Deutschland

Flughafen Frankfurt-Hahn: Verkauf ist noch unsicher

Lesezeit: 2 min
22.11.2016 11:57
Der Verkauf des Flughafens Frankfurt-Hahn ist gescheitert. Die Verhandlungen gehen weiter.
Flughafen Frankfurt-Hahn: Verkauf ist noch unsicher

Flughafen Frankfurt-Hahn ist weiter in den Verhandlungen. Der erste Anlauf ist spektakulär gescheitert: Der bereits unterzeichnete Verkauf des Flughafens Hahn an die chinesische Firma SYT ging im Sommer in Betrugsvorwürfen und Zahlungsversäumnissen unter. Jetzt verhandelt das Land Rheinland-Pfalz mit drei Interessenten, im Januar soll ein Deal spruchreif werden. Aber viele Fragen sind noch offen.

Wer will den Flughafen Hahn kaufen?

Die Namen der drei Bieter, die nun nach einer mehrstufigen Sichtung in die heiße Verkaufsphase eintreten, sind offiziell nicht bekannt. Als Grund der Vertraulichkeit nennt der Berater Martin Jonas: Die Verkaufsverhandlungen könnten erschwert werden, wenn die Käufer einander kennen. So viel aber ist bekannt: Es gibt Bieter mit Kooperationspartnern aus der Luftverkehrsbranche. Aus Kreisen bisheriger Interessenten für den Flughafen Hahn sind zwei Namen zu hören, die unter den drei verbliebenen Bietern sein sollen: die pfälzische ADC GmbH mit dem Geschäftsführer Siegfried Englert und dem chinesischen Unternehmen HNA als Partner sowie der chinesische Investor Jonathan Pang mit dem Regionalflughafen Schwerin-Parchim.

Wie lange werden die Verhandlungen dauern?

Die drei Bieter werden zu Verhandlungsrunden eingeladen, geplant sind jeweils mehrere Tage in Klausurberatungen. Dabei erwartet Berater Jonas, „dass wir uns im Laufe des Dezembers mehr und mehr auf einen Bieter zubewegen werden, wir werden zwei Bieter verlieren“. Im Januar könnte dann ein Kaufvertrag unterschrieben werden. Dieser muss dann von der EU-Kommission geprüft werden, auch der Plan für staatliche Beihilfen, die Brüssel noch bis maximal 2024 zugelassen hat. Auch soll der Verkauf in einem Gesetz verankert werden, über den dann der rheinland-pfälzische Landtag abstimmen muss.

Welchen Kaufpreis können die Gesellschafter erwarten?

Hier unterscheiden die Verkäufer zwischen dem reinen Angebotspreis als Bruttopreis und einem unterm Strich sich ergebenden Nettokaufpreis einschließlich variabler Bestandteile wie die Übernahme von Garantien und Verpflichtungen. Jonas gibt zu bedenken, dass sich die Eigentümer - zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen - wegen der defizitären Lage der Flughafengesellschaft nicht gerade in einer komfortablen Verhandlungsposition befinden.

Kann der Betrieb bis zum Verkauf vor einer Insolvenz bewahrt werden?

Die laufenden Erträge der Flughafengesellschaft FFH reichen nicht aus, um alle Kosten zu decken - das Jahresdefizit beläuft sich auf 18 Millionen Euro. Um die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen, soll es ab Mitte Dezember im Abstand von vier bis acht Wochen jeweils ein bis eineinhalb Millionen Euro aus einem Gesellschafterdarlehen des Landes geben. So kann die monatliche Zahlung der Gehälter für die mehr als 2000 Beschäftigten geleistet werden. Insgesamt stehen 34 Millionen Euro als Gesellschafterdarlehen bereit.

Werden auch künftig noch Billigflieger vom Hahn starten?

