Politik

Obama ignoriert Brüssel: Keine Auskünfte über die Geheimdienste

Lesezeit: 2 min
26.09.2013 01:07
Das ist Realpolitik: Die Amerikaner ignorieren die Forderung der Brüsseler Spitzen, der EU Aufklärung über die Tätigkeit der Geheimdienste zu gewähren. Kommissarin Malmström droht mit der Aufkündigung von Vereinbarungen. Dies dürfte Präsident Barack Obama den kalten Angstschweiß auf die Stirne treiben.
Obama ignoriert Brüssel: Keine Auskünfte über die Geheimdienste

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die EU hat trotz mehrerer vom Steuerzahler bezahlten Fact-Finding-Missionen nichts über die Arbeit der US-Geheimdienste in Europa erfahren. Die massive Überwachung durch den amerikanischen und den britischen Geheimdienst hatte zu Tage gefördert, dass  auch die EU-Granden von der NSA abgehört wurden. Unter anderem ist die NSA direkt in der EU-Botschaft in Washington präsent.

Nach außen hat dies in Brüssel zu einem Proteststurm geführt. Die Rückkehr der Kalten Krieges wurde beschworen.

Hinter vorgehaltener Hand ist in Brüssel beim Kalten Buffet zu hören, dass die EU-Führer, insbesondere Ratspräsident Herman Van Rompuy, klammheimlich stolz gewesen sein sollen, das sie abgehört worden sein sollen.

Das würde ja bedeuten, dass er wichtig ist.

Doch nun ist die EU wieder in Modus des Wehklagens verfallen: Die Amerikaner denken nämlich nicht daran, Brüssel nähere Details darüber zu liefern, wie die Methoden der Geheimdienst funktionieren.

EU-Kommissarin Cecilia Malmström zeigte sich vor einem Ausschuss des EU-Parlaments regelrecht beleidigt. Die Informationen, die die US-Regierung bisher zur Verfügung gestellt hätte, seien ungenügend. Werde sich diesbezüglich nichts ändern, erwägt die EU sich von diversen Abkommen mit den USA zurückzuziehen.

„Ich bin nicht mit dem zufrieden, was wir bisher erhalten haben“, zitiert der Guardian Malmström. Man brauche mehr Informationen, „um beurteilen zu können, ob die USA ihren Verpflichtungen nachgekommen sei oder diese verletzt habe“.

Dies sei notwendig, um zu beurteilen, ob die Abkommen mit den USA aufrechterhalten oder eingefroren werden sollen. Zur Debatte steht beispielsweise das SWIFT-Abkommen von 2010. Dieses sieht unter anderem vor, dass Daten aus der EU über Finanz-Transaktionen und ähnliches an das US-Finanzministerium weitergeleitet werden. Dies sollte die Aufdeckung der Finanzierung des Terrorismus dienen.

Um ein solches Abkommen mit den USA aufzukündigen, müsste die EU-Kommission den USA Verletzungen der Vertragsbedingungen nachweisen können. Erst dann könnte es zu einer Abstimmung unter den 28 Regierungschefs der Mitgliedsstaaten kommen. Malmström zufolge reicht eine qualifizierte Mehrheit. Mehr ist nicht möglich: Denn von Großbritannien wird diesbezüglich keine Unterstützung kommen. Der britische Geheimdienst soll selbst mitgehört und teilweise umfangreicher überwacht haben als die NSA.

Der Chef von Europol gab ebenfalls an, keine Beweise für einen Vertragsbruch zu haben. Allerdings, so Wainwright, hatte Europol auch kein Mandat, um mit den USA diesbezüglich in Kontakt zu treten. Keine einzige EU-Regierung habe Europol auch nur gefragt.

Ob die NSA Herman Van Rompuy weiter abhört ist unbekannt.

Es ist gut denkbar, dass die Obama-Regierung angesichts des dramatischen Haushaltsdefizits auch der NSA Sparmaßnahmen verordnet.

Dann würde die Überwachung von Van Rompuy und Barroso eingestellt.

Die NSA muss sich auf systemrelevante Player konzentrieren.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Innovation: Digitale bAV-Verwaltung schafft Raum für Neues

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Politik
Politik Medien: London billigt Visaausnahmen für ausländische Lkw-Fahrer

Angesichts der schweren Folgen von Lieferproblemen für die Versorgung im Land steht die britische Regierung vor einer Kehrtwende.

DWN
Deutschland
Deutschland Stalking, Soziale Netzwerke, Schnelltests: Das ändert sich im Oktober

Im Oktober 2021 werden mehrere Änderungen zum Tragen kommen, die die deutschen Bundesbürger betreffen. Die Bestimmungen beziehen sich...

DWN
Politik
Politik Panik-Käufe an britischen Tankstellen, Szenen wie im Sozialismus

Nachdem BP mitgeteilt hatte, dass die Tankstellen aufgrund zu weniger Lkw-Lieferungen nicht ausreichend mit Kraftstoffen beliefert werden...

DWN
Finanzen
Finanzen Das globale Geldsystem basiert auf Vertrauen … und Macht

Die Deutschen lieben Bargeld. Jedoch macht dieses nur einen kleinen Teil der im Umlauf befindlichen Geldmenge aus, rund 90 Prozent...

DWN
Finanzen
Finanzen China startet „Weltkrieg“ gegen dezentrale Kryptowährungen – andere Staaten werden folgen

China hat Transaktionen mit dezentralen Kryptowährungen für illegal erklärt. Dieser Vorstoß ist nicht selektiv zu betrachten, sondern...

DWN
Finanzen
Finanzen Zwei Selbstmorde binnen weniger Monate bei Vontobel – Geht das Banker-Sterben erneut los?

Bei der Bank Vontobel haben sich innerhalb weniger Monate zwei wichtige Banker das Leben genommen. In den vergangenen Jahren ist es immer...

DWN
Deutschland
Deutschland Königin der Gemeinheiten – Désirée Nick wird 65

Sie wurde Dschungelkönigin von RTL, als der Verzehr von Känguruhoden im deutschen Fernsehen noch etwas Neues war. Die Entertainerin...

DWN
Politik
Politik Die Kündigung des französisch-australischen U-Boot-Vertrags: Deutschlands Schwäche wird schonungslos offengelegt

DWN-Chefredakteur Hauke Rudolph legt dar, warum Frankreich der wirtschaftliche Verlierer des geplatzten U-Boot-Geschäfts ist - Deutschland...