Schlickgras: Giftiger Parasit an der Nordsee entdeckt

 

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27.05.2013 00:45
Forscher haben am Schlickgras an der Nordsee einen giftigen Pilz entdeckt. Eigentlich befällt der Parasit nur Roggen. Dass er nun am Schlickgras gefunden wurde, ist ungewöhnlich. Er kann sogar zum Tod von Kleinkindern führen.
Schlickgras: Giftiger Parasit an der Nordsee entdeckt

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Mitarbeiter des Instituts für Botanik an der Leibniz Universität Hannover haben bei Forschungsarbeiten an der Nordseeküste einen giftigen Parasiten gefunden. Dieser Pilz, auch Mutterkorn genannt, befällt normalerweise nur Roggen. Die Forscher fanden aber beim Schlickgras, das in Küstennähe wächst, nun Überwinterungsorgane des Pilzes. Diese sind noch giftiger als der Pilz, der eigentlich bisher nur bei Getreide gefunden wurde.

Nahezu überall an den Rispen des Schlickgrases in der Salzmarsch am Jadebusen fanden die Forscher „violett-schwarz schillernde sporenartige Gebilde“, teilte die Leibniz Universität Hannover mit. „Dass Claviceps auch Schlickgras besiedelt, war uns neu“, so Jutta Papenbrock. Bei weiteren Untersuchungen fanden Mitarbeiter des Instituts die Überwinterungsorgane (Sklerotien) des Pilzes auch im Schlickgras an der Watten-Meerküste von Dänemark bis hin zu den Niederlanden. Und zwar in deutlich höherer Konzentration als bei einem Befall von Roggen.

Mutterkorn, Claviceps purpurea, kann beispielsweise beim Roggen dank des Siebens von Getreide gut bekämpft werden. Dem Institut zufolge stellte es in der konventionellen Landwirtschaft deshalb heute keine Gefahr mehr dar. Doch die Untersuchungen zu dem Pilz, der am Schlickgras gefunden wurde, haben beunruhigende Ergebnisse zutage geführt: „Es kam heraus, dass die Konzentrationen der giftigen Mutterkorn-Alkaloide sogar höher waren als beim Roggen-Mutterkorn“, so Papenbrock. „Mehrere der Sklerotien können ein Kleinkind töten.“

Schlickgras findet man von der Küste bis hoch zu den Deichen. Tiere und Kinder können demzufolge leicht mit dem Pilz in Kontakt kommen. „Wir haben unsere Erkenntnisse den zuständigen Ämtern und der Nationalparkverwaltung mitgeteilt“, sagt Papenbrock. Rückmeldungen seien bisher allerdings kaum gekommen. Aber, „um weiter in dem Bereich forschen zu können, brauchen wir fachliche und finanzielle Unterstützung.“ Auch in Frankreich und Belgien wurden die Sklerotien des Mutterkorn-Pilzes gefunden. Mähen oder Verbrennen des Schlickgrases habe bisher keine Eindämmung des Pilzes möglich gemacht.


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