Donald Trump will sich Manager von Konzernen vorknöpfen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
USA  
 
Lesezeit: 2 min
24.12.2016 02:16
Donald Trump ernennt den Wallstreet-Investoren Carl Icahn zu seinem persönlichen Berater. Die Nominierung dürfte bei Konzernen zu großem Unbehagen führen.
Donald Trump will sich Manager von Konzernen vorknöpfen

Mehr zum Thema:  
USA >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
USA  

Der künftige US-Präsident Donald Trump will laut einem Zeitungsbericht den milliardenschweren Finanzinvestor Carl Icahn zum Berater machen. Der Wall-Street-Veteran solle Trump helfen, bestehende Regulierungen im Bereich der Finanzmärkte und der Wirtschaft abzubauen, schrieb das Wall Street Journal am Mittwoch. Icahn sei bereits an der Suche des neuen Chefs der Börsenaufsicht beteiligt und habe sich bei der Auswahl für die Leitung der Umweltbehörde EPA eingebracht. „Seine Hilfe bei den strangulierenden Regulierungen, denen sich unser Land gegenübersieht, wird unschätzbar sein“, sagte Trump später bei der offiziellen Ankündigung der Personalie Bloomberg zufolge.

Icahn soll Trump demnach persönlich beraten und keinen offiziellen Regierungsjob bekommen, so dass er seine bisherigen privaten Geschäfte weiterführen kann. Mit der Personalentscheidung würde Trump ein weiteres Mitglied der US-amerikanischen Finanzelite um sich scharen, gegen die er im Wahlkampf gewettert hatte. Die wichtigen Posten des Finanz- und Wirtschaftsministers wurden bereits mit den Milliardären und Ex-Investmentbankern Steven Mnuchin und Wilbur Ross besetzt.

Icahn hat sich als Hedgefondsmanager über Jahrzehnte einen Namen in der Finanzbranche gemacht. Der 80-Jährige ist als aggressiver Investor bekannt, der seine Beteiligungen bei Unternehmen im Wert steigern will, indem er dem Management Beine macht. Er will verhindern, dass die Manager nur auf ihre Boni blicken und geschäftspolitische Entscheidungen an ihrem persönlichen Vorteil ausrichten.

Der „Managerschreck“ machte bereits bei Großunternehmen wie Apple oder Ebay Druck, unter anderem, damit diese ihre Firmenkassen weiter für Aktionäre öffnen. Als ein sogenannter „aktivistischer Investor“ hat er wiederholt Top-Manager unter Druck gesetzt, um seine Vorstellungen von der richtigen Unternehmenspolitik voranzutreiben. Auch mit den Unternehmen Blackrock, AIG, Nabisco, Gulf & Western und Uniroyal lag oder liegt Icahn im Streit.

Icahns Name ist eng mit der mittlerweile bankrotten Fluggesellschaft TWA verbunden. 1985 kaufte er die Gesellschaft, welche er 1988 zu seinen Gunsten von der Börse nahm, was eine massive Zunahme der Schulden bewirkte. 1992 musste TWA erstmals Insolvenz anmelden, Anfang 1993 stieg Icahn aus der Firma aus. Vor dem Hintergrund des Streits zwischen Icahn und Ebay veröffentlichte das St. Louis Magazin einen Artikel in dem Icahn vorgeworfen wurde, persönlich für den Niedergang der TWA verantwortlich zu sein.

Apple wurde von Icahn unter Druck gesetzt, Anteilseigner über Aktienrückkäufe und Dividenden in höherem Umfang an den Gewinnen des Konzerns zu beteiligen. Apple erhöhte die über mehrere Jahre verteilten Ausschüttungen im April des laufenden Jahres daraufhin um 50 Milliarden Dollar auf insgesamt 250 Milliarden Dollar. Icahn stieg noch im selben Monat aus der Firma aus.

Icahn verfügt über ein persönliches Vermögen von etwa 20 Milliarden Dollar, welches er in Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Energie, Metallen, Automobilzulieferung, Kasinos, Telekommunikation und Immobilien investiert, berichtet Bloomberg. Im Mai stufte die Ratingagentur S&P Icahns Beteiligungsgesellschaft Icahn Enterprises auf Ramschniveau herab.

Ein Sprecher der Demokraten kritisierte die Ernennung Icahns, weil sie zu Interessenskonflikten führen könne. Icahn sei „für Reformen bei der Regulierung verantwortlich während er gleichzeitig Aktien von Unternehmen besitzt oder kontrolliert, die von den Änderungen profitieren könnten.“

Icahn zufolge müssten Regulierungen, „die Amok laufen“, reduziert werden. Einige Einschränkungen, wie beispielsweise das Dodd-Frank-Gesetz, seien jedoch notwendig. Er tritt für Steuersenkungen und mehr Ausgaben für die Infrastruktur ein. Beide Aspekte gehören zu den zentralen Zielen Trumps.

