Iran zum Terror: „Das ist das Feuer, das der Westen selbst entzündet hat“

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
04.06.2017 23:14
Der iranische Präsident Chamenei hat dem Westen eine verfehlte Strategie gegen islamistische Terroristen vorgeworfen.
Iran zum Terror: „Das ist das Feuer, das der Westen selbst entzündet hat“

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Kurz nach dem Anschlag in London hat der geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, dem Westen eine verfehlte Strategie gegen Dschihadisten wie die Gruppe Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. Mittlerweile werde der IS "aus seinem Entstehungsort im Irak und in Syrien vertrieben und in andere Länder getrieben - Afghanistan, Pakistan und sogar die Philippinen und europäische Länder", sagte Chamenei am Sonntag in einer Fernsehansprache laut AFP.

"Das ist ein Feuer, dass sie (die westlichen Mächte) selbst entzündet haben und das nun gegen sie zurückgeschlagen ist", fügte Chamenei hinzu. Er sprach aus Anlass einer Gedenkzeremonie zum Tod des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeini vor 28 Jahren. Der Iran kämpft in Syrien mit Elitesoldaten und Söldnern sowie der Hisbollah gegen die vom Westen unterstützten Söldner und gegen den von den Golf-Staaten finanzierten und unterstützten IS.

Am Samstagabend hatten nach Angaben der Polizei drei Attentäter auf der London Bridge mit einem Lieferwagen Fußgänger angefahren. Anschließend stachen sie in einem nahe gelegenen Ausgehviertel der britischen Hauptstadt wahllos auf Menschen ein. Sieben Menschen starben, dutzende weitere wurden verletzt, darunter zwei Deutsche.

Die Polizei erschoss die drei Angreifer. Nach Angaben der britischen Premierministerin Theresa May war der Anschlag islamistisch motiviert. Belege für diese Behauptung legte May nicht vor, die Identität der Täter war zum Zeitpunkt ihrer Ansprache noch nicht bekannt.

Chamenei wies in seiner Ansprache auch Kritik des moderaten iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zurück, der vor seiner Wiederwahl im Mai seine Widersacher als "Extremisten" bezeichnet hatte. "Verwerft nicht revolutionäres Verhalten als Extremismus", sagte der geistliche Führer der Islamischen Republik. "Revolutionär zu sein, ist heute das Gebot für das Land."

Der Iran müsse sich davor schützen, "wieder unter die Vorherrschaft der Macht von Amerika und dessen Arroganz zu geraten", warnte Chamenei.

Großbritannien kooperiert eng mit Saudi-Arabien - und profitiert, wie die USA, von einem regen Waffenhandel.

In diesem Zusammenhang ist ein Bericht des Guardian aus dem Jahr 2008 interessant. Die Zeitung berichtete von einer Gerichtsverhandlung, bei der der saudische Prinz Bandar von der britischen Antikorruptionsbehörde SFO der Korruption beschuldigt worden war. Bandar soll eine Milliarde Pfund vom britischen Rüstungsunternehmen BAE kassiert haben. Daraufhin Bandar gedroht, es Terroristen und Selbstmordattentäter zu erleichtern, London anzugreifen, es sei denn, die Korruptionsuntersuchungen in ihre Waffengeschäfte wurden gestoppt, so die Gerichtsdokumente laut Guardian.

Aus den Akten ging hervor, wie den Ermittlern gedroht wurde, dass sie ein "weiteres 7/7" und den Verlust von "britischen Bürgern auf britischen Straßen" zu gewärtigen hätten, wenn die Untersuchungen nicht eingestellt würden. Außerdem drohte der Prinz den Briten, dass die Zusammenarbeit der Geheimdienste beendet werden würde, wenn die Regierung in London den saudischen Forderungen nicht nachkomme.

Die Regierung stellte die Ermittlungen tatsächlich ein - unter massivem Protest von Anti-Korruptions-Organisationen. Richter Lord Moses sagte, die Regierung sei eingeknickt, weil man ihr "die Pistole an die Stirn gehalten" habe.


