Airbus Germanwings: Chronologie eines mysteriösen Absturzes

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 4 min
24.03.2015 17:21
Die bisher bekannten Details über den Absturz eines Airbus der Germanwings geben den Experten Rätsel auf: Zwar wird ein Terror-Anschlag ausgeschlossen. Mysteriös ist vor allem der relativ lange Gleitflug der Maschine, bevor sie in den französischen Alpen zerschellte. Le Monde berichtet, dass ein Kampfjet aufgestiegen sei, um etwaige terroristische Absichten zu verhindern. Die erste Auswertung der Black Box ergibt, dass es keine Explosion an Bord gegeben haben soll.
Airbus Germanwings: Chronologie eines mysteriösen Absturzes

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Dienstag:

06.48 Uhr - Der Morgen beginnt mit einem Flug von Düsseldorf nach Barcelona. An Bord der Maschine reisen 122 Passagiere nach Spanien. Nach der Landung an der Mittelmeerküste werden keine Probleme bekannt.

10.01 Uhr – Die Maschine mit der Flugnummer Flug 4U9525 startet auf dem Flughafen in Barcelona 26 Minuten später als geplant zurück in Richtung Deutschland.

10.30 Uhr - Einem Bericht von Le Monde zufolge hat die Flugsicherung um diese Zeit den Kontakt zu der Maschine verloren. Die Crew antwortet auf mehrere Anrufe nicht. Der Lotse stellt gleichzeitig eine nicht angegebene Abweichung vom Kurs fest und schlägt Alarm. Laut Le Monde seien zu diesem Zweck ein Gendarmerie-Hubschrauber und ein Kampfjet aufgestiegen. Die Zeitung berichtet, dass dies Routine sei, um etwaige terroristischen Absichten zu begegnen.

10.45 Uhr - Der Airbus A320 hat nach Angaben von Germanwings seine reguläre Flughöhe erreicht. Französische Medien berichten später, das Wetter sei gut gewesen.

10.46 Uhr - Die Maschine geht nach Angaben der Fluggesellschaft für 8 Minuten in einen Sinkflug, der nicht mit der Flugsicherung abgesprochen ist. Dem Online-Dienst Flightradar24 zufolge sank die Maschine dabei mit einer Geschwindigkeit von 3000 bis 4000 Fuß - etwa 900 bis 1200 Meter - pro Minute, vergleichbar mit einem Landeanflug.

10.47 Uhr - Die französische Flugkontrolle teilt mit, es habe keinen „Mayday“-Ruf gegeben. Auf dem französischen Sender Europe1 schließt der Flugexperte Jean Serrat ein Problem mit dem Druck an Bord aus. Der Sender spricht von einem „mysteriösen Absturz“. Eine Zeugin von einer Skistation in den Alpen soll gesagt habe, dass sie zuletzt noch die Motorengeräusche der Maschine gehört hat. Die Zeitung La Provence interviewt einen Zeugen, der das Flugzeug offenbar unmittelbar vor dem Absturz gesehen hat. Er sagt. er habe gedacht, das Flugzeuge fliege zu tief, es werde es nicht über den Berg schaffen.  Es ist der erste Absturz eines Flugzeuges in Frankreich seit dem Crash der Concorde in Paris am 25. Juli 2000.

10.53 Uhr - Die Radarverbindung bricht auf 6000 Fuß Höhe (ca. 1800 Metern) ab. Die Maschine ist im Estrop-Massiv rund 100 Kilometer nordwestlich von Nizza abgestürzt.

11.30 Uhr - Etwa zu diesem Zeitpunkt erhält der Flughafen Düsseldorf nach Angaben eines Sprechers die Information, dass die Maschine vom Radar verschwunden ist. Ein Krisenstab wird eingesetzt.

11.55 Uhr - Die Maschine hätte in Düsseldorf landen sollen. Angehörige und Freunde der Opfer werden in Düsseldorf und Barcelona betreut und am Flughafen in einen geschützten Bereich gebracht.

12.51 Uhr - Der Bürgermeister der Gemeinde Meolans Revel, Thierry Brown, sagte der Nachrichtenagentur AFP, man habe zum Zeitpunkt des Absturzes drei Mirage-Kampfflugzeuge beobachtet, die die Gegend mehrmals überflogen. Dies sei unüblich, man sei es gewöhnt, höchstens eine Maschine zu sehen, „aber niemals so viele zur selben Zeit“.

13.00 Uhr - Das Luftfahrtbundesamt teilt mit, es sei ein Krisenstab gebildet worden.

15.00 Uhr – Angela Merkel sagt alle Termine ab und wird am Mittwoch nach Frankreich reisen. Noch am Dienstagabend reisen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verkehrsminister Donbrindt im Auftrag der Kanzlerin zur Absturzstelle.

