Saudi Aramco: London hat die besten Karten für Börsengang

Die britischen Aufsichtsbehörden bereiten eine Regeländerung vor, um den milliardenschweren Börsengang von Saudi Aramco nach London zu holen.

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Der saudische König Salman empfängt die britische Premierministerin Theresa May am 05.04.2017 in Riad (Saudi-Arabien). (Foto: dpa)

Der saudische König Salman empfängt die britische Premierministerin Theresa May am 05.04.2017 in Riad (Saudi-Arabien). (Foto: dpa)

Die britische Finanzmarktaufsichtbehörde Financial Conduct Authority (FCA) möchte neue Regeln schaffen, damit staatliche Mineralölkonzerne wie der saudische Öl-Konzern Saudi Aramco es leichter haben, Börsengänge an der Londoner Börse durchzuführen, berichtet die Financial Times. Saudi Aramco – der weltweit größte Öl-Produzent – hatte für Ende 2018 mögliche Teil-Börsengänge in New York oder London angekündigt. Beide Handelsplätze konkurrieren um den saudischen Konzern, über dessen genaue Marktkapitalisierung unterschiedliche Angaben bestehen.

Die Regierung in London versucht, Saudi Aramco für einen Börsengang an der Londoner Börse zu gewinnen. Das saudische Unternehmen wird auf einen Gesamtwert von bis zu zwei Billionen Dollar geschätzt. Im Zuge der teilweisen Privatisierung sollen etwa fünf Prozent von Saudi Aramco ausländischen Investoren an der Börse in Riad sowie an einer noch nicht mit Sicherheit bestimmten Börse im Ausland angeboten werden.

Der aktuelle Plan der FCA ist Teil einer weitangelegten Strategie, die britischen Aktien- und Anleihemärkte auch nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU für internationale Geschäfte offen zu halten. Premierminister Theresa May und Xavier Rolet, Leiter der London Stock Exchange, waren zuvor nach Riad gereist, um angesichts des Börsengangs Lobbyarbeit zu betreiben.

Im Jahr 2013 hatte die FCA strengere Kontrollen für Unternehmen eingeführt, die sich im staatlichen Besitz befinden. Auslöser dieses Schritts waren Korruptionsvorwürfe gegen den kasachischen Bergbau-Konzern ENRC und den indonesischen Bumi-Konzern. Beide Konzerne sind an der Londoner Börse vertreten. Die Ermittlungen gegen die beiden staatlichen Konzerne laufen noch und werden vom Serious Fraud Office geleitet.

Ein Börsengang an der Londoner Börse erfordert, dass 25 Prozent der Anteile eines Unternehmens den Anlegern zur Verfügung stehen müssen. Saudi Aramco möchte jedoch nur fünf Prozent seiner Anteile bereitstellen. Doch die FCA kann auch diese Regel auf „der Grundlage, dass der Markt auch mit einem niedrigen Prozentsatz arbeiten wird“ abmildern.

„Dies ist eine clevere Lösung für das Dilemma von Aramco, das nicht den allgemeinen Anforderungen in Bezug auf Free-Float und der Corporate Governance entspricht“, zitiert Financial News Edward Bibko von Baker McKenzie. Im Gegensatz zu privaten Unternehmen spiele bei staatlichen Unternehmen auch das Länderrisiko eine Rolle. Deshalb sei es sinnvoll, unterschiedliche Standards anzuwenden, so Bibko.

Das meint auch FCA-Chef Andrew Bailey. Bailey wörtlich: „Staatliche Besitzer unterscheiden sich vom privaten Sektor , Einzelpersonen oder Unternehmen – sowohl in ihrer Motivation als auch in ihrer Natur. Die Anleger haben dies bereits erkannt und die Kapitalmärkte können die Behandlung von anderen Investoren durch souveräne Staaten sehr gut beurteilen.“

Primäres Ziel des geplanten Börsengang ist es, Devisen einzunehmen, um damit die bedrohlichen Lücken im Staatshaushalt auszugleichen. Diese sind Folgen des Verfalls des Ölpreises seit dem Jahr 2014 – der wichtigsten Einnahmequelle.

Saudi-Arabien steht in der britischen Öffentlichkeit derzeit jedoch unter Druck, weil die britische Regierung unlängst angekündigt hatte, ihren Bericht über die Finanzierung des Extremismus in Großbritannien geschwärzt zu veröffentlichen. Die oppositionelle Labour-Partei wirft der Regierung vor, dass sie damit Saudi-Arabien schützen wolle, so Al Jazeera. Die britische Innenministerin Amber Rudd hatte am Mittwoch gesagt, dass, obwohl extremistische Organisationen hunderttausende von Dollars erhalten würden, sie den Bericht nicht vollständig veröffentlichen werde.

„Das liegt daran, dass der Bericht zahlreiche persönliche Informationen beinhaltet und es wegen nationaler Sicherheitsbedenken nicht möglich ist, ihn zu veröffentlichen“, so Rudd in einer Stellungnahme. Der Bericht, der im November 2015 vom ehemaligen Premier David Cameron in Auftrag gegeben wurde, wurde im vergangenen Jahr der aktuellen britischen Regierung unter Theresa May übereicht. Rudd gesteht ein, dass die Auslandsfinanzierung des Extremismus in Großbritannien eine wichtige Rolle spiele. „Ausländische Unterstützung hat es möglich gemacht, dass Einzelpersonen an Institutionen studieren, die eine sehr konservative Form des Islam lehren und den britischen Institutionen sehr sozialkonservative Literatur und Prediger zur Verfügung stellen“, so Rudd. Einige dieser Personen würden auch unter Extremismus-Verdacht stehen.

Kritiker werfen der Regierung eine Vertuschung vor, weil der wirtschaftlich wichtige Partner Saudi-Arabien verantwortlich sein soll für die Extremismus-Förderung in Großbritannien. Caroline Lucas, Abgeordnete der Grünen-Partei, sagt, Rudds Aussagen seien inakzeptabel. „Die Stellungnahme gibt absolut keinen Hinweis dafür, aus welchen Ländern die Auslandsfinanzierung des Extremismus stammt, wodurch die Regierung mit weiteren Vorwürfen konfrontiert wird, wonach saudi-arabisches Geld in Großbritannien eine Rolle beim Terrorismus spielt“, so Lucas. Am 5. Juli 2017 führte die Henry Jackson Society in einem Bericht aus, dass die Saudis zu den führenden Unterstützern des Extremismus in Großbritannien gehören würden.

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