Politik

Griechenland: Parteien genehmigen sich Millionen-Sonderzahlung aus der Staatskasse

Noch bevor im Mai gewählt wird, wollen sich die großen Parteien PASOK und „Neue Demokratie“ Vorauszahlungen aus der Staatskasse genehmigen. Der Grund: Umfragen sagen den beiden Parteien voraus, dass sie halbiert werden. Entsprechend geringer wäre dann ihr Anteil an der Parteienfinanzierung. Schon heute schulden die beiden den Banken 250 Millionen Euro.
08.04.2012 00:21
Lesezeit: 1 min

Die beiden großen griechischen Parteien, die in den vergangenen Jahren durch Korruption und hemmungslose Vetternwirtschaft maßgeblich zu wirtschaftlichen Kollaps des Landes beigetragen haben, wollen am Montag im Parlament eine außerordentliche Parteienfinanzierung beschließen. Obwohl beide Parteien bei den Parteien bereits heute mit 250 Millionen Euro bei den griechischen Banken in der Kreide stehen, soll es zu einer vorgezogenen Auszahlung von Steuergeldern an die Parteien kommen.

Der Grund für die hemmungslose Aktion liegt auf der Hand: Aktuelle Meinungsumfragen sagen den beiden großen Parteien dramatische Einbrüche voraus. Weil beiden Parteien nach der Wahl aller Voraussicht nach nur noch halb so groß sein werden wie jetzt, würde ihnen dann weniger Geld zustehen. Daher wollen die beiden Parteiführer Evangelos Venizelos und Antonis Samaras noch schnell sicherstellen, dass ihren Funktionären nicht allzu viel verlorengeht: 30 Millionen Euro sollen als „Abschlagzahlung“ ausgezahlt werden. Die Begründung: Sonst könnten die Parteien keinen Wahlkampf führen. Damit die Aktion nicht allzu unverschämt aussieht, soll allen Parteien, die 2009 ins Parlament gewählt wurden, ein Obolus zuteilwerden – freilich je nach Fraktionsstärke.

Bei den kleinen Parteien hat dieser erneute Griff in die Staatskasse zu wütenden Protesten geführt. Dora Bakoyannis von der Demokratischen Allianz spricht von einer „Provokation“. Man könne nicht die Bürger durch brachiale Sparprogramme an den Rand der Verzweiflung bringen und selbst nicht einmal daran denken, Schulden in Millionenhöhe zurückzuzahlen. Yiannis Amoiridis von der Linken sagte, es sei unzumutbar, dass die Parteien teure Umfragen durchführen und sich auf Steuerzahler-Kosten Luxusbüros selbst in der Krise leisten. Giorgos Karatzaferis von der LAOS-Partei sagte, die Aktion sei „monströs“.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik Friedensgespräche: Putin und Selenskyj – weshalb die Gegner nicht zusammenfinden
29.08.2025

Die Erwartungen an neue Friedensgespräche zwischen Putin und Selenskyj sind groß, doch Hindernisse bleiben massiv. Misstrauen,...

DWN
Finanzen
Finanzen BYD-Aktie bricht ein: Gewinnserie beim chinesischen E-Autobauer reißt – Preiskrieg belastet den Marktführer
29.08.2025

BYD legt Halbjahreszahlen vor – und überrascht mit einem Rekordumsatz, aber auch dem ersten Gewinneinbruch seit Jahren. Anleger fragen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Drohnen-Start-up aus Bayern: Donaustahl erhöht Tempo bei Produktion und Finanzierung
29.08.2025

Das Drohnen-Start-up Donaustahl hat seinen Umsatz 2024 verdoppelt und will ab 2026 in Bayern eigene Drohnenmotoren fertigen. Rückenwind...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungslos trotz Job: Wohnungsnot betrifft in Deutschland zunehmend Erwerbstätige
29.08.2025

Die Wohnungslosenzahlen steigen in Deutschland rasant: 474.700 Menschen gelten aktuell als wohnungslos – das sind 8 Prozent mehr als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflationsrate klettert auf 2,2 Prozent: "Inflation ist hartnäckiger als gedacht"
29.08.2025

Die Inflation in Deutschland bleibt ein zentrales Thema: Verbraucherpreise steigen, Kaufkraft sinkt und Ökonomen warnen vor anhaltender...

DWN
Politik
Politik Russland: Angriff auf Ukraine zerstört Hoffnung auf Friedensgespräche
29.08.2025

Ein russischer Luftangriff erschüttert die fragile Hoffnung auf Frieden im Ukraine-Krieg. Während in Kiew zahlreiche Opfer beklagt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zwischen Kontrolle und völliger Freiheit: Welcher Führungsstil ist vorteilhafter?
29.08.2025

In Zeiten, in denen Gehälter immer seltener das entscheidende Kriterium im Wettbewerb um Arbeitskräfte sind, müssen Arbeitgeber etwas...

DWN
Technologie
Technologie DKB-Störung: Kunden bundesweit vom Online-Banking und der App abgeschnitten
29.08.2025

Die Deutsche Kreditbank kämpft aktuell mit einer massiven Störung. Weder Login noch Überweisungen funktionieren zuverlässig – Kunden...