinlichkeit von 60%. Wir verweisen auf den Jahresausblick 2016: USA – Flirt mit Rezession … Diese Prognose hatte nichts mit Kristallkugeln, sondern mit Strukturen zu tun …

Damit sind wir dann bei dem Lied von Katja Ebstein: „Wunder gibt es immer wieder“

Wir nehmen vor diesem Hintergrund folgende Daten zur Kenntnis:

Die Beschäftigung außerhalb des Agrarsektors nahm per Juni um 287.000 Jobs zu. Die Prognose lag bei 175.000. Der Vormonatswert wurde von 38.000 auf 11.000 revidiert.

Im Dienstleistungssektor wurden 278.000 Jobs geschaffen.

Ein Hintergrund: Wegen des Niedriglohns werden Festangestellte zum Teil gekündigt und gegen Teilzeitkräfte ausgetauscht = Mehr Quantität bei geringerer Lohnsumme, die volkswirtschaftlich relevant ist!

Die durchschnittlichen Stundenlöhne verfehlten mit +0,1% die bei +0,2% angesiedelte Prognose.

Die durchschnittliche Arbeitszeit verharrte bei 34,4 Stunden.

Die Partizipationsrate legte leicht von 62,6% auf 62,7% zu.

Die Arbeitslosenquote nahm von zuvor 4,7% auf 4,9% zu.

Als Grafik bieten wir heute die Partizipationsrate und den Chart der Menschen, die aus der Statistik entfernt worden sind:


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Erstaunliche Entwicklung trotz Korruption: China als Spiegel globaler Realitäten - TEIL 2
28.05.2024

China hat sich trotz regelmäßiger Korruptionsskandale enorm entwickelt. Dabei wird generell angenommen, dass erst eine Überwindung von...

DWN
Immobilien
Immobilien Der Bauträger ist pleite: Was tun? Wie sich Bauherren besser schützen können
28.05.2024

Ein Bauträger nach dem anderen geht bankrott – die Sorge am Markt steigt gleichermaßen auf Seiten von Investoren und frisch gebackenen...

DWN
Politik
Politik Pistorius präsentiert den SPD-Tauben sein Wehrpflicht-Konzept
28.05.2024

Der Verteidigungsminister hat seiner vom Friendenskanzler auf Linie gebrachten Partei dargelegt, wie er sich den Weg zurück zur Wehrdienst...

DWN
Panorama
Panorama Weniger Lust auf Milch - von Tradition zur ethischen Debatte
28.05.2024

Jahrzehntelang hatte Milch in Deutschland einen guten Ruf. Im Vergleich zu den 1990er-Jahren ist der Verbrauch bei Kuhmilch aber deutlich...

DWN
Politik
Politik Macron warnt vor Extremen und ruft zur Verteidigung Europas auf
27.05.2024

Macron begeistert Dresden, als er weite Teile seiner Rede auf dem Neumarkt auf Deutsch hält. Emotional beschwört er das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 300 Millionen Euro-Investition: Haribo will neues Werk in Neuss bauen
27.05.2024

Haribo sind die Lieblings-Süßigkeiten in Deutschland, in den USA mittlerweile - und bald wohl auch in Japan und Korea. Die Nachfrage nach...

DWN
Politik
Politik Russland wirft Nato "kriegerische Ekstase" um Ukraine vor
27.05.2024

Die Nerven in Moskau werden fadenscheinig. EU und Nato schnüren ein Sanktionspaket nach dem anderen, die Unterstützung für die Ukraine...

DWN
Politik
Politik Entsetzen und Empörung nach Luftangriff Israels in Rafah mit 45 Toten
27.05.2024

Ein israelischer Luftangriff auf zwei Hamas-Mitglieder in Rafah im südlichen Gazastreifen hat verheerende Folgen. Israels Regierungschef...