Politik

Donald Trump nennt Putin und Merkel in einem Atemzug

Lesezeit: 4 min
16.01.2017 02:23
In einem Interview mit der Londoner Times sagt der designierte US-Präsident, er gäbe Angela Merkel und Wladimir Putin einen Vertrauensvorschuss. Es könne jedoch sein, dass dies nicht lange halte.
Donald Trump nennt Putin und Merkel in einem Atemzug

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat der Times aus London und der Bild-Zeitung ein gemeinsames Interview gegeben. In dem Interview kritisierte Trump Merkel wegen der Flüchtlingspolitik und Putin wegen der russischen Intervention in Syrien. Die Times schreibt: „Obwohl Trump Bewunderung für Angela Merkel ausdrückt, glaubt er, sie habe ,einen katastrophalen Fehler‘ gemacht, weil sie eine unbegrenzte Zahl von syrischen Flüchtlingen willkommen geheißen habe.“ Trump: „Ich glaube, sie hat einen katastrophalen Fehler gemacht und das war, dass sie alle diese Illegalen aufgenommen hat. Sie wissen, all diese Leute von wo auch immer sie kamen. Und niemand weiß, woher sie kommen.“ Statt Flüchtlinge ins Land zu lassen, hätte sich Deutschland stärker für Sicherheitszonen etwa in Syrien stark machen sollen, sagte Trump. "Die Golfstaaten hätten dafür zahlen sollen, die haben doch schließlich Geld wie kaum ein anderer."

Auf die Frage, ob Russlands Eingreifen in den Syrienkrieg gut oder schlecht gewesen sei, sagte Trump laut Bild-Zeitung: „Nein, das war eine sehr üble Sache, schlimm.“ Die USA hätten aber die Gelegenheit versäumt, sehr früh etwas zu tun. „Es ist zu spät, jetzt ist alles vorbei“, sagte Trump. „Irgendwann wird es ein Ende haben, aber Aleppo war scheußlich.“

Zum Verhältnis zu Russland schreibt die Times: „Trumps Beziehungs-Ansatz zur Politik bedeutet, dass er vermeiden will, feste Positionen gegenüber anderen Führern zu früh zu beziehen. Er beabsichtigt, ihnen zunächst einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Und er hofft, dass ein solcher Ansatz zur Deeskalation von internationalen Spannungen führen kann. Insbesondere trug er die Idee vor, die Sanktionen gegen Russland zu überprüfen, wenn Präsident Putin bereit sei, sich von der Konfrontation zu entfernen: ,Sie haben Sanktionen gegen Russland - mal sehen, ob wir gute Geschäfte mit Russland machen können. Zum Beispiel glaube ich, Kernwaffen sollten verringert und sehr stark reduziert werden, das ist ein Teil davon. Russland leidet jetzt sehr wegen der Sanktionen, aber ich denke, dass wir etwas tun können, wovon viele Leute davon profitieren werden.“

Schließlich nannte Trump laut Times Merkel und Putin in einem Atemzug. Die Zeitung schreibt: „Trotz aller Bewunderung für Herrn Trump für Herrn Putin und Frau Merkel zeigte er, dass er bereit sei, die Beziehungen zu beiden zu kappen: ,Nun, am Anfang will ich beiden vertrauen - aber mal sehen, wie lange das hält. Es kann auch sein, dass das Vertrauen nicht lange hält.“

Trump sagte der Bild-Zeitung: „Sie wissen, dass ich Deutschland liebe, weil mein Vater aus Deutschland stammt, und ich will mich nicht in einer ähnlichen Situation wiederfinden.“

Der Republikaner kündigte eine Verschärfung der Grenzkontrollen bei US-Einreisen an, die auch EU-Bürger treffen könnten. "Es wird extreme Sicherheitsüberprüfungen geben, es wird nicht so sein wie jetzt." Ob dies auch auf Einreisende aus EU-Staaten Auswirkungen haben werde, werde man sehen. Er werde es "nicht so machen wie Deutschland". "Wir wollen nicht, dass Leute aus Syrien zu uns kommen, von denen wir nicht wissen, wer sie sind. Es gibt keine Möglichkeit für uns, diese Leute zu überprüfen." Die USA würden von seinem ersten Amtstag an auf sichere Grenzen setzen.

