Politik

Bundestag: Türkei soll von Deutschland bei Umgang mit Geschichte lernen

Lesezeit: 1 min
02.06.2016 12:42
Der SPD-Außenpolitiker Mützenich hat der Türkei im Zuge der Armenien-Debatte geraten, sich Deutschland im Umgang mit einem dunklen Kapitel der eigenen Geschichte zum Vorbild zu nehmen. Gregor Gysi kritisierte die Abwesenheit von Angela Merkel und der Regierungsspitze.
Bundestag: Türkei soll von Deutschland bei Umgang mit Geschichte lernen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Türkei  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

In der Bundestagsdebatte zu den Massakern an den Armeniern hat der SPD-Außenexperte Rolf Mützenich die Auseinandersetzung mit dem Thema im deutschen Parlament verteidigt. "Wir als Abgeordnete lassen uns nicht einschüchtern, egal von welcher Seite", sagte Mützenich am Donnerstag. Er rief ebenso wie andere Redner Armenier und Türken zur Versöhnung auf.

Deutschland wisse aus eigener Erfahrung, wie mühevoll und schmerzlich die Aufarbeitung der eigenen Geschichte sei. "Heute wünschen wir uns eine Türkei, die in vergleichbarer Offenheit und Größe einem dunklen Kapitel ihrer Geschichte gerecht wird", sagte Mützenich.

Unionsfraktionsvize Franz Josef Jung (CDU) betonte: "Uns geht es nicht darum, die Türkei an den Pranger zu stellen." Nur wer sich zur Vergangenheit bekenne, könne Zukunft gestalten. Gerade angesichts der vielen Türken in Deutschland sei es besonders wichtig, Aussöhnung zu erreichen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte vor Beginn der Debatte, das deutsche Parlament sei keine Historikerkommission und kein Gericht. Es wolle aber "unbequemen Fragen und Antworten nicht aus dem Weg gehen", vor allem, wenn das damalige Deutsche Reich Mitschuld auf sich geladen habe.

Der Linken-Abgeordnete Gregor Gysi sagte, es gehe darum, die Geschehnisse vor gut hundert Jahren "endlich als das benennen, was es war: Ein Völkermord an bis zu 1,5 Millionen Armeniern sowie Aramäern und Angehörigen weiterer christlicher Minderheiten".

Gysi kritisierte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Vizekanzler Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD) nicht an der Debatte teilnahmen. Das sei "auch nicht besonders mutig", sagte Gysi. Er bedauerte zudem, dass es keinen gemeinsamen Antrag unter Einschluss der Linken gebe, weil die Union dies abgelehnt habe.

Der Bundestag stimmt im Anschluss über die Resolution zu dem Armenien-Massaker ab. In dem von Union, SPD und Grünen eingebrachten Antrag werden die Geschehnisse als Völkermord bezeichnet. Bei der türkischen Regierung, die diese Einstufung ablehnt, löste das schon im Vorfeld Empörung aus. Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte wegen der Resolution vor einer Verschlechterung der deutsch-türkischen Beziehungen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Hilflos auf dem Weg in die nächste Flutkatastrophe

Mit dem Juli 2022 wird die Erinnerung an die Flutkatastrophe im Juli des vergangenen Jahres wach. Schon mehren sich die Anzeichen, dass...

DWN
Technologie
Technologie US-Sanktionen kurbeln Chinas Chip-Industrie kräftig an

Die US-Sanktionen gegen China scheinen ihren Zweck zu verfehlen. Ex-Google-Chef Eric Schmidt warnt sogar: "Amerika steht kurz davor, den...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB rettet Italien und Griechenland mit Erlösen aus deutschen Anleihen

Mit Erlösen aus den Anleihen der Nordländer wird die EZB Anleihen der Südländer kaufen. Damit bricht sie ganz offen die eigenen Regeln....

DWN
Politik
Politik USA forcieren größte militärische Expansion in Europa seit dem Kalten Krieg

Die USA stationieren deutlich mehr Truppen in Deutschland und den anderen Nato-Partnerstaaten in Europa. Der Kalte Krieg scheint mit aller...

DWN
Technologie
Technologie Norwegische Forscher testen „automatische Küstenwache“

Die neue Technologie könne in naher Zukunft zu neuen Industrien, Wertschöpfung und neuen Arbeitsplätzen in Norwegen führen, so die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schweizer Wertarbeit: 125 Jahre Taschenmesser

Einige Fakten zum Schweizer Sackmesser, einem eidgenössischen Exportschlager.

DWN
Politik
Politik Existenzängste: Bauernaufstand in den Niederlanden

Nach Beschluss über existenzbedrohende Düngeregeln: Bauern leeren Güllefass vor dem Wohnhaus der niederländischen Umweltministerin. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Gaskrise: Aluminium-Hersteller bereiten sich auf Abschaltung vor

Die deutschen Aluminium-Hersteller stellen Notfallpläne für die anhaltende Gaskrise auf. Die drohende Abschaltung der 240 Unternehmen...