Think Tank: Bailout für Spanien würde bis zu 650 Milliarden Euro kosten

Lesezeit: 2 min
26.07.2012 22:37
Spanien ist das größte Sorgenkind. Um Spanien bei untragbaren Zinssätzen drei Jahre mit einem Rettungspaket zu unterstützen, wären bis zu 650 Milliarden Euro notwendig, schätzt der Think Tank Open Europe. Doch vor Mitte 2013 stünden Finanzmittel in dieser Höhe gar nicht zur Verfügung. Und auch eine Intervention der EZB wäre nicht ausreichend.
Think Tank: Bailout für Spanien würde bis zu 650 Milliarden Euro kosten

Bis Mitte 2015 muss Spanien 542 Milliarden Euro finanzieren, so der britische Think Tank Open Europe. Für eine finanzielle Unterstützung der spanischen Regionen könnten zudem noch weitere 20 Milliarden Euro an Geldern benötigt werden (die Regionen sind stark verschuldet – hier). Da diese 20 Milliarden Euro Teil des gesamten spanischen Defizits sind, wird Spanien sein Defizitziel weiter verfehlen – das würde das Vertrauen der Märkte zusätzlich schwächen, so der Think Tank.

Zudem hat der spanische Staat noch unbezahlte Rechnungen in Höhe von 98,5 Milliarden Euro zu begleichen. Es ist geplant, diese in den kommenden zwei Jahren zu bezahlen. Die meisten dieser Schulden wurden bei heimischen Gläubigern gemacht. Je länger diese also zurückgehalten werden, umso schädlicher ist auch dies für die spanische Wirtschaft.

Open Europe warnt davor, dass Spanien bald gezwungen sein wird, ein volles Bailout-Programm zu beantragen. Die Zinssätze für spanische Anleihen sind so hoch, dass der Zugang zum Markt gefährdet ist. Insgesamt, so Open Europe, würde es zwischen 450 und 650 Milliarden Euro kosten, um Spanien für drei Jahre vom Markt zu nehmen – falls die Rendite nicht mehr tragfähig wäre. Ökonomisch gesehen sei dies aber unmöglich, denn bis Ende 2012 werden der ESM und der EFSF lediglich 345 Milliarden Euro aufbringen können.

Nach dem Rettungspaket für Griechenland, Irland und Portugal verbleiben derzeit noch 248 Milliarden Euro im EFSF. Zieht man die 100 Milliarden Euro für den Banken-Bailout und die 13 Milliarden für das Rettungspaket Zyperns ab, bleiben lediglich 135 Milliarden Euro im EFSF zur Verfügung. Allein das ist viel zu wenig, um Spanien ein volles Rettungspaket zu gewähren. Insofern müsste gewartet werden, bis der ESM in Kraft tritt. Angesichts der Verfassungsprobleme in Deutschland und Österreich kann dies aber noch eine Weile dauern (mehr hier).

Und selbst dann wird die Kreditvergabehöhe nicht sofort bei den für den ESM zunächst eingeplanten 500 Milliarden Euro liegen. Bis Mitte 2012 wird der ESM theoretisch nur einen Kreditrahmen von 210 Milliarden Euro zur Verfügung haben, weil lediglich 32 Milliarden Euro bis dahin eingezahlt worden sein werden. Bis Mitte 2013 wird eine zweite Kapitaleinzahlung in den ESM erfolgen, so dass Kredite in Höhe von bis zu 420 Milliarden Euro vergeben werden könnten. Erst Mitte 2014 werden die vollen 500 Milliarden Euro im ESM sein. Insofern stünden die finanziellen Mittel für ein spanisches Rettungspaket frühestens Mitte 2013 zur Verfügung.

