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Frankreich rettet seine Banken mit gefährlichen Schrott-Papieren

Lesezeit: 3 min
05.04.2014 00:08
Wegen der bevorstehenden Bilanzprüfungen der EZB benötigen die französischen Banken mehr Liquidität. Die Banque de France macht den Weg dafür frei. Mit Hilfe von berüchtigten Verbriefungen werden die Bank-Bilanzen saniert. Die europäischen Steuerzahler sollten sich an die Schrottpapiere aus den USA erinnern.

Der Plan des Gouverneurs der französischen Zentralbank (Banque de France), Christian Noyer, für die Verpackung von Unternehmenskrediten in Anleihen nimmt Gestalt an. Noch in diesem Monat werden diese Forderungen in Asset Backed Securities (ABS) verpackt und auf dem Finanzmarkt verkauft. Die wahren Nutznießer werden die Banken sein, berichtet Bloomberg.

ABS sind verzinsliche Wertpapiere, die – zumindest „auf dem Papier“ – durch noch ausstehende Forderungen abgesichert sind. Es sind quasi Finanzinstrumente, mit denen kaum handelbare Vermögenswerte, wie offene Forderungen, verkauft werden können. Diese ausstehenden Forderungen können in Pakete zusammengefasst werden und als „Asset Backed Securities“ auf den Finanzmarkt gebracht werden.

Als Mittler dienen Finanzierungsgesellschaften, auch Special Purpose Vehicle (SPV) genannt, die als Zweckgesellschaften auftreten und diese, nunmehr als „Wertpapiere“ bezeichneten Kreditforderungen, am Markt verkaufen.

Die Käufer der ABS erhalten vom Special Purpose Vehicle für das bereitgestellte Kapital regelmäßig Zinsen und zum Ende der Laufzeit den kompletten Anleihebetrag zurück.

Im konkreten Fall werden also herausgereichte Darlehen an kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) in Frankreich als verbriefte Anleihen – bzw. verzinste Wertpapiere im Volumen von 362 Milliarden Euro – unter die Leute gebracht.

Davon profitieren werden vor allem Großbanken, darunter BNP Paribas und Société Générale, wie Bloomberg meldet.

Damit stoßen sich die Banken gleich in dreifacher Hinsicht gesund: Zum einen verhelfen diese verpackten Forderungen den Banken zu mehr Liquidität, was wegen des bevorstehenden Bilanzchecks der EZB von Vorteil ist. Zum anderen werden sie selbst diese Kredite los. Zum Dritten können sie diese ABS-Papiere bei der EZB oder im Interbankenmarkt als Sicherheit verwenden.

„Diese Initiative ist dazu gedacht, den Banken Finanzierungsmöglichkeiten und mithilfe von Verbriefung über die Zentralbanken zu ermöglichen“, sagte Michel Fryszman, Leiter der ABS-Investment bei AXA Investment Managers, die etwa 550 Milliarden Euro managen. „Das ist nicht auf Investoren bezogen. Wir reden über ein neues Instrument im Finanzierungs-Werkzeugkasten der Banken“.

Das ist selbstredend Augenwischerei. Selbstverständlich werden sich Investoren am Erwerb von ABS-Papieren beteiligen. Denn diese ABS-Papiere (Bonds) können von Investoren erworben oder als Sicherheiten für Repos (Refinanzierungsgeschäfte) verwendet werden.

Vordergründig wird argumentiert, dadurch werde die künftige Kreditvergabe an KMUs erhöht. „Das vorrangige und wichtigste Ziel ist jedoch, die Liquidität der Banken zu erhöhen, “ sagt Fabrice Susini, weltweiter Leiter der Abteilung Verbriefung bei BNP Paribas in London.

Im Grunde handelt es sich aber um dieselben „Subprime-Verbriefungen“, die die Finanzkrise auslösten. Dabei handelte es sich sicherlich um größere Summen, jedoch ist das Prinzip dasselbe: Es handelt sich um gefährlichen Schrott, der komplett unreguliert auf den Markt geworfen wird.

ABS dienten nicht nur der Finanzierung sondern vor allem der Möglichkeit des Risikotransfers. Hier wurden nicht liquide Vermögenswerte wie Hypotheken-Forderungen (zusammen mit Kredit-Ausfallversicherungen, CDS) zu unzähligen Forderungsportfolios gebündelt und als Pakete weiterverkauft, so dass sich ein unmittelbarer Liquiditätsgewinn ergab.