15.30 Uhr – Der französische Premier Manuel Valls sagte, man schließe zur Stunde noch „keine Hypothese“ über die Absturzursache aus, berichtet Le Monde. Deutsche Sicherheitsbehörden schließen dagegen einen Terror-Anschlag aus. Die Vereinigung Cockpit steht, wie alle Fachleute, vor einem Rätsel, und teilt mit, „es war kein Absturz, bei dem das Flugzeug wie ein Stein vom Himmel fällt. Nach allem was wir wissen, war es ein kontrollierter Gleitflug.“ Weitere Erkenntnisse könnten erst nach Auswertung der Flugdatenschreiber gewonnen werden. Auch die USA gehen nicht von einem terroristischen Hintergrund aus: „Es gibt derzeit keine Anzeichen für einen Zusammenhang mit Terrorismus“, sagt die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Bernadette Meehan. Der ehemalige Airline-Chef Niki Lauda sagte im ORF: „Der Flieger war im Steigflug auf 38 000 Fuß. Das war wahrscheinliche die zugewiesene Flughöhe. Und kaum war er oben, hat er schon wieder begonnen, einen descent (Sinkflug) einzuleiten. Da muss irgendwas schief gegangen sein da oben.“ Warum die erfahrenen Piloten die Flughöhe verlassen hätten, sei nicht zu erklären.

16.30 Uhr – Ein französischer Abgeordneter berichtet: «Das Flugzeug ist total zerstört», schrieb Christophe Castaner, Abgeordneter der Region Alpes-de-Haute-Provence. Er habe die Unfallstelle gemeinsam mit Innenminister Bernard Cazeneuve überflogen. „Entsetzliche Bilder in dieser Berglandschaft. Es bleibt nichts außer Trümmern und Körpern.“

18.08 Uhr - Einer der Flugschreiber der in Frankreich abgestürzten Germanwings-Unglücksmaschine ist gefunden worden. Das sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve. Mit der Auswertung des Flugschreibers solle noch am Abend begonnen werden. Diese soll rasch Aufschluss über die Absturzursache geben.

20.30 Uhr - Germanwings sagt nach dem Absturz zahlreiche Flüge ab. Die Lufthansa bestätigt, dass die Unglücksmaschine am Montag wegen eines technischen Defekts längere Zeit auf dem Boden bleiben musste.

Mittwoch:

11.33 Uhr - Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall des Germanwings-Absturzes wegen fahrlässiger Tötung. Man habe keine Erklärung, was in der Phase des Gleitflugs im Cockpit vor sich gegangen sei.

12.05 Uhr - Laut Innenminister Thomas de Maiziere liegen keine Anhaltspunkte für einen Anschlag auf den Germanwings-Airbus vor. „Es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass die Ursache für den Absturz absichtlich durch Dritte gesetzt wurde“, sagt der CDU-Politiker in Berlin. Selbstverständlich werde aber „in alle Richtungen mit Hochdruck ermittelt“. Spekulationen und Mutmaßungen zu möglichen Unfallursachen müssten gerade auch mit Rücksicht auf die Angehörigen unterbleiben.

12.28 Uhr - An Bord der Unglücksmaschine von Germanwings waren nach Angaben des spanischen Krisenstabes 49 Spanier.

12.41 Uhr - Germanwings-Chef Thomas Winkelmann teilt vor Journalisten mit, dass die Nationalitäten aller Opfer noch nicht geklärt seien. Die Zahl der deutschen Opfer stehe derzeit bei 72. Bisher war von 67 die Rede gewesen. Die Fluggesellschaft habe bis zum Mittag zu Angehörigen von 123 der 150 Opfer Kontakt aufnehmen können und psychologische Betreuung angeboten. Am Donnerstag werde die Fluggesellschaft je einen Sonderflug aus Düsseldorf und Barcelona für Angehörige nach Südfrankreich anbieten.

13.25 Uhr - Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Dabei gehe es um die Identifizierung der Opfer und die Klärung der Todesursache, bestätigte ein Sprecher. Ein solches Verfahren werde eingeleitet, wenn von einer nicht natürlichen Todesursache auszugehen sei. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf werde nicht vor Ort ermitteln, sondern mit den Behörden in Frankreich eng zusammenarbeiten.

15.30 Uhr - Der französische Innenminister gibt bekannt, dass die Black Box schwer beschädigt sei. Vor einer möglichen Auswertung müsse diese erst repariert werden.

17.02 Uhr - Französischen Unfallermittlern ist es nach eigenen Angaben gelungen, aus dem Cockpit-Stimmenrekorder der Maschine Aufzeichnungen zu gewinnen. Das teilt die Behörde BEA in Paris mit.

20.00 Uhr - Die Behörden schließen eine Explosion an Bord als Ursache des Absturzes aus. Das Flugzeug sei bis zum Schluss geflogen.

