Ölfund vor Kanaren: Inselbewohner protestieren gegen Förderpläne

Vor der marokkanischen Küste wurde unweit der kanarischen Inseln Öl gefunden. Die Kanarier befürchten, dass auch vor ihrer Küste gebohrt wird. In zwei Wochen stimmen die Inselbewohner darüber ab, Madrid will das Refenrendum verhindern.

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Das türkisch-britische Unternehmen Genel Energy Plc hat in marokkanischen Gewässern unweit der kanarischen Inseln ein Ölfeld gefunden. Genel hat bereits  bestätigt, bei Bohrungen in 3000 Metern Tiefe auf Öl gestoßen zu sein. Das Partnerunternehmen Serica Energy Plc habe „Vorbereitungen für weitere Tests eingeleitet.“ Es sei allerdings noch zu früh für eine endgültige technische Deutung des Funds, so der Londoner Konzern.

Repsol und RWE planen in den kommenden Wochen Bohrungen auf der spanischen Seite des Gebiets. Einige große Konzerne wie die britische Cairn Energy haben die Bohr-Projekte in der Region nach 15 Jahren erfolgloser Suche aufgegeben.

Der Ölfund nur 200 km nördlich vor den kanarischen Inseln könnte politische Auswirkungen in Spanien haben, wie El País berichtet: In zwei Wochen soll auf den Kanaren gegen den Willen der spanischen Zentralregierung ein Referendum stattfinden,  um dem spanischen Konzern Repsol Ölbohrungen vor der kanarischen Küste zu verbieten.

Die Regierung Rajoy hatte die Bohrungen im August trotz Protesten aus der Region erlaubt. In vier Wochen sollten die Arbeiten 60 Kilometer vor Lanzarote und Fuerteventura beginnen. Repsol und das Partnerunternehmen RWE Dea zahlen für  die Genehmigung 60 Millionen Euro an Versicherungsprämien an Spanien.

Die kanarische Regionalregierung drohte der spanischen Zentralregierung, die Beziehungen zu kappen, sollte Repsol die Bohrungen nicht unterlassen. Mit dem nahen Ölfund nur 200 km von den Inseln entfernt auf marokkanischem Gebiet werden eben solche Bohrungen allerdings umso interessanter: Der Präsident von Repsol, Antonio Brufau versicherte spanischen Medien zufolge  bereits, dass ein bedeutender Ölfund vor Marokko auch den möglichen Ölbohrungen vor den Kanaren neuen Antrieb gebe.

Die Umweltschutzgruppe Ocean Care hatte im August über 180.000 Unterschriften gesammelt, um die Bohrungen vor den Kanaren zu verhindern. Sie forderten, das wegen seines Delfin- und Walreichtums öko-touristisch genutzte Gebiet zum Schutzgebiet zu erklären.

Der kanarische Präsident hat der spanischen Regierung mangelnden Respekt und mangelnde Verfassungstreue vorgeworfen, weil sie die Interessen des Ölunternehmens über die des kanarischen Volkes stelle. Er missachte den Willen der Kanarier. Er forderte die Inselbevölkerung auf, bei einem Referendum gegen die Bohrungen zu stimmen. Spanien bezeichnete die geplante Volksbefragung als illegal.

Die Vorwürfe an die Regierung Rajoy ähneln denen des katalanischen Regionalpräsidenten Mas, der Madrid ebenfalls mangelnden Respekt und Missachtung des katalanischen Volkes vorwirft. In Katalonien wurde eine ebenfalls im November geplante Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Region gerichtlich verboten.

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