Finanzen

US-Ökonom sieht Crash-Gefahr an den Devisenmärkten

Lesezeit: 2 min
03.09.2015 00:46
Der ehemalige IWF-Ökonom und Hedgefonds-Manager Stephen Jen sieht einen drohenden Crash am Devisenmarkt. Die Yuan-Abwertung Chinas werde die Währungen Brasiliens, Südafrikas und Indonesiens um bis zu 50 Prozent fallen lassen. Grund dafür sei die starke Abhängigkeit dieser Länder von China.
US-Ökonom sieht Crash-Gefahr an den Devisenmärkten

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Abwertung des Yuan durch die chinesische Zentralbank hat globale Konsequenzen. Der ehemalige IWF-Ökonom Stephen Jen sieht darin den Auslöser für einen breiten Währungsverfall in den Schwellenländern. Er rechnet mit einem durchschnittlichen Wertrückgang der Schwellenländer-Währungen von 30 bis 50 Prozent in den nächsten neun Monaten. Jen, der den in London ansässigen Hedgefonds SLJ Macro Partners LLP gründete, sah bereits die Asien-Krise von 1997 voraus, als er noch als Analyst für Morgan Stanley tätig war.

„Wenn das der Anfang einer neuen Phase in Pekings Währungspolitik ist, wäre es die größte Entwicklung in der Währungswelt in diesem Jahr. Der Trend sich abschwächender Währungen in den Schwellenländern wird nun global“, sagte Jen Bloomberg. Jen empfiehlt daher den Verkauf des brasilianischen Real, der indonesische Rupiah und des südafrikanischen Rand. Diese Länder sind Rofstoff-Exporteure, die für einen Großteil ihrer Einnahmen auf China angewiesen sind. Südamerika steht dabei besonders im Fokus des ehemaligen IWF-Ökonomen, da die Unternehmen dort die höchsten Dollar-Auslandsschulden weltweit aufweisen.

China hat in den letzten Monaten massiv am Markt interveniert. So kürzte die Zentralbank die Leitzinsen vier Mal innerhalb der letzten zwölf Monate. Zudem wurde das Kreditlimit für Banken erhöht, um die Inlandsnachfrage zu stimulieren und ein milliardenschweres Konjunktur-Programm aufgesetzt, um die Folgen des Aktiencrashs zu aufzufangen. Schließlich wertete die Zentralbank den Yuan ab, um den Absatz chinesischer Produkte im Ausland ankurbeln. All dies sendet ein deutliches Signal an Investoren: Der jahrelang Boom in China ist vorbei.

Das verstärkt den Eindruck der Panik-Reaktion im letzten Monat auf die fallenden Aktienmärkte, denn die chinesischen Behörden wissen, dass sich ihre Wirtschaft schneller abkühlt als die Märkte es eingepreist haben“, zitiert das Wall Street Journal Adam Posen vom Peterson Institute of International Economics. Posen hält es deshalb für denkbar, dass der Yuan erneut abgewertet wird.

Chinas direkte Handelsrivalen wie Südkorea und Japan geraten durch die Yuan-Abwertung ebenfalls unter Druck. Wenn sie im Wettbewerb bestehen wollen, müssen sie ihre eigene Währung ebenfalls abwerten. Dies würde die Volatilität am Finanzmarkt weiter erhöhen und zu Verwerfungen in den Schwellenländer-Märkten führen. Die BRICS-Staaten spüren das Ende des China- und Rohstoffbooms bereits. Die Rohstoffpreise sind weltweit und auf breiter Front gefallen und ein Ende dieses Trends ist derzeit nicht absehbar. Viele Indizes geben deutliche Warnsignale. Was nun sichtbar wird, sind die schwach gebliebenen Strukturen in den aufstrebenden Ländern von Brasilien bis Russland.

