Nordkorea meldet ersten Test einer Interkontinental-Rakete

Die nordkoreanische Führung hat eigenen Angaben zufolge erstmals erfolgreich eine Interkontinental-Rakete abgefeuert.

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Das Bild, welches von der nordkoreanischen Regierungsagentur am 04.07.2017 zur Verfügung gestellt wurde, soll die Vorbereitung eines mutmaßlichen Starts einer Interkontinental-Rakete mit hoher Reichweite vom Typ Hwasong-14 zeigen. (Foto: dpa)

Das Bild, welches von der nordkoreanischen Regierungsagentur am 04.07.2017 zur Verfügung gestellt wurde, soll die Vorbereitung eines mutmaßlichen Starts einer Interkontinentalrakete mit hoher Reichweite vom Typ Hwasong-14 zeigen. (Foto: dpa)

Das nordkoreanische Staatsfernsehen verkündete am Dienstag den ersten erfolgreichen Test einer Interkontinental-Rakete – das US-Militär und das russische Verteidigungsministerium sprachen hingegen von einer Mittelstreckenrakete, berichtet AFP. US-Präsident Donald Trump forderte Nordkoreas Verbündeten China auf, den „Unsinn ein für alle Mal zu beenden“. Peking rief seinerseits alle Seiten zur „Zurückhaltung“ auf.

Nordkorea versicherte in seiner Sondersendung, es habe in einem „historischen Durchbruch“ erfolgreich eine ballistische Interkontinental-Rakete des Typs Hwasong-14 getestet. Diese sei in der Lage, „jeden Ort weltweit zu erreichen“. Die Rakete erreichte demnach eine Flughöhe von 2802 Kilometern und flog 933 Kilometer weit. Pjöngjang sprach von einem letzten Schritt zur Atommacht. Der Test wurde demnach von Machthaber Kim Jong Un persönlich überwacht.

Unklar war zunächst, ob Nordkoreas Angaben stimmten. Die Führung in Pjöngjang arbeitet seit Jahren an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe über weite Strecken getragen werden könnten – ein Ziel, das US-Präsident Trump nach eigenen Angaben nicht zulassen will.

Experten zweifeln derzeit noch an der Fähigkeit des weltweit isolierten Lands, atomare Sprengköpfe für derartige Raketen entwickeln zu können. Auch stellen sie seine Fähigkeit in Frage, die Technologie für den schwierigen Eintritt einer solchen Rakete in die Erdatmosphäre in den Griff zu bekommen.

In einer ersten Reaktion ging Trump Machthaber Kim scharf an: „Kann dieser Typ mit seinem Leben nichts Besseres anfangen“, schrieb der US-Präsident im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Er forderte von China entschiedene Schritte gegen „diesen Unsinn“ und erklärte, er glaube kaum, dass Japan und Südkorea die Tests „noch länger hinnehmen“ werden.

Das US-Pazifikkommando bestätigte den Test. Es sprach von einer Mittelstreckenrakete, die nach einer Flugdauer von 37 Minuten vor Japan im Meer gelandet sei und für Nordamerika keine Bedrohung darstelle. Auch das russische Verteidigungsministerium erklärte, es habe sich um eine Mittelstreckenrakete gehandelt.

Tokio erklärte, die Rakete habe eine Flughöhe von „deutlich über“ 2500 Kilometern erreicht, bevor es in seinen Gewässern gelandet sei. Der Waffenspezialist Jeffrey Lewis verkündete daraufhin auf Twitter: „Das war’s. Das ist eine ballistische Interkontinental-Rakete. Eine Rakete, die Anchorage (in Alaska), nicht San Francisco erreicht – aber immerhin“. Nach Einschätzung des Experten David Wright könnte die Rakete „auf einer gewöhnlichen Flugbahn 6.700 Kilometer“ zurücklegen.

Japans Regierungschef Shinzo Abe warnte, der Test sei ein „eindeutiges“ Zeichen für die gewachsene Bedrohung durch Nordkorea. Südkoreas Präsident Moon Jae In rief Pjöngjang eindringlich auf, keine „roten Linien“ zu überschreiten.

Abe kündigte Beratungen mit den USA und Südkorea am Rande des G20-Gipfels in Hamburg an. Er rief zudem Chinas Präsident Xi Jinping und den russischen Staatschef Wladimir Putin zu größeren Anstrengungen gegen Nordkoreas Raketenprogramm auf.

Xi hielt sich am Dienstag wegen eines Treffens mit Putin in Moskau auf. Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua kündigten beide Seiten bereits am Montagabend an, sich gemeinsam für eine Lösung des Konflikts auf dem Verhandlungsweg einsetzen zu wollen. China und Russland kündigten an, bei der Beilegung der Krise zusammenzuarbeiten. Beide Seiten seien sich einig, dass das nordkoreanische Raketen- und Atomprogramm gestoppt werden müsse. Gleichzeitig müssten aber auch amerikanisch-südkoreanische Großmanöver aufhören, hieß es einer Erklärung nach einem Treffen von Präsident Wladimir Putin mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping in Moskau. Beide Länder forderten die USA außerdem auf, die Stationierung des THAAD-Raketensystems in Südkorea sofort zu stoppen, das eine Bedrohung des strategischen Gleichgewichts in der Region darstelle.

Das chinesische Außenministerium wies Trumps Vorwürfe zurück, China mache nicht genügend Druck auf Pjöngjang. Es setze sich „unnachgiebig“ für eine Lösung der Spannungen in der Region ein, erklärte ein Sprecher.

Trump hatte zur Lösung des Nordkorea-Konflikts vor allem auf China als einen der letzten Verbündeten Pjöngjangs gesetzt. In der vergangenen Woche erklärte der US-Präsident Pekings Bemühungen jedoch für gescheitert. Zudem verhängten die USA erstmals Sanktionen gegen eine chinesische Bank, die sie verdächtigen, trotz der Sanktionen Geschäfte mit Nordkorea zu machen.

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