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Euro-Krise: IWF-Analyse zeigt Desaster von historischem Ausmaß

Lesezeit: 2 min
02.07.2015 19:08
Nun ist klar, warum der IWF in den Panik-Modus verfallen ist: Selbst ohne Referendum hätte Griechenland weitere 50 Milliarden Euro gebraucht - nur um auf einen tragfähigen Schuldenstand zu kommen. Tatsächlich geht der Bedarf eher in Richtung 100 Milliarden Euro. Diese Zahlen sind ein Fiasko für die Reputation der Troika. Sämtliche griechischen Regierungsmitglieder der vergangenen Jahre müssten sich nun eigentlich vor Gericht verantworten.
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Der IWF hat am Donnerstag eine neue Analyse der griechischen Wirtschaft vorgelegt. Die Zahlen sind in den vergangenen Monaten erhoben worden. Sie sind schockierend. Zwar muss man bei Zahlen des IWF immer sehr vorsichtig sein. In den vergangenen Jahren hat sich in Griechenland gezeigt, dass die Prognosen des IWF faktisch immer zu optimistisch waren und nach unten revidiert werden mussten.

Doch die nun vorliegenden Zahlen braucht man nicht mehr nach unten zu revidieren. Sie sind der glasklare Beleg, dass das sogenannte Rettungs-Programm für Griechenland grandios gescheitert ist.

Der IWF hat nämlich bereits vor dem Zerwürfnis mit der griechischen Regierung ermittelt, dass Griechenland für sein drittes, sogenanntes „Hilfspaket“ weitere 52 Milliarden Euro benötigt hätte. Dieser Betrag ist das Ergebnis von nunmehr fast vier Jahren Bail-Out und nur zu einem Teil der Syriza-Regierung anzulasten. Die IWF-Fachleute haben nämlich für diese Analyse die Gesamtentwicklung der bisherigen Griechenland-Rettung evaluiert. Demnach bleibt das Land in allen Werten hinter den von den Euro-Rettern erhofften Werten zurück.

Zusätzlich zu den 52 Milliarden Euro kommt nach dem Zerwürfnis ein aktueller Finanzbedarf von 16,3 Milliarden Euro. Dieser Betrag war eigentlich noch derjenige, der im zweiten Kreditprogramm auszuzahlen gewesen wäre. Damit kommt man auf ein neues Kreditprogramm in der Höhe von 70 Milliarden Euro, das den europäischen Steuerzahlern von den Euro-Rettern verordnet werden müsste.

Das ist schlicht nicht zu machen.

Denn selbst dieses Programm ist nicht mehr realistisch. Seit der Bankenschließung zu Beginn der Woche befindet sich die griechische Wirtschaft im freien Fall. In dem neuen Dokument räumt der IWF interessanterweise ein, dass etwa die Hälfte aller Kredite bei den griechischen Banken als faule Kredite (NPL) zu bezeichnen ist. Damit fällt jede Finanzierung für die Wirtschaft weg. Dies wiederum wird in Kombination mit der gewaltigen Verunsicherung bei den griechischen Unternehmen und bei den Konsumenten dazu führen, dass die Wirtschaft dramatisch absacken wird.

Bleibt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um ein Prozent unter der Prognose, ergäbe sich ein erneuter Finanzierungsbedarf in der Höhe von etwa 53 Milliarden Euro. Damit wäre der gesamte Betrag der Euro-Zone aus dem ersten Bail-Out zunichte gemacht.

Insgesamt sind bisher 240 Milliarden Euro an Krediten aus den verschiedenen Rettungsfonds nach Griechenland geflossen, um das Finanzsystem in der Eurozone zu stabilisieren. Nicht eingerechnet sind die Notkredite der EZB, die sich vermutlich auch noch einmal auf 120 Milliarden Euro belaufen werden. Doch das alles hat nicht gereicht, um die griechische Wirtschaft auf einen Weg des Wachstums zurückzuführen.

Die verheerenden Zahlen dürften einer der Gründe gewesen sein, warum der IWF in den Panik-Modus verfallen ist und nicht mehr in kosmetischen Verhandlungen mit der griechischen Regierung mitmachen konnte. Das Team von Christine Lagarde scheint erkannt zu haben: Das Troika-Programm für Griechenland ist gescheitert. Ebenso sind alle griechischen „Bemühungen“ in den vergangenen Jahren vergebens gewesen. Die Zahlen legen den Verdacht nahe, dass es sich bei der Griechenland-„Rettung“ um ein Desaster von historischem Ausmaß handeln dürfte.

Wer am Ende die Schuld dafür tragen wird, wird sicher in den kommenden Monaten und Jahren Gegenstand einer regen Debatte sein. Die Institutionen der Troika, also der IWF, die EZB und die EU-Kommission, müssen sich auf einen dramatischen Reputationsverlust einstellen.

Man kann mit gutem Grund annehmen, dass die griechischen Regierungen sämtlicher Couleur die Sanierung des Staatshaushalts nie ernsthaft betrieben und über weite Strecken eine Zusammenarbeit nur vorgetäuscht haben: Dafür gehören sie vor ein Gericht gestellt, denn die hunderten Milliarden, die jetzt weg sind, sind ja nicht zum Aufbau der Wirtschaft verwendet worden, sondern sonstwohin geflossen.

Bei einem Crash diesen Ausmaßes muss man aber auch fragen, wo die Verantwortung derer bleibt, die die Kredite gegeben haben. Es ist völlig unerklärlich, dass keinerlei Alarmsignale in einer früheren Phase zu hören gewesen sind – weder beim IWF, noch bei der EZB noch bei der EU.

Wenn diese Zahlen zutreffen, steht fest: Griechenland wird in eine massive Depression gestoßen. Ob und wie das Land sich aus dieser Depression erholen soll, kann zur Stunde nicht gesagt werden. Klar ist allerdings auch, dass diese Größenordnungen das Ende der Eurozone als skrupelloser Schuldengemeinschaft bedeuten müssen.

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