Trump und Icahn sind alte Geschäftsfreunde. So übernahm Icahn etwa das aus Trumps insolventem Glückspiel-Imperium stammende Kasino Trump Taj Mahal, das im Oktober nach andauernden Konflikten mit der Gewerkschaft den Geschäftsbetrieb aufgab. Icahn war während des Wahlkampfs auch als Finanzminister einer Trump-Regierung gehandelt worden, hatte aber rasch abgewunken.


Mehr zum Thema:  
USA >

DWN
Deutschland
Deutschland Unser Angebot für Sie: DWN testen und alle Artikel frei lesen für nur 1€!

Überzeugen Sie sich und bekommen Sie unbegrenzten Zugriff für nur 1€!

DWN
Finanzen
Finanzen Projekt „Starlink“: Tausende Satelliten sollen bald jeden Ort des Planeten bestrahlen, SpaceX schließt Vertrag mit US-Militär ab

Das US-Unternehmen SpaceX will mehr als 12.000 Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen, um jeden Flecken der Erde zu bestrahlen. Wird das...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Botschafter Grenell: Washington wird Nord Stream 2 mit neuen Sanktionen den Rest geben

Der aus Berlin scheidende US-Botschafter kündigt neue Sanktionen an, um das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 endgültig zu erledigen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Gestörte Lieferketten machen Medizintechnikern zu schaffen

Die Medizintechnik-Branche galt bisher als ein Wirtschaftszweig, der weniger unter der Pandemie leidet. Doch stimmt das doch nicht, wie...

DWN
Panorama
Panorama "Friedliche Koexistenz": Wie Mensch und Virus voneinander profitieren

Zurück zur Natur: Das ist die Antwort von Wolf-Dieter Storl auf die Corona-Krise. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten haben den...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Ticker: Bundesländer widersetzen sich Macht-Überlegungen aus Berlin

Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie im Liveticker.

DWN
Deutschland
Deutschland EU-Kommission arbeitet schon seit 2018 an einem EU-weiten Impfpass

Der jüngste Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn für einen Immunitätsausweis muss vor dem Hintergrund der strategischen Pläne...

DWN
Deutschland
Deutschland Wagenknecht bezweifelt Unabhängigkeit von Corona-Experten

Die ehemalige Fraktionschefin der Linken, Sahra Wagenknecht, bezweifelt, dass Wissenschaftler und Experten, die sich zum Corona-Virus...

DWN
Politik
Politik Teurer Spaziergang: Familie muss 1000 Euro Corona-Strafe zahlen

Eine Familie aus Stuttgart musste eine Corona-Strafe von 1.000 Euro zahlen, weil sie die Abstands-Regeln nicht eingehalten haben soll.

DWN
Politik
Politik Was ist in den USA los? Dreimal mehr Corona-Tote bei Afro-Amerikanern als bei Weißen

In den USA sterben Afro-Amerikaner mehr als dreimal so häufig wie Weiße. Wobei in den USA Menschen aus Europa, Nordafrika und dem Nahen...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Insider: Volkswagen investiert Milliarden in Chinas Autobranche

Volkswagen steht Insidern zufolge kurz vor mehreren großen Investitionen in China.

DWN
Panorama
Panorama Saudi Aramco: Dankt der König des Ölzeitalters ab?

Der Gigant des Ölzeitalters, Saudi Aramco, bricht in eine ungewisse, möglicherweise fossilarme, Zukunft auf. Mit dem Konzern könnte sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Federal Reserve kauft Firmenanleihen – und die ersten Papiere kommen bereits unter die Räder

Ermutigt von den immer weitreichenderen Interventionen der US-Zentralbank haben in den vergangenen Wochen zahlreiche angeschlagene...

DWN
Politik
Politik Bürger gegen Bürger: Italien heuert zehntausende Spitzel an, um Abstandsregeln zu überwachen

Während die italienische Regierung zehntausende „Freiwillige“ anheuert, welche das Verhalten ihrer Mitbürger überwachen sollen,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Saudis dürfen amerikanischen Öl-Markt fluten - aber Trump erwartet Gegenleistung

Die US-Regierung hat den Saudis erlaubt, große Mengen an Öl auf den US-Markt zu bringen.

celtra_fin_Interscroller