Investoren richten ihren Blick auf Fed und EZB
Die Märkte werden genau verfolgen, wie sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Fed-Chef Jerome Powell nach den Sitzungen am 18. März und 19. März zu den Folgen des Iran-Kriegs für die Geldpolitik äußern. Analysten gehen nahezu einhellig davon aus, dass weder die Fed noch die EZB ihre Leitzinsen verändern werden.
Im Mittelpunkt stehen damit aktualisierte Prognosen zu Wachstum und Inflation. Gleichzeitig dürfte der geopolitische Konflikt die Kommunikation der Notenbanken dominieren, da Investoren nach Hinweisen für den weiteren geldpolitischen Kurs suchen.
Iran-Krieg erschwert wirtschaftliche Einordnung
Ökonomen betonen, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs derzeit kaum belastbar einschätzen lassen. Entscheidend bleibt vor allem die Dauer des Konflikts sowie das Risiko weiterer Eskalationen.
Bislang zeigen sich die Effekte vor allem auf den Energiemärkten, wo es zu deutlichen Preisbewegungen gekommen ist. Diese wirken sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus und erreichen schließlich auch die Endverbraucher, ohne dass es bisher zu gravierenden Störungen bei Lieferketten gekommen ist.
Zentralbanken im Spannungsfeld zwischen Wachstum und Inflation
Sollte der Konflikt länger andauern, geraten sowohl die Fed als auch die EZB in ein schwieriges Umfeld. Eine Abschwächung der Arbeitsmärkte und der wirtschaftlichen Dynamik würde grundsätzlich für eine lockerere Geldpolitik sprechen.
Gleichzeitig erhöhen steigende Energiepreise den Inflationsdruck und treiben die Inflationserwartungen nach oben. In dieser Konstellation rückt das Risiko einer Stagflation in den Fokus, also eine Phase schwachen Wachstums bei gleichzeitig erhöhter Inflation.
Fed hält an abwartender Linie fest
Die US-Leitzinsen liegen derzeit in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Nach einer längeren Pause hatte die Fed im Herbst 2025 drei Zinssenkungen in Folge beschlossen, konkret im September, Oktober und Dezember.
Auf der Sitzung im Januar 2026 blieb die Geldpolitik unverändert. Auch für das Jahr 2026 erwarten viele Analysten weiterhin zwei Zinssenkungen, gehen jedoch davon aus, dass diese nicht bereits auf der Sitzung am 18. März erfolgen.
Dollarstärke und Energiepreise sprechen gegen schnellen Kurswechsel
Aus Sicht der Marktteilnehmer sprechen mehrere Faktoren gegen eine kurzfristige Anpassung der Zinsen. Die Aufwertung des US-Dollars in den vergangenen Wochen sowie restriktivere Finanzierungsbedingungen könnten die inflationssteigernden Effekte höherer Energiepreise teilweise dämpfen.
Zudem sind die Gaspreise in den USA deutlich weniger stark gestiegen als in Europa. Während der Anstieg in den Vereinigten Staaten bei rund 14 Prozent liegt, beträgt er in der Europäischen Union etwa 60 Prozent.
Vor diesem Hintergrund sehen Analysten für die Fed ausreichend Spielraum, zunächst abzuwarten und die weitere Entwicklung zu beobachten. Auch Mitglieder des Offenmarktausschusses FOMC betonen, dass eine verlässliche Einschätzung der wirtschaftlichen Folgen derzeit noch nicht möglich ist.
EZB zwischen stabilen Zinsen und steigenden Erwartungen
Der Einlagensatz der EZB liegt derzeit bei 2 Prozent und verharrt seit Juli 2025 auf diesem Niveau. Damals hatte die Notenbank die bislang letzte Zinssenkung in diesem Zyklus beschlossen. Die Erwartungen der Märkte haben sich seither deutlich verschoben.
Während zunächst weitere Zinssenkungen erwartet wurden, gingen Marktteilnehmer anschließend von einer längeren Phase stabiler Zinsen aus. Inzwischen rechnen viele Investoren damit, dass die nächste geldpolitische Maßnahme eine Zinserhöhung sein könnte.
Euribor signalisiert veränderte Markteinschätzung
Diese Neubewertung zeigt sich auch im Sechsmonats-Euribor, der im März gestiegen ist. Am 2. März lag er bei 2,131 Prozent, am 16. März bei 2,298 Prozent. Auch für die EZB gilt, dass auf der Sitzung am 19. März keine Zinsänderung erwartet wird. Umso stärker richtet sich der Blick auf die neuen Prognosen zu Wachstum und Inflation im Euroraum.
Europa stärker von Energiepreisanstieg betroffen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs sind im Euroraum bislang ausgeprägter als in den USA. Ausschlaggebend ist vor allem die deutlich stärkere Verteuerung von Energie, insbesondere von Erdgas.
Gas spielt weiterhin eine zentrale Rolle bei der Preisbildung auf den europäischen Strommärkten. Gleichzeitig treffen die neuen Preisschübe auf ein Umfeld, in dem sich die Energiekosten noch nicht vollständig von der Krise der Jahre 2022 und 2023 erholt haben.
EZB setzt auf vorsichtige und flexible Linie
Vor diesem Hintergrund steht auch die EZB vor der Aufgabe, Inflationsbekämpfung und wirtschaftliche Stabilisierung auszubalancieren. Zwar ist ihr Mandat formal auf Preisstabilität ausgerichtet, dennoch fließt die konjunkturelle Entwicklung in die Entscheidungen ein.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte laut Bloomberg, dass die Notenbank flexibel bleiben werde. Angesichts der hohen Unsicherheit sehe sie derzeit keinen Anlass für schnelle Zinsentscheidungen und wolle keine übereilten Schritte unternehmen.
Lagarde weist Stagflationssorgen zurück
Gleichzeitig wies Lagarde Befürchtungen einer Stagflation zurück. Die europäische Wirtschaft sei heute robuster als im Jahr 2022 und besser in der Lage, externe Schocks zu verkraften. Zudem stellte sie klar, dass die EZB verhindern wolle, dass sich ein ähnlich starker Inflationsschub wie nach Beginn des Ukrainekriegs wiederhole. Die Notenbank sieht sich daher in der Lage, die aktuelle Entwicklung kontrolliert zu begleiten.
Inflationserwartungen werden zum entscheidenden Faktor
Ökonomen verweisen in diesem Zusammenhang auf eine Rede Lagardes beim Notenbankforum in Sintra im Jahr 2024. Darin erklärte sie, dass Zentralbanken Angebotsschocks unter bestimmten Bedingungen tolerieren können, da diese häufig keine dauerhaften Spuren in der Inflation hinterlassen.
Diese Einschätzung gilt jedoch nur, wenn die Schocks moderat und vorübergehend bleiben. Sollten sie an Intensität oder Dauer gewinnen, könnten sich die Inflationserwartungen lösen und verstärken.
Deutschland besonders anfällig für Energiepreise und Zinskurs
Für Deutschland als größte Volkswirtschaft der Eurozone haben die geldpolitischen Entscheidungen der EZB unmittelbare Auswirkungen. Steigende Energiepreise belasten die Industrie, während die Inflation die Kaufkraft der privaten Haushalte weiter einschränkt.
Sollte die EZB aufgrund anhaltender Inflationsrisiken zu Zinserhöhungen gezwungen sein, könnte dies die ohnehin schwache Konjunktur zusätzlich bremsen. Gleichzeitig würde ein zu spätes Eingreifen das Risiko dauerhaft erhöhter Inflation erhöhen und damit ebenfalls negative Folgen für Unternehmen und Verbraucher nach sich ziehen.