Trump wird am 20. Januar US-Präsident. Am Montag darauf werde er einen entsprechenden Erlass unterzeichnen, sagte er. „Die Leute wollen nicht, dass andere Leute in ihr Land kommen und es zerstören.“ „Es wird extreme Sicherheitsüberprüfungen geben, es wird nicht so sein wie jetzt“, sagte Trump. Es gehe um Muslime „aus verschiedenen Teilen der Welt, die viele Probleme mit Terrorismus haben“. Auf die Frage, ob die verschärften Regeln auch Auswirkungen auf Einreisende aus EU-Staaten haben werden, erklärte Trump: „Das könnte passieren, aber wir werden sehen.“

Der Europäischen Union sagte Trump nach dem Brexit, dem Austritt Großbritanniens, schwere Zeiten voraus. Auch hier machte Trump laut Times klar, dass es ihm nicht um persönliche Animositäten gehe. Er nannte EU-Präsident Jean-Claude Juncker einen „sehr feinen Gentleman“. Aber die Zukunft sieht Trump eher pessimistisch: „Wenn Sie mich fragen, es werden weitere Länder austreten.“ Er vertritt die Auffassung, dass das Problem der EU sei, dass sie kein Wachstum und keine Jobs schaffe. Trump erzählt der Times das Beispiel, das er bei einem möglichen Immobilienprojekt in Irland erlebt habe. Er habe in Irland investieren wollen, doch die bürokratischen Hürden seien so hoch gewesen, dass er am Ende Abstand von dem Projekt genommen habe: „Ich glaube nicht, dass das gut für ein Land wie Irland ist.“

Trump sagte, er erwarte, dass nach Großbritannien weitere Länder aus der EU-Gemeinschaft austreten würden. "Menschen, Länder wollen ihre eigene Identität. (...) Die Leute wollen nicht, dass andere Leute in ihr Land kommen und es zerstören." Für die USA werde es aus seiner Sicht keine große Rolle spielen, ob die EU geschlossen oder zerrissen sei. Zum Teil sei die Union gegründet worden, um die USA im Handel zu schlagen. "Also ist es mir ziemlich egal, ob sie getrennt oder vereint ist, für mich spielt es keine Rolle." Trump sagte, er glaube an den Freihandel, aber es müsse ein kluger Handel sein, um ihn fair zu nennen. Trump: "Wenn sie auf die EU schauen – sie ist im Grunde Deutschland. Im Grunde genommen ist die Europäische Union ein Vehikel für Deutschland." Deshalb sei es auch klug von Großbritannien, aus der EU auszutreten. Der Brexit werde ein Erfolg werden. Trump sagte zu, dass er sich dafür einsetzen werde, sehr schnell zu einem Freihandelsabkommen mit Großbritannien zu kommen.

Auch gegenüber der Nato äußerte Trump Vorbehalte: Die Nato sei aus mehreren Gründen „obsolet“ Sie sei vor langer Zeit entworfen worden, und viel zu wenige Mitgliedsländer zahlten das, was sie müssten. „Wir sollten diese Länder schützen, aber viele dieser Länder zahlen nicht, was sie zahlen müssten. Das ist sehr unfair gegenüber den USA. Nur fünf Staaten zahlen, was sei müssten. Das ist sehr wenig.“ Vor allem aber habe die Nato im Kampf gegen den Terror versagt.

Mit Blick auf die deutschen Autobauer sagte Trump, sie könnten Fahrzeuge für die USA bauen, "aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen". Er meine damit, "dass sie ihre Fabrik in den USA bauen müssen - es wird für sie viel besser sein und für unsere Bemühungen." Trump hatte zuletzt auch dem japanischen Autobauer Toyota und dem US-Konzern General Motors mit hohen Strafzöllen gedroht, sollten sie Autos für den US-Markt in Mexiko bauen. Zudem strich der US-Konzern Ford nach der Kritik von Trump eine geplante Milliardeninvestition in Mexiko und steckt stattdessen 700 Millionen Dollar in ein US-Werk.

Den deutschen Autobauern warf Trump unfaires Verhalten vor. So stehe in manchen US-Straßen vor jedem Haus ein Mercedes Benz. Das beruhe aber nicht auf Gegenseitigkeit. "Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße." Er sei zwar für Freihandel, aber nicht um jeden Preis, "Ich liebe den Freihandel, aber es muss ein kluger Handel sein, damit ich ihn fair nenne."