Brasilien wird von der Yuan-Abwertung besonders hart getroffen. Brasiliens Handelsminister Armando Monteiro erwartet durch die Yuan-Abwertung einen Rückgang der Exporte aus der verarbeitenden Industrie, wie Reuters berichtet. Das würde die ohnehin schon negativen Wachstumsprognosen weiter senken. Für dieses Jahr rechnet die Weltbank in Brasilien mit einem Rückgang des Wachstums von 1,3 Prozent. Der Verfall der Rohstoff-Preise und der Rückgang des Welthandels haben die Wirtschafts Brasiliens in eine Depression gestürzt. Im zweiten Quartal lieferte Brasilien die schlechtesten Wachstums- und Inflationswerte seit über einer Dekade.

„Seit dem ersten Quartal 2004 hatten wir nicht ein einziges Quartal, in dem wir gleichzeitig eine höhere Inflation und ein niedrigeres Wachstum hatten als im zweiten Quartal 2015“, zitiert Zero Hedge aus einem Bericht der Investmentbank Goldman Sachs. Auch das Haushaltsdefizit in Brasilien liegt mit 7,9 Prozent des BIP so hoch wie zuletzt im Januar 2004. Und der brasilianische Real verlor im Laufe des Jahres bereits mehr als 24 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar.

Die Unterstützung für Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ist auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Einer aktuellen Umfrage zufolge sind nur 8 Prozent der Brasilianer mit ihrer Politik einverstanden, wie das Wall Street Journal berichtet. Seit dem Ende der Militärjunta im Jahr 1985 war kein brasilianisches Staatsoberhaupt unbeliebter. Der Zorn auf Rousseff entläd sich immer häufiger in Massendemonstrationen. Viele Demonstranten kritisierten den massiven Korruptionsskandal beim staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras und fordern den Rücktritt der Präsidentin. Die anhaltende politische Instabilität verstärkt die Kapitalflucht, da Investoren mit weiteren Abwertungen der Rating-Agenturen rechnen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Russland erwägt Abschaffung der Exportzölle auf Gold
17.04.2024

Laut dem World Gold Council war Russland 2022 der zweitgrößte Goldförderer der Welt, nach China und noch vor Australien. Die staatliche...

DWN
Technologie
Technologie Unser neues Magazin ist da: In welchen Branchen Deutschland künftig erfolgreich sein kann
17.04.2024

Der Mond ist wieder Zentrum eines erbitterten Wettlaufs um Macht und Geld im Weltraum. Kann die Menschheit ihn erobern und ihre Probleme...

DWN
Finanzen
Finanzen Das sind die Top 3 Wachstumstrends 2024
17.04.2024

Die Wirtschaftslandschaft im Jahr 2024 steht im Zeichen bahnbrechender Innovationen und Technologien, die das Potenzial haben, unsere Welt...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsch-chinesische Beziehung: So reagiert China auf Scholz’ Besuch
16.04.2024

Die Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz nach China hat in den vergangenen Tagen die chinesischen Medien beschäftigt. Zum Abschluss seiner...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft IWF-Wachstumsprognose 2024: Deutschland bleibt weltweites Schlusslicht
16.04.2024

Für Deutschland hat der IWF in seiner neuen Prognose keine guten Nachrichten: Sie dürfte auch 2024 unter allen Industriestaaten am...

DWN
Politik
Politik Modernste Raketenabwehrsysteme: So schützt sich Israel gegen Luftangriffe
16.04.2024

Hunderte Raketen und Kampfdrohnen hatte der Iran am Wochenende nach Israel gefeuert. Dass dieser Angriff vergleichsweise glimpflich...

DWN
Politik
Politik Engpass bei Stromversorgung: Oranienburg zeigt Deutschland die Grenzen auf
16.04.2024

Noch ist es ein Einzelfall: Die Kleinstadt Oranienburg, nördlich von Berlin, kommt dem Bedarf ihrer Kunden nicht mehr umfänglich nach....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau wegen KI: Jetzt trifft es auch die Hochqualifizierten
16.04.2024

Der zunehmende Einsatz von KI verändert viele Branchen grundlegend und wird in Zukunft eine Reihe von Berufen überflüssig machen. Davon...