Ifo-Chef Sinn: Deutschland kann seinen Lebensstandard kaum aufrechterhalten

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
27.12.2014 00:54
Der Renteneintritt der Baby-Boomer wird in Deutschland schon in Kürze dazu führen, dass der Lebensstandard sinkt. Deutschland braucht nach Einschätzung von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn 32 Millionen Migranten, um den Renten-Schock zu absorbieren - eine utopische Idee.
Ifo-Chef Sinn: Deutschland kann seinen Lebensstandard kaum aufrechterhalten

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Zum Erhalt des Lebensstandards deutscher Rentner wären nach Einschätzung des Ökonomen Hans-Werner Sinn Millionen Einwanderer nötig. Vor allem der Renteneintritt der Babyboomer stelle Deutschland vor massive Herausforderungen, sagte der Präsident des Ifo-Instituts dem Focus. In etwa 20 Jahren «werden wir siebeneinhalb Millionen mehr Rentner haben und achteinhalb Millionen weniger Personen im erwerbsfähigen Alter», rechnete Sinn vor. «Um das durch Migration aufzufangen, wären 32 Millionen Menschen nötig. Das kann man sich gar nicht vorstellen.»

Deutschland werde gut ausgebildete Migranten brauchen, die helfen, diese Last zu tragen. «Aber eine Lösung in dem Sinne, dass es uns dann so gut geht wie heute, ist nicht vorstellbar», erklärte Sinn. Die Deutschen müssten sich deshalb selbst aktiv um ihre Alterssicherung kümmern. «Wir müssen länger arbeiten und nicht weniger lange.»

Das Problem für Deutschland: Die meisten Fachkräfte wandern immer noch lieber in die USA aus als in europäische Staaten. 2012 waren 1,03 Millionen Menschen in die Vereinigten Staaten immigriert. Das entspricht zwar einem Rückgang um 2,9 Prozent im Vergleich zu 2011, so die OECD in ihrem Bericht, ist aber erstmals mehr als Einwanderer in die EU gekommen sind. Nur 948.200 wanderten 2012 in die EU-Länder ein. Grund für diese Verlagerung ist unter anderem die wirtschaftliche Krise.

Während Deutschland Migranten 2012 weiterhin anziehen konnte, ging die Zahl der Einwanderer in andere EU-Länder deutlich zurück. Nach Großbritannien kamen 2012 17 Prozent weniger Einwanderer im Vergleich zu 2007. In Ländern wie Italien (-55%), Irland (-73%) und Spanien (-70%) ist sogar noch ein größerer Rückgang zu spüren. 450.000 Migranten kamen 2012 nach Deutschland. In anderen EU-Staaten, wie etwa in Spanien, findet dagegen eine regelrechte Flucht von Migranten statt, weil sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessert hat.

Angesichts der alternden Bevölkerung und der zunehmenden Konkurrenz um die besten Köpfe weltweit sollte sich die EU jedoch auch gerade in Krisenzeiten bemühen, mehr Migranten anzuziehen. Zumal sich der OECD zufolge das Profil der Migranten in den vergangenen Jahren verändert hat. „Die heutigen Migranten sind höher qualifiziert als ihre Vorgänger“, heißt es im aktuellen Migrationsbericht. So sei die Zahl der im Ausland geborenen Hochqualifizierten in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen. Und „während dieses Zeitraums stellten hochqualifizierte Zuwanderer 45 Prozent am Zuwachs der im Ausland geborenen Bevölkerung“.

Allerdings habe die Politik noch nicht genug unternommen, um die Qualifikation potentieller neuer Bürger auch nutzen zu können. Etliche Ausbildungswege außerhalb des jeweiligen Bildungsraumes werden nicht entsprechend anerkannt und zu  wenig für die Überbrückung der Sprachbarrieren getan. Schließlich ist Englisch weiterhin auf dem Vormarsch und Migranten haben in der EU die zusätzliche Barriere sich gleich mehreren unterschiedlichen Sprachen gegenüber zu sehen.

