Deutschland

Wegen Hitler-Vergleich: Russland kritisiert Schäuble

Lesezeit: 2 min
03.04.2014 15:45
Russland hat nach eigenen Angaben den deutschen Botschafter in Moskau wegen Äußerungen des deutschen Finanzministers Schäuble einbestellt. Dieser hatte vor deutschen Schülern gesagt, Putin handle heute in der Ukraine so wie Adolf Hitler 1938 im Sudetenland.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Deutschland hat einer russischen Mitteilung widersprochen, wonach der deutsche Botschafter in Moskau ins Außenministerium einbestellt worden ist.

Der Diplomat Rüdiger von Fritsch habe sich zu seinem Antrittsbesuch in dem Ministerium aufgehalten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Donnerstag in Berlin. Von Fritsch ist seit März Botschafter in Moskau.

Das Außenministerium in Moskau hatte zuvor mitgeteilt, dass der deutsche Botschafter in Moskau wegen Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zum russischen Vorgehen auf der Krim einbestellt worden ist.

„Wir betrachten solche pseudo-historischen Bezüge des deutschen Ministers als Provokation“, erklärte das Ministerium von Sergej Lawrow. „Seine Vergleiche sind eine grobe Manipulation historischer Fakten.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte Parallelen zwischen der Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegenüber der Ukraine und der Annexion des Sudetenlandes 1938 durch Nazi-Deutschland gezogen.

„Das kennen wir alles aus der Geschichte. Solche Methoden hat schon der Hitler im Sudetenland übernommen - und vieles andere mehr“, sagte der CDU-Politiker am Montag bei einer Diskussion mit Schülern. Sollte die Regierung in Kiew die Ordnung nicht mehr aufrechterhalten können, könnte Russland dies zum Anlass für einen Einmarsch nehmen.

Später erklärte sein Ministerium, Schäuble habe Putin nicht mit Hitler und Russland nicht mit dem Dritten Reich vergleichen wollen. Kanzlerin Angela Merkel distanzierte sich von einem historischen Vergleich.

Zuvor hatte Schäuble vor rund 50 Schülern gesagt: „Wir müssen schauen, dass die Ukraine nicht völlig zahlungsunfähig wird.“ Wenn die Regierung die Polizei nicht mehr bezahlen könne, „dann nehmen natürlich irgendwelche bewaffnete Banden die Macht in die Hand“, warnte er.

„Dann sagen die Russen, das geht gar nicht, jetzt haben wir irgendwelche Faschisten an der Regierung. Die bedrohen unsere russische Bevölkerung.“ Diese Situation könne Russland dann zum Anlass nehmen, um zu sagen: „Jetzt müssen wir sie schützen. Das nehmen wir zum Grund, um einzumarschieren.“ Putin habe Truppen in die Nähe der ukrainischen Grenze verlegt, um zu zeigen, dass er zur Not für Ordnung sorge.

Anfang März hatte die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton mit der Bemerkung für internationalen Wirbel gesorgt, die Besetzung der bislang ukrainischen Halbinsel Krim ähnle dem Vorgehen Hitlers vor dem Zweiten Weltkrieg. Später erklärte sie, sie habe keinen Vergleich anstellen wollen.

Die Ereignisse auf der Krim erklärte Schäuble den Schülern mit den Worten, irgendwann hätten sich die Demonstrationen gegen die Regierung in Kiew zugespitzt: „Und dann hat Putin gesagt, eigentlich wollte ich sowieso schon immer die Krim. Und jetzt ist die Gelegenheit günstig.“

Es sei nicht auszuschließen, dass es in nächster Zeit zu einer deutlichen Verschlechterung der Beziehungen zu Russland komme, so Schäuble. Vor allem in den baltischen Staaten, die früher zur Sowjetunion gehörten, aber auch in Polen oder Ungarn, die dem Warschauer Pakt angehörten, sei die Angst groß. „Die haben alle ziemlich Schiss“, sagte der Minister.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Massiver Stellenabbau bei deutschen Großunternehmen – auch Fach- und Führungskräfte betroffen
05.03.2024

Krisenzeit in Deutschland: Großkonzerne streichen massiv Stellen. Die Konjunkturschwäche und Kosten zwingen zum Handeln, besonders in...

DWN
Finanzen
Finanzen Rentenpaket: 200 Milliarden Euro Aktienkapital für die Rente - wird unser Geld verzockt?
04.03.2024

Aktienrente - so lautet ein Prestigeprojekt der FDP seit dem Wahlkampf 2021. Doch inzwischen ist wenig passiert, seit Monaten kündigt die...

DWN
Technologie
Technologie DWN-Interview: Deutschland mit E-Autos in die Sackgasse?
04.03.2024

Die EU will ein Ende des Verbrenner-Motors. Doch was würde ein Umstieg auf Elektromobilität für die Bewegungsfreiheit der Bürger und...

DWN
Politik
Politik Lauschangriff aus Russland: Deutschlands Spionageabwehr unzureichend - sind wir zu naiv?
04.03.2024

Die Bundeswehr soll Gefahren von außen abwehren. Doch das Gespräch zweier Offiziere der deutschen Luftwaffe ist zu einem...

DWN
Panorama
Panorama GDL-Streik - Weselsky setzt auf Wellenstreiks bei neuem Bahn-Ausstand
04.03.2024

Bahn-Streik - schon wieder! Ab Mittwoch um 18:00 Uhr ruft die Lokführergewerkschaft GDL zu einem 35-Stunden-Streik bei der Deutschen Bahn...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wachstumsschub durch generative KI? Damit rechnen Datenexperten!
04.03.2024

Die deutsche Wirtschaft könnte mit breiter und schneller Anwendung generativer Künstlicher Intelligenz (genKI) kräftig wachsen. So die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mehr Firmenpleiten 2024 erwartet
04.03.2024

Droht eine Insolvenzwelle in Deutschland? Nach Einschätzung des Finanzinformationsdienstes Crif wird die Zahl der Firmenpleiten in...

DWN
Politik
Politik Abhörskandal Taurus: Welche Konsequenzen folgen nun?
04.03.2024

Hat die Spionageabwehr in Deutschland Lücken? Das zumindest scheint wahrscheinlich nach dem Skandal um ein mutmaßlich durch Russland...