Letzte Frist für Kaiser's Tengelmann vor Zerschlagung

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
23.09.2016 15:39
Der Chef der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann setzt allen bei der Übernahme beteiligten Parteien eine Frist von zwei Wochen, innerhalb derer eine Lösung gefunden werden muss. Geschehe dies nicht, werde das Unternehmen zerschlagen.
Letzte Frist für Kaiser's Tengelmann vor Zerschlagung

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Für die angeschlagene Supermarktkette Kaiser's Tengelmann muss binnen zwei Wochen eine Lösung gefunden werden. Gelinge dies nicht, werde die Kette zerschlagen, kündigte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub nach einer Aufsichtsratssitzung am Freitag in Mülheim an der Ruhr an. Haub setzt darauf, dass bei Spitzengesprächen der Chefs der großen deutschen Supermarktketten eine Vereinbarung zur Zukunft der Kette erzielt wird. Deshalb gebe er der mit immer höheren Verlusten kämpfenden Supermarktkette mit rund 15.000 Beschäftigten noch eine letzte Chance. Die Supermarkt-Manager hatten den Beschäftigten neue Hoffnung gegeben, als sie sich unter Vermittlung der Gewerkschaft Verdi am Donnerstagabend in Frankfurt darauf verständigt hatten, „eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden“.

Haub hatte vor zwei Jahren den Verkauf der Supermarktkette an den Branchenprimus Edeka besiegelt. Doch die Umsetzung des Kaufvertrags steht auf der Kippe. Das Kartellamt legte sein Veto gegen die Übernahme ein, im März hebelte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel dieses per Ministererlaubnis aus. Edeka-Konkurrent Rewe klagte gegen diese Sondererlaubnis, das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf legte sie daraufhin in einem Eilverfahren auf Eis. Edeka, Tengelmann und Gabriel gehen nun vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen das OLG vor.

Haub will einen weiteren jahrelangen Rechtsstreit aber nicht abwarten: „Kundenzahlen und Umsätze sinken und das Geschäft bricht zunehmend weg“, sagte er. „Ein dramatischer Anstieg der monatlichen Verluste“ sei die Folge. „Für das weitere Beschreiten des Rechtsweges wären vermutlich weitere zwei Jahre erforderlich - Zeit, die wir nicht mehr haben“, unterstrich Haub. Tengelmann betrieb Ende 2015 noch 446 Filialen in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Doch auch viele Vermieter sehen angesichts der Unsicherheiten um die Kette Verlängerungen von Mietverträgen für die Märkte skeptisch.

Den Kaufvertrag mit Edeka wollte Haub bereits lösen. Für die kommende Woche hatte er geplant, erste Angebote von Interessenten für Kaiser's-Tengelmann-Teile in Nordrhein-Westfalen einzuholen. Dieser Prozess werde nun für zwei Wochen ausgesetzt. „Sollten die Bemühungen um eine Umsetzung der Ministererlaubnis jedoch erfolglos sein, wird der Vertrag mit Edeka enden und wir werden in die Einzelverwertung gehen“, kündigte Haub an.

Der Tengelmann-Chef hatte Insidern zufolge vor dem Spitzen-Treffen in Frankfurt darauf gesetzt, dass Rewe-Chef Alain Caparros seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurückzieht. Caparros selbst erklärte, er wolle eine „faire Aufteilung“ der Kaiser's-Tengelmann-Märkte. Insider sagten, die Fronten seien nach dem Spitzentreffen nicht mehr so verhärtet. Es würden neue Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Es gebe für Kaiser's Tengelmann wieder eine Chance zu Überleben, sagte Manfred Schick vom Tengelmann-Betriebsrat nach der Aufsichtsratssitzung. Sie glaube daran, dass eine Rettung möglich sei, sagte Verdi-Vertreterin Sabine Busch in Mülheim. Auch Bundeswirtschaftsminister Gabriel begrüßte, dass die Gespräche fortgesetzt werden sollen. „Die Unternehmen und auch die Eigentümer sind in der Verpflichtung gegenüber ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, da eine gute Lösung herbeizuführen“, sagte ein Sprecher.


