Politik

Minus 10 Prozent: Deutsche Exporte brechen ein

Lesezeit: 1 min
09.09.2016 11:37
Die deutsche Exportwirtschaft bekommt die Folgen des Rohstoff-Schocks zu spüren: Die Exporte sind im Juli um 10 Prozent eingebrochen. Der Grund: Weil die Rohstoffpreise abgeschmiert sind, haben sich die Investitions-Zyklen verlangsamt. Die deutsche Exportwirtschaft mit ihren langlebigen Investitionsgütern ist von dieser Entwicklung besonders betroffen.
Minus 10 Prozent: Deutsche Exporte brechen ein

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die deutschen Exporte sind im Juli angesichts der schwachen Weltkonjunktur so stark eingebrochen wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Sie fielen um 10,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 96,4 Milliarden Euro. "Einen größeren Rückgang gab es zuletzt im Oktober 2009", erklärte das Statistische Bundesamt am Freitag. Damals sorgte die Finanzkrise für einen Einbruch des Welthandels. Der starke Rückgang liege auch daran, dass die Geschäfte im Vergleichsmonat Juli 2015 außergewöhnlich gut gelaufen seien. "Mit einer Bruchlandung beginnt der Außenhandel das zweite Halbjahr", sagte der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner. "Die ungewöhnlich vielen Krisenherde hinterlassen ihre Spuren."

Dies sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) genauso. "Das ist ein Schuss vor den Bug der deutschen Konjunktur", unterstrich dessen Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Die Schwäche der Schwellenländer und zunehmender Protektionismus sind im deutschen Außenhandel jetzt voll angekommen. Auch der Rückenwind vom schwachen Euro ist versiegt." ING-Ökonom Carsten Brzeski resümierte: "Der einst starke Motor der deutschen Wirtschaft - die Industrie - stottert."

Die Ausfuhren in die EU-Länder sanken um 7,0 Prozent im Vergleich zum Juli 2015. Die Nachfrage aus der Euro-Zone nahm um 6,0 Prozent ab. Die Exporte in die Staaten außerhalb der Europäischen Union - wozu die weltgrößten Volkswirtschaften USA und China gehören - sanken sogar um 13,8 Prozent. Möglicherweise haben Sondereffekte dazu beigetragen. "Die Werksferien fielen diesmal vor allem auf den Juli", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. "Deshalb scheint es hier Verschiebungen gegeben zu haben." Mit dem Brexit-Votum der Briten habe der Einbruch nichts zu tun, sondern eher mit solchen Sondereffekten.

In den ersten sieben Monaten des Jahres nahmen die Exporte um 0,3 Prozent auf 699,3 Milliarden Euro ab. Der BGA hat erst kürzlich seine Prognose für das deutsche Exportwachstum in diesem Jahr mehr als halbiert - auf 1,8 bis zwei Prozent. Die Krisenherde in der arabischen Welt, die unsichere Entwicklung in Russland und Ängste vor einem Auseinanderdriften der Europäischen Union nach dem Anti-EU-Votum der Briten wurden als Gründe dafür genannt.

Auch die deutschen Importe gingen im Juli zurück - und zwar um 6,5 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Exporte übertrafen die Importe kalender- und saisonbereinigt um 19,4 Milliarden Euro.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen „All-in“ für den Goldpreis: Die US-Notenbank setzt mit voller Wucht auf Inflation

Die US-Notenbank Fed hält an ihrem inflationären Kurs fest. Eine Zinserhöhung ist trotz Ankündigung sehr ungewiss. Doch eine höhere...

DWN
Finanzen
Finanzen Bank of England hält an lockerer Geldpolitik fest, wartet auf höhere Inflation

Die britische Notenbank belässt Zinsen und Anleihekäufe unverändert. Mit einer Straffung der Geldpolitik will sie vorerst noch warten.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft OPEC+ will ab August Ölförderkürzungen lockern, Bank of America mit heftiger Preisprognose

Die OPEC+ plant, ab August 2021 die Drosselung der Ölproduktion zu lockern. Die Bank of America hat eine interessante Prognose zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Cannabis auf Rezept: Gegen diese Krankheiten wirkt die Heilpflanze

Cannabis ist vielen nur als Droge bekannt. Dabei nutzen Menschen das Kraut seit Jahrtausenden auch als Heilpflanze. Seit 2017 können...

DWN
Politik
Politik Merkel fordert neue Durchgriffsrechte für EU-Kommissare

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert neue Durchgriffsrechte für EU-Kommissare in mehreren Bereichen. Die Pandemie habe gezeigt, dass ein...

DWN
Politik
Politik Russland verlegt Kriegsflugzeuge in Richtung des Schwarzen Meeres

Russland verlegt drei U-Boot-Abwehrflugzeuge vom Typ Tu-142 vom Luftwaffenstützpunkt Kipelovo zum russischen Marinestützpunkt in Jeisk....

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Bombenalarm im Wahlkreis-Büro von Angela Merkel

Im Wahlkreisbüro von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Stralsund hat es am Donnerstag einen Bombenalarm gegeben.

DWN
Politik
Politik Deutschland baut seine Rolle in Libyen nach Absprache mit den USA aus

Deutschland baut seine Rolle im Libyen-Konflikt aus – doch nur in Kooperation mit den USA.