22.19 Uhr - Rettungskräfte haben erste Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen geborgen. Sterbliche Überreste der getöteten Menschen an Bord der Germanwings-Maschine seien am späten Mittwochnachmittag von der Unglücksstelle weggebracht worden, bestätigte ein Sprecher der Polizei in Digne der Deutschen Presse-Agentur. Er ließ offen, wie viele Leichen geborgen wurden.

Donnerstag:

04.00 Uhr - Die New York Times meldet unter Berufung auf Ermittler, dass einer der Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt worden sei. Zum Zeitpunkt des Absturzes hat sich demnach nur ein Pilot im Cockpit befunden.

13:00 Die Marseiller Staatsanwaltschaft gibt den Verdacht einer gezielten Selbsttötung bekannt: Man müsse davon ausgehen, „dass der Co-Pilot die Zerstörung des Flugzeuges bewusst eingeleitet hat“.

 



DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Bäckereikette Kamps: Mehrwertsteuer-Senkung bekommt nur, wer bargeldlos zahlt

Die von der Bundesregierung zur Stimulierung der Wirtschaft eingeführte Mehrwertsteuersenkung wird von der Bäckereikette Kamps zum Kampf...

DWN
Deutschland
Deutschland Die dunkle Seite des Kurzarbeitergelds: Die Autobauer nutzen es, um die Produktion zu verschlanken - und Massen-Entlassungen vorzunehmen

Das Kurzarbeiter-Geld sollte Entlassungen verhindern - doch im Endeffekt hat es den gegenteiligen Effekt.

DWN
Politik
Politik Israel ernennt erstmals Moslem zum Elite-Kommandanten

In Israel wurde erstmals ein muslimischer Druse zum Kommandanten einer Spezialeinheit ernannt.

DWN
Finanzen
Finanzen Private-Equity-Firmen nutzen Schulden-Boom, um sich selbst hohe Dividenden zu zahlen

Private-Equity-Firmen gehören zu den Profiteuren der aktuell starken Nachfrage nach Unternehmensschulden. Sie decken ihre Unternehmen im...

DWN
Deutschland
Deutschland Datenschutz: Bundesregierung will Steuer-ID auch für Rentenübersicht nutzen

Einem Gesetzesentwurf zufolge soll ein Bürger, wenn er über das Internet seine Rentenansprüche abfragen will, seine...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Panikmache: Es gab keine Superspreaderin in Garmisch-Partenkirchen

In Garmisch-Partenkirchen gab es keine Corona-Superspreaderin, die nachts von Kneipe zu Kneipe gezogen ist, um die Menschen zu infizieren....

DWN
Politik
Politik US-Geopolitiker Friedman: Eine russisch-deutsche Entente würde Europa dominieren

Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten sagt der umstrittene US-Geopolitiker George Friedman, dass eine deutsch-russische...

DWN
Finanzen
Finanzen Hexensabbat: Dax schließt am Freitag letztlich klar im Minus

Der Dax ist am Freitag im Zuge des Verfalls an den Terminbörsen wieder unter die 13.200 Punkte gefallen. Letztlich war es eine schwache...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aller politischen Querelen zum Trotz: Wie die Wirtschaft Deutschland und Polen zusammenhält

Polen hat nach der politischen Wende eine erstaunliche Entwicklung genommen. Das Land ist mittlerweile nicht mehr aus der Wirtschaft...

DWN
Politik
Politik Reine Planwirtschaft: EU-Bürokraten zwingen Autobauer zur Produktion von mehr E-Autos

Die europäischen Autobauer müssen in den nächsten zehn Jahren strengere Kohlendioxid-Emissionsvorschriften erfüllen. Für die Branche...

DWN
Deutschland
Deutschland Virologe Drosten: Corona-Lage könnte sich auch hierzulande zuspitzen

Mit Blick auf die verschärfte Corona-Lage in manchen anderen europäischen Ländern hat der Star-Virologe Christian Drosten vor einer...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Gesetze: Bundesregierung investiert in die Digitalisierung, nicht in mehr Ärzte

Die Bundesregierung wird angesichts der Corona-Krise Milliarden in Krankenhäuser und Gesundheitsämter investieren. Doch das Geld fließt...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundestag beschließt Erhöhung der Kfz-Steuer bei Autos mit hohem Spritverbrauch

Ab 2021 steigt für neue Autos mit hohem Spritverbrauch die Kfz-Steuer.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Massenentlassungen und Werksaufgaben: In Deutschlands Zuliefer-Industrie herrscht der Ausnahmezustand

Die Serie an Massenentlassungen und Werksschließungen in Deutschlands Zulieferindustrie setzt sich ungebremst fort. Die Lage ist...

celtra_fin_Interscroller