„Um weiterhin für qualifizierte Menschen attraktiv zu bleiben, muss Europa mehr tun“, sagt auch Jean-Christophe Dumont von der OECD. Es gehe vielen Migranten eben nicht mehr nur darum, ob sich die Tür öffnet oder schließt. „Es geht darum, ob das Haus warm und einladend ist“, zitiert die FT Jean-Christophe Dumont.


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Zukunft des Bankensystems ungewiss?

Unser Partner MTS Money Transfer System informiert

DWN
Politik
Politik Europas Weg in den Untergang: EU gewährt Schuldenstaaten Billionen - für die Wirtschaft bleibt nur ein Taschengeld

Die EU legt ein Billionen-Programm auf - von dem das meiste Geld in die Sanierung der morschen Staatshaushalte fließt, während die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Wertarbeit, deutscher Arbeitsethos: August Thyssen – der „Rockefeller des Ruhrgebiets“

August Thyssen galt als „Rockefeller des Ruhrgebiets”. Keinem Deutschen vor und nach ihm gelang es, unter schwersten Bedingungen ein...

DWN
Politik
Politik DWN EXKLUSIV: Das ist das Waffenarsenal des libyschen Söldner-Generals Haftar

Die DWN listet detailliert auf, welche - teilweise bemerkenswerten - Waffen sich im Inventar der Armee von Chalifa Haftar befinden. Lesen...

DWN
Politik
Politik Pharma-Industrie behinderte Pandemie-Forschung in der EU

Die Pharmaindustrie hat im Jahr 2017 die Pandemie-Forschung behindert.

DWN
Deutschland
Deutschland VDMA: China bleibt der größte Plagiator beim Maschinenbau

Nach Informationen des Branchenverbandes der Maschinenbauer ist China der weltweit größte Plagiator beim Maschinenbau. Das geht aus...

DWN
Technologie
Technologie Wie Einzelhändler Künstliche Intelligenz anwenden können

Die Einzelhändler leiden besonders unter der Pandemie. Ein Mittel, um die Folgen der Krise zu mildern, ist der gezielte Einsatz von...

DWN
Politik
Politik Trump bricht Beziehungen zur Weltgesundheits-Organisation ab

US-Präsident Trump bricht alle Beziehungen zur Weltgesundheitsorganisation ab.

DWN
Politik
Politik Solidaritäts-Welle auf Twitter nach Drohbrief gegen Söder

Beim bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder ist ein Corona-Drohbrief eingegangen. Der Vorfall führte dazu, dass zahlreiche...

DWN
Deutschland
Deutschland Andrea Nahles wird als Behörden-Chefin 180.000 Euro verdienen

Als Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation wird die Ex-SPD-Chefin Andrea Nahles 180.000 Euro pro Jahr verdienen.

DWN
Politik
Politik Minneapolis brennt: Regierung schickt Nationalgarde zur Unterdrückung von Gewalt und Plünderungen

Nach der Tötung eines unbewaffneten Afroamerikaners durch einen Polizisten eskaliert die Lage in Minneapolis und anderen Städten der USA....

DWN
Finanzen
Finanzen Insider: Wenn die Notenbanker abdanken und die Politiker wieder übernehmen, wird es brandgefährlich

Die Zentralbanken der Welt unter Führung der Federal Reserve haben immer größere Mühe, einen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems zu...

DWN
Politik
Politik Geopolitik: Die Türkei ist die dominante Macht in Libyen

Tarek Megerisi, Analyst am European Council on Foreign Relations, sagt, dass die Türkei von nun an die dominante Macht in Libyen ist. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank unsicher: Soll sie Venezuelas Gold der Regierung übergeben oder der Opposition?

Der Rechtsstreit darüber, wem das venezolanische Staatsgold gehört, das von der Bank of England verwahrt wird, nimmt eine neue Wende.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Prioritäten in der Corona-Krise: Schweiz erlaubt Bordell-Besuche wieder, Kontaktsport bleibt verboten

Die Schweizer Regierung erlaubt es Prostituierten ab dem 6. Juni wieder, ihrer Arbeit nachzugehen. Kontaktsportarten wie Judo bleiben aber...

celtra_fin_Interscroller