Ein anderes mögliches Mittel zur Unterstützung Spaniens wäre ein Eingreifen der EZB durch Anleihenkäufe sowie die Vergabe eines weiteren Tendern, ein Notkredit in Höhe von 78 Milliarden Euro, um die Finanzierung für dieses Jahr zu decken, und eine Anpassung des Banken-Bailouts. Dann würden die Gelder des Banken-Bailouts, die nicht genutzt werden, an den Staat fließen, dass entspreche rund 38 Milliarden Euro, so Open Europe. Nimmt man diese drei Wege zusammen, käme man auf rund 155 Milliarden Euro, schätzt der Think Tank. Das würde genügen, um Spanien knapp 12 Monate über Wasser zu halten. Das wäre also nur eine kurzfristige Maßnahme, die etwas mehr Zeit verschaffen könnte.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Rumänien will Gold zurück ins Land holen: Präsident blockiert Vorhaben wegen EZB

Rumäniens Präsident verweigert die Unterschrift unter ein Gesetz, das die Heimholung der staatlichen Goldreserven ins Land vorsieht....

DWN
Politik
Politik Fall Huawei: Merkel widersteht Druck der US-Regierung, nun folgt Palastrevolte von CDU-Abgeordneten

Eine Reihe von CDU-Abgeordneten fordern von Kanzlerin Merkel, Chinas Technologie-Riesen Huawei nicht am Ausbau des 5G-Netzes zu beteiligen....

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank will tausende Mitarbeiter durch Algorithmen ersetzen

Die Deutsche Bank automatisiert große Teile ihres Backoffice. Dies soll dazu beitragen, den versprochenen Abbau von 18.000 Stellen zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Weik & Friedrich: Der erste Schritt ist getan, jetzt kommen Negativzinsen von 4 Prozent für alle

Mit der Volks- und Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck erhebt die erste Bank Negativzinsen ab dem ersten Euro auf Tagesgeldkonten. In wenigen...

DWN
Technologie
Technologie Amnesty International: „Google und Facebook haben einen Überwachungs-Kapitalismus geschaffen“

Der Organisation Amnesty International zufolge haben Technologiekonzerne wie Facebook und Google ein räuberisches System erschaffen,...

DWN
Politik
Politik Großmächte blockieren Routen: Energie-Korridor vom Iran nach Europa wird nicht kommen

In zentralen geopolitischen Entwicklungen kooperieren die USA, die Türkei und Russland miteinander. Die Wahrscheinlichkeit der...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Strompreis springt von Allzeithoch zu Allzeithoch

Berechnungen zufolge werden die Strompreise in Deutschland auch im kommenden Jahr abermals stark steigen. Hintergrund sind deutliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Verwirrung um die Zahlungsfähigkeit polnischer Geschäftspartner

Die Zahlungsausfälle für deutsche Unternehmen, die nach Polen liefern, haben sich angeblich verdoppelt. Wie der internationale...

DWN
Politik
Politik Europas Christdemokraten fordern rasche Integration des Balkan in die EU

Die Europäische Volkspartei hat eine Dringlichkeits-Resolution verabschiedet, die eine Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Moody’s senkt Ausblick für Deutschlands Bankenbranche auf „negativ“

Der US-Ratingagentur Moody’s zufolge nimmt die Kreditwürdigkeit deutscher Banken ab.

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto-Königin bringt Anleger um Milliarden und taucht unter

Die Gründerin der Betrugs-Kryptowährung OneCoin ist nach der Aufdeckung des Skandals untergetaucht. Ihr Bruder, der gestanden und...

DWN
Deutschland
Deutschland Rezession in der Industrie: Baden-Württemberg fordert Ausweitung der Kurzarbeit

Angesichts der Rezession in der Industrie werden in Baden-Württemberg Rufe nach einer Erhöhung und längeren Bezugsdauer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KFZ-Versicherung: Haftpflichtbeitrag sinkt binnen Wochen um 21 Prozent

Der Beitrag für eine Haftpflichtversicherung ist seit August 2019 um 21 Prozent gesunken. Verbraucher sollten schnell reagieren, um von...

DWN
Deutschland
Deutschland Investoren stoßen in großem Umfang Schuldscheine von Autozulieferer Leoni ab

Der Automobilzulieferer Leoni AG, eines der ältesten deutschen Unternehmen, steht bei Anlegern unter Druck. Dies zeigt die wachsende...

celtra_fin_Interscroller