Mehr zum Thema:  

DWN
Termine
Wichtige Termine Lesen Sie hier, warum Sie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten lesen sollten und wie Sie dabei 17% sparen!

Unser Chefredakteur Hauke Rudolph zeigt auf, warum man Abonnent der DWN sein sollte. Gleichzeitig können Sie von einem interessanten...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung beschließt Zerstörung des deutschen Taxi-Betriebs

Die große Koalition will den Einstieg neuer Anbieter in den Taxi- und Fahrdienstmarkt erleichtern. Dazu gehören unter anderem Uber und...

DWN
Politik
Politik Wer ist mächtiger? Twitter erwägt Sperrung von Donald Trump

Twitter erwägt, das Konto von Donald Trump zu schließen, wenn der US-Präsident weiterhin gegen die Twitter-Regeln verstoßen sollte.

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Insolvenzwelle, Teil 4: Die größte und älteste Dampfschiff-Flotte der Welt ist bankrott

Die Liste der durch das Herunterfahren der Wirtschaft verursachten Insolvenzen und Pleiten wird länger. Hunderttausende haben infolge der...

DWN
Politik
Politik Corona-Lüge? Abstandsregeln spielen bei Anti-Rassismus-Demos plötzlich keine Rolle mehr

Diejenigen, die zuvor die deutschen Proteste gegen die Corona-Regeln mit Verweis auf die Abstands- und Kontaktregeln kritisiert hatten,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Anleger machen Kasse, Ebay-Aktie im Aufwind

US-Anleger haben von den jüngsten Kursgewinnen profitiert. Mit einem Kursplus von knapp zwölf Prozent gehört Ebay zu den Favoriten am...

DWN
Technologie
Technologie Deutsche Forscher entwickeln Künstliche Intelligenz zur Wartung von Maschinen

Saarbrücker Forscher haben ein innovatives Wartungs-System entwickelt, das auf Künstlicher Intelligenz beruht.

DWN
Finanzen
Finanzen Politik erbost: Britische Großbanken unterstützen Chinas Sicherheitsgesetz für Hongkong

Die britischen Großbanken HSBC und Standard Chartered geraten ins Visier britischer Politiker, weil sie das neue chinesische...

DWN
Politik
Politik Bundesweite Razzien wegen Internet-Hetze im Fall Lübcke

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war vor und nach seinem Tod Opfer von Hasskommentaren. Monatelang sammelten Ermittler...

DWN
Deutschland
Deutschland Über 10.000 Menschen treten in München aus Kirche aus

In der deutschen Erzdiözese München und Freising sind im vergangenen Jahr über 10.000 Menschen aus der Kirche ausgetreten.

DWN
Deutschland
Deutschland Am Samstag: Wieder Demonstrationen gegen Corona-Regeln

Am kommenden Samstag sollen landesweite Demos gegen die Corona-Beschränkungen stattfinden. Kundgebungen sind unter anderem in Berlin,...

DWN
Politik
Politik Boris Johnson stellt hunderttausenden Hongkongern Einbürgerung in Großbritannien in Aussicht

Im seit Monaten anhaltenden Konflikt zwischen China, Großbritannien und den USA um Hongkong droht der britische Premier mit...

DWN
Politik
Politik Gesundheitsminister Spahn schmiedet internationale Corona-Impfstoffallianz

Einem Bericht zufolge schmiedet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit drei weiteren EU-Staaten eine Corona-Impfstoffallianz. Sie richtet...

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonomen loben Umfang der Hilfen für die Wirtschaft

Deutsche Ökonomen haben den Umfang der Hilfen für die Wirtschaft in der Coronakrise gelobt. Der Umfang der haushaltswirksamen Maßnahmen...

DWN
Politik
Politik Kinderbonus und Mehrwertsteuer-Senkung: Das sind die Details zum Riesen-Konjunkturpaket der Regierung

Es waren Marathon-Verhandlungen über zwei Tage. Nach einem zähen Ringen haben sich die Spitzen von CDU, CSU und SPD auf ein umfassendes...

celtra_fin_Interscroller