Mehr zum Thema:  

DWN
Termine
Wichtige Termine Lesen Sie hier, warum Sie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten lesen sollten und wie Sie dabei 17% sparen!

Unser Chefredakteur Hauke Rudolph zeigt auf, warum man Abonnent der DWN sein sollte. Gleichzeitig können Sie von einem interessanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Insolvenzwelle, Teil 4: Die größte und älteste Dampfschiff-Flotte der Welt ist bankrott

Die Liste der durch das Herunterfahren der Wirtschaft verursachten Insolvenzen und Pleiten wird länger. Hunderttausende haben infolge der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Anleger machen Kasse, Ebay-Aktie im Aufwind

US-Anleger haben von den jüngsten Kursgewinnen profitiert. Mit einem Kursplus von knapp zwölf Prozent gehört Ebay zu den Favoriten am...

DWN
Technologie
Technologie Deutsche Forscher entwickeln Künstliche Intelligenz zur Wartung von Maschinen

Saarbrücker Forscher haben ein innovatives Wartungs-System entwickelt, das auf Künstlicher Intelligenz beruht.

DWN
Politik
Politik Corona-Lüge? Abstandsregeln spielen bei Anti-Rassismus-Demos plötzlich keine Rolle mehr

Diejenigen, die zuvor die deutschen Proteste gegen die Corona-Regeln mit Verweis auf die Abstandsregeln kritisiert hatten, unterstützen...

DWN
Finanzen
Finanzen Politik erbost: Britische Großbanken unterstützen Chinas Sicherheitsgesetz für Hongkong

Die britischen Großbanken HSBC und Standard Chartered geraten ins Visier britischer Politiker, weil sie das neue chinesische...

DWN
Politik
Politik Bundesweite Razzien wegen Internet-Hetze im Fall Lübcke

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war vor und nach seinem Tod Opfer von Hasskommentaren. Monatelang sammelten Ermittler...

DWN
Deutschland
Deutschland Am Samstag: Wieder Demonstrationen gegen Corona-Regeln

Am kommenden Samstag sollen landesweite Demos gegen die Corona-Beschränkungen stattfinden. Kundgebungen sind unter anderem in Berlin,...

DWN
Politik
Politik Boris Johnson stellt hunderttausenden Hongkongern Einbürgerung in Großbritannien in Aussicht

Im seit Monaten anhaltenden Konflikt zwischen China, Großbritannien und den USA um Hongkong droht der britische Premier mit...

DWN
Politik
Politik Gesundheitsminister Spahn schmiedet internationale Corona-Impfstoffallianz

Einem Bericht zufolge schmiedet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit drei weiteren EU-Staaten eine Corona-Impfstoffallianz. Sie richtet...

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonomen loben Umfang der Hilfen für die Wirtschaft

Deutsche Ökonomen haben den Umfang der Hilfen für die Wirtschaft in der Coronakrise gelobt. Der Umfang der haushaltswirksamen Maßnahmen...

DWN
Politik
Politik Kinderbonus und Mehrwertsteuer-Senkung: Das sind die Details zum Riesen-Konjunkturpaket der Regierung

Es waren Marathon-Verhandlungen über zwei Tage. Nach einem zähen Ringen haben sich die Spitzen von CDU, CSU und SPD auf ein umfassendes...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Querelen ohne Ende: Polen greift Russland erneut wegen Nordstream 2 an

Der Bau der Gasleitung Nordstream 2, den Deutschland gemeinsam mit Russland plant, kommt nie zur Ruhe. Jetzt attackiert wieder Polen das...

DWN
Politik
Politik Soldaten gegen Demonstranten? US-Verteidigungsmininster Mark Esper stellt sich gegen Trump

Der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper lehnt den Einsatz von Soldaten gegen gewalttätige Demonstranten ab.

DWN
Politik
Politik FBI entlastet Antifa und nimmt Rechtsextremisten ins Visier

Aus einem Lagebericht des FBI geht hervor, dass die Antifa an den Ausschreitungen am 31. Mai in Washington keine Schuld trifft. Stattdessen...

celtra_fin_Interscroller