Die drei verbliebenen Bieter sind laut Berater Jonas an einer Fortführung des Flugbetriebs interessiert. Denkbar ist nach Darstellung von Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro auch ein Modell mit einem eingeschränkten Flugbetrieb. Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat ihren Abfertigungsvertrag am Hahn um fünf Jahre verlängert - das Unternehmen ist ein Hauptkunde auf dem ehemaligen US-Militärgelände, wo seit 1993 ein ziviler Flugbetrieb stattfindet. Ryanair setzte auch die Bezeichnung des Flughafens „Frankfurt-Hahn“ durch. Allerdings will die Airline künftig auch vom 120 Kilometer östlich gelegenen Flughafen Frankfurt am Main aus Ziele wie Mallorca oder Malaga anfliegen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Bargeld vor dem Aus? Der digitale Dollar wird schneller kommen als uns lieb ist

Ein Gesetz zur Einführung des digitalen Dollars wird voraussichtlich in den kommenden Monaten vom US-Kongress verabschiedet. Der...

DWN
Politik
Politik Offizieller Plan zur Aufhebung der Reisefreiheit für Corona-Impfgegner

Der internationale Flugverband IATA will einen digitalen Corona-Impfpass einführen. Wer bereit ist, sich gegen Corona impfen zu lassen,...

DWN
Politik
Politik Wikileaks: CIA führt Cyber-Kriege von US-Konsulat in Frankfurt aus

Wikileaks hatte im Jahr 2017 eine große Datenmenge über die Arbeit der CIA veröffentlicht. Die Dokumente zeigen, wie massiv die CIA im...

DWN
Finanzen
Finanzen Nach drei Jahren: Bitcoin steigt auf Rekordhoch

Am Montag überstieg der Bitcoin-Kurs seinen bisherigen Rekordstand vom Dezember 2017. Reißt der Kurs als nächstes die Marke von 20.000...

DWN
Politik
Politik Wahlbetrug? US-Richter lässt Stimmenzähl-Maschinen in Georgia „einfrieren“

Ein Bezirksrichter im US-Bundesstaat Georgia hat drei Wahlmaschinen „einfrieren“ lassen. Es soll offenbar eine forensische Inspektion...

DWN
Deutschland
Deutschland Finanzminister Scholz: „Ich unterstütze die Arbeit der EZB an einem digitalen Euro voll”

Bundesfinanzminister Scholz konstatiert einen starken Trend hin zu bargeldlosen, digitalisierten Bezahlmöglichkeiten in Europa: „Es gibt...

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Deutschland
Deutschland Minus 0,3 Prozent: Inflation fällt auf tiefsten Stand seit 2015

Die gesenkte Mehrwertsteuer und fallende Energiekosten drücken die deutsche Inflationsrate auf den tiefsten Stand seit Januar 2015. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Russischen Wissenschaftlern gelingt Durchbruch beim 3-D-Druck in der Raumfahrt

Der 3-D-Druck spielt mittlerweile in immer mehr Wirtschaftssegmenten eine wichtige Rolle – auch in der Luft- und Raumfahrt-Industrie....

DWN
Finanzen
Finanzen Dax-Ausblick für den Dezember: Volle Konzenzatrion auf Lagardes milliardenschweres Pandemie-Paket

Eine weitere Erholung von der Pandemie oder doch wieder massive Rückgänge? Das ist die Frage an den deutschen Börsen im letzten Monat...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schnäppchen-Event „Black Week“: Eine schwarze Woche für Amazon-Angestellte

Amazon schränkt den Datenschutz und die Rechte seiner Angestellten Berichten zufolge systematisch ein. Die Organisation Amnesty...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Massenentlassung bei MAN: Betriebsrat zieht gegen Konzernführung vor Gericht

Der Betriebsrat des Lastwagenbauers MAN zieht gegen die Unternehmensleitung vor Gericht. Der Streitfall reiht sich in eine Serie anderer...

DWN
Politik
DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Xiaomi verdrängt Apple von Platz drei bei Smartphone-Absatz

Der chinesische Konzern Xiaomi hat im dritten Quartal mehr Smartphones als Apple verkauft. und den iPhone-Hersteller damit vom Podest der...