Sogenannte Structured Investment Vehicles (SIV), in diesem Fall Finanzierungszweckgesellschaften großer Banken, kauften diese ABS in großen Mengen auf, bündelten sie erneut zu Portfolios und emittierten zur Refinanzierung eigene, kurz laufende ABS (sogenannte ABCP, Asset Backed Commercial Paper). Dieser Prozess wurde mehrfach wiederholt, so dass ABS zur Grundlage von ABS wurden, die wieder Grundlage von weiteren ABS wurden (sogenannte CDO, Collateralised Debt Obligations), bis irgendwann niemand mehr feststellen konnte, welche Kredite eigentlich Grundlage der ursprünglichen ABS waren.

Dies muss sich im neuen Fall der französischen Banken nicht zwangsläufig wiederholen, zumal der Betrag überschaubar bleibt. Die Gefahr einer erneuten Kreditblase ist dadurch dennoch gegeben. Denn die Frage ist: werden diese Kreditforderungen nicht doch wieder weiter gebündelt und neu verpackt auf den Markt gebracht? Wer kontrolliert die Ausgabe der ABS-Papiere? Die Banque de France ist nach der Bewilligung des Geschäfts jedenfalls außen vor, das gleiche trifft für die Banken zu, die die ABS-Wertpapiere in die Verfügung von Structured Investment Vehicles (SIV) legen.

Auch die EZB denkt seit geraumer Zeit über „Maßnahmen“ nach, wie die Kreditvergabe von Banken an die Unternehmen künftig aussehen soll, um das Wirtschaftswachstum der Staaten anzuregen.

Bisher konnten auch einzelne europäische Initiativen, beispielsweise die Kreditvergabe über die Europäische Investitionsbank (EIB), daran nichts ändern.

Auch die von der EZB zur Verfügung gestellten LTRO (longer-term refinancing operations) Ende 2011 und Anfang 2012 von insgesamt etwa einer Billion Euro mit einer dreijährigen Laufzeit und einem Basiszinssatz von 1,0 Prozent konnten den Kreditfluss an die Unternehmen nicht auslösen. Stattdessen verbesserten die Banken in der Peripherie der Eurozone ihre Kapitalausstattung und erwarben jeweils Staatsanleihen ihres Landes – was von der Politik auch so beabsichtigt war und ist.

In der Eurozone liegen etwa 145 Milliarden Euro fauler Kredite von kleinen und mittleren Unternehmen bei den Banken. Rund 60 Prozent davon allein in Spanien und Italien. Die EZB prüft nun, die ausstehenden Kredite mit einem Mindestrating von „A“ als Wertpapiere in ihre Bilanz zu übernehmen.

Das Procedere soll mittels der bekannten Asset Backed Securities (ABS), also von verbrieften Kreditforderungen, in die Wege geleitet werden (mehr hier).

Doch die Planspiele der EZB gehen noch weiter. Zusammen mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) hatte die EZB eine Art „Task Force“ veranlasst, um den ABS-Markt wieder in Schwung zu bringen. Die EIB ist an Refinanzierungsgeschäften der EZB interessiert und kann Kredite, die von ihr selbst vergeben wurden, wiederum als Kredite „verbriefen“ und sie anschließend weiterverkaufen (hier).

„Die EZB ergreift Maßnahmen, um die Verfügbarkeit von Kreditsicherheiten zu stärken. Sie wird nun ABS mit niedriger Bonität akzeptieren und ist bemüht, die Kredite in die Realwirtschaft am Fließen zu halten. Frederik Ducrozet, Senior Wirtschaftsberater der Crédit Agricole und Michael Schubert, Wirtschaftswissenschaftler an der Commerzbank, stimmten dagegen überein, dass die Maßnahmen aller Wahrscheinlichkeit nach keine größeren Auswirkungen haben werden“, berichtete Centralbanking.com

Fazit: Die Bemühungen der EZB, im Euro-Raum „one-fits-all“-Lösungen zu finden, stoßen tagtäglich an die Grenzen ihrer mit Falschgeld aufgepumpten Scheinwelt.

Hinter den Grenzen leben und arbeiten die europäischen Steuerzahler.

Sie bleiben die letzten Retter in einem absurden Schneeball-System.



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