Die Times beschreibt auch den Hintergrund, warum die beiden Medien für das Interview ausgewählt wurden. Als Times-Interviewer fungierte der frühere britische Justizminister Michael Gove, für die Bild war Kai Diekmann nach New York gereist. Michael Gove: "Ich wurde eingeladen, zusammen mit meinem Kollegen Kai Diekmann von der deutschen Zeitung Bild, weil Trump über Großbritannien, Brexit, Europa und die Welt plaudern wollte. Das Trump-Team wusste, dass Kai den deutschen Bundeskanzlern sehr nahesteht, von Kohl bis Merkel, und war sich meiner Rolle als Kämpfer für Brexit bewusst."

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Unter Selbstkostenpreis: Ölpreis wird bis Jahresende nicht mehr steigen

Zahlreiche Faktoren drücken zurzeit auf die Rohöl-Preise. Bis zum Jahreswechsel wird sich daran Prognosen zufolge nichts ändern. 2021...

DWN
Technologie
Technologie Enormes Wachstum: Plugin-Hybride boomen in Europa

In Europa wurden in den ersten drei Quartalen 316 Prozent mehr Plugin-Hybride zugelassen. In Deutschland ist das Wachstum sogar noch...

DWN
Deutschland
Deutschland Zerstrittene CDU verschiebt Parteitag: Eskaliert der Streit Merz-Laschet?

Vor dem Superwahljahr 2021 bleiben bei der CDU zentrale Fragen offen. Wer wird Parteichef? Wer wird Kanzlerkandidat? Der interne Kampf...

DWN
Finanzen
Finanzen Unkritischer Umgang der Analysten mit SAP lässt die Börse einbrechen

Das größte deutsche Börsen-Schwergewicht hat am heutigen Montag die Analysten mit einer Gewinnwarnung überrascht. Eigentlich hätten...

DWN
Finanzen
Finanzen Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Depot

Einsteiger verzweifeln oft, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche...

DWN
Politik
Politik Lira pulverisiert: Erdogans Boykott-Aufruf gegen Frankreich geht nach hinten los

Erdogan hat europäischen Politikern am Montag in Ankara Islamfeindlichkeit vorgeworfen. «Ihr seid im wahrsten Sinne des Wortes...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Neuer 5-Jahres-Plan: Wird sich China von Deutschland abkoppeln?

Die Kommunistische Partei entwirft derzeit den neuen Fünf-Jahres-Plan. Demnach soll sich die chinesische Wirtschaft künftig stärker auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Der IWF plant die Einführung eines neuen Geldsystems

Der Internationale Währungsfonds bereitet die Einführung eines neuen Geldsystems vor - und niemand merkt es.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu viel Nitrat: Deutsche Forscher verbessern mit künstlicher Intelligenz Grundwasser

In Deutschland ist das Grundwasser mitunter sehr stark von Nitrat belastet. Jetzt fördert das Bundesumweltministerium ein besonderes...

DWN
Deutschland
Deutschland Ifo-Index sinkt: Stimmung deutscher Firmen trübt sich ein

"Der Optimismus der Vormonate zur weiteren Geschäftsentwicklung ist wieder verschwunden", so Ifo-Präsident Clemens Fuest.

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen CO2-Abgabe: Die Gaspreise werden im kommenden Jahr deutlich steigen

Verbraucher in Deutschland müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gaspreise einstellen. Grund sind der Start des CO2-Preises sowie...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der grüne Eifer wird zum Bumerang: Wie die Begeisterung fürs Holz den Wald gefährdet

In seiner äußerst detaillierten und tiefschürfenden Analyse zeigt DWN-Kolumnist Ronald Barazon, warum deutscher und europäischer Wald...

DWN
Politik
Politik Russland will eine geopolitische Katastrophe entlang seiner Grenzen verhindern

Die westlichen und südlichen Grenzen Russlands weisen wegen des Konflikts um Berg-Karabach und der Unruhen in Weißrussland Anzeichen...

DWN
Finanzen
Finanzen Aufstieg und Fall: Corona schafft an der Börse eine Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die aktuelle Krise schafft Gewinner und Verlierer, auch an der Börse. Welche Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen und wie man...