Böhmermann ist zurück: „Mache keine Witze mehr über Hitler“

 

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13.05.2016 01:23
Jan Böhmermann hat sich bei seiner Rückkehr mit Witzen über den türkischen Präsidenten Erdogan zurückgehalten. Trotz einer durchaus spektakulären „Enthüllung“ über den privaten Konkurrenten RTL zeigte die Sendung jedoch den schmalen Grat zwischen Satire und einer Staatskunst, die als ideologische Waffe gegen Minderheiten und Andersdenkende in Stellung gebracht werden könnte.
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Jan Böhmermann im ZDF. (Screenshot: Dailymotion)

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Jan Böhmermann wollte sich bei seiner Rückkehr ins ZDF nicht erneut mit dem Thema Erdogan beschäftigen und überließ die Kritik an Angela Merkel Gregor Gysi. Dieser sagte, es sei absurd, dass Merkel die Verfolgung Böhmermanns nach dem Majestätsbeleidigungs-Paragrafen zugelassen habe, diesen jedoch gleichzeitig abschaffen wolle. Für Böhmermann bleibt der Rechtsstreit allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit ohne Folgen, weil das ZDF sämtliche Rechtskosten übernimmt.

Böhmermann enthielt sich selbst weitgehend der Gags und behauptete, alle seine Gags stammten von Zusehern – was nicht überprüft werden kann. Die Witze waren alle mehr oder weniger geschmacklos und stießen sogar beim Publikum auf eher lauwarme Aufnahme. Um des Kalauers willen wurde über die Krankheit von Sigmar Gabriel oder über das Aussehen der Chinesen gespottet. In redaktionellen Beiträgen bei einem Ratespiel mit Gysi konnte man sich des Eindrucks nicht erwähren, dass Lacher nur mit vulgären Superlativen produziert werden können. Warum reicht die Redaktion dem brillanten und intelligenten Böhmermann immer nur die Keule statt des Floretts?

Wirklich überzeugend war der im Hinblick auf Erdogan raffiniert-doppeldeutige Witz, mit dem Böhmermann seine Enthaltsamkeit begründete: „Ich mach auch keine Gags mehr über Hitler. Weil es kann sein, dass mir das im Nachhinein als Störung der Totenruhe ausgelegt wird“, sagte Böhmermann. Er wolle auch nicht, dass Hitlers Anwalt gegen ihn vorgehe.

Kern der Sendung war eine durchaus amüsante „Enthüllung“: Sie beschäftigte sich mit der RTL-Kuppelshow „Schwiegertochter gesucht“. Böhmermann schilderte, wie das ZDF Moderatorin Vera Int-Veen einen falschen Kandidaten untergeschmuggelt zu haben - den „einsamem Eisenbahnfreund Robin“: „Den gibt es nämlich nicht. Den haben wir uns komplett ausgedacht!“ Das ZDF soll demnach zwei Schauspieler in die Sendung von RTL eingeschmuggelt und die miesen Praktiken dieser immer wieder an der Grenze der Menschenverachtung schrammenden Sendung aufgedeckt haben.

Allerdings garnierte das ZDF die Kommentare zu dem Scoop mit Bemerkungen auf Kosten von „Behinderten“, die man bei genauer Textanalyse als diskriminierend einschätzen kann. Böhmermann sagte in der Anmoderation zu dem Beitrag, dass für die RTL-Sendung „ganz merkwürdige Leute“ ausgesucht würden, von denen der Zuschauer denken könnte, es wären „Menschen am Rande zur geistigen Behinderung“. Menschen mit geistiger Behinderung sollten in öffentlich-rechtlichen Sendern keinesfalls abfällig behandelt werden – auch nicht unabsichtlich, grenzwertig, missverständlich oder um des schnellen Gags willen. Auch solche Tweets verstärken den Eindruck der Sorglosigkeit:

Auch grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es die Aufgabe der von Zwangsgebühren finanzierten Sendern ist, die private Konkurrenz an den Pranger zu stellen – wie ein Korrespondent der AP in einem Tweet nach der Sendung treffend erkannte:

Die Sendung ließ beim exzessiven Ausloten der Grenzen der Satire zu oft den Geist eines arroganten Zynismus erkennen. Damit tat die Redaktion Böhmermann keinen Gefallen, weil sie den sympathischen Anarchisten angreifbar macht. Wenn nämlich alles, was in den öffentlich-rechtlichen Sendern mit ihren unerschöpflichen finanziellen Möglichkeiten gemacht wird, taxfrei unter „Kunstfreiheit“ (Gysi) subsumiert wird und damit die redaktionelle Selbstkontrolle für überflüssig erklärt wird, sind wir schnell bei einer Staatskunst angelangt, die nicht nur verletzend und selbstherrlich wirken, sondern zur ideologischen Waffe gegen Minderheiten oder Andersdenkende verkommen kann.

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