USA und Russland verlangen von Athen Auslieferung von Bitcoin-Geldwäscher

Um die Auslieferung eines in Griechenland festgenommenen mutmaßlichen Bitcoin-Betrügers ist ein Kampf amerikanischer und russischer Geheimdienste entstanden.

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Der mutmaßliche Bitcoin-Betrüger Alexander Vinnik wird am 29.09.2017 Thessaloniki (Griechenland) von Polizisten zum Gericht geführt. (Foto: dpa)

Alexander Vinnik wird am 29.09.2017 Thessaloniki (Griechenland) von Polizisten zum Gericht geführt. (Foto: dpa)

Alexander Vinnik, der mutmaßliche Kopf hinter einem Bitcoin-Geldwäschesystem im Umfang von vier Milliarden Dollar, sitzt noch immer in einem griechischen Gefängnis. Sowohl Russland als auch die USA wollen an das Wissen des Russen gelangen, sagen Analysten im Bereich illegaler Finanzgeschäfte.

Bereits Ende Juli hatte ein gemeinsames Einsatzteam von Interpol und US-Beamten Alexander Vinnik in einem entlegenen griechischen Stranddorf festgenommen. Der 37-Jährige steht im Verdacht, einer der weltgrößten Cyber-Kriminellen im Finanzbereich zu sein. Doch er bestreitet alle Anschuldigungen.

Der diplomatische Kampf hinter den Kulissen zwischen Russland und den USA um seine Auslieferung erinnert an die Zeiten des Kalten Krieges. Russische und amerikanische Beamte interessieren sich für die Geheimnisse, über die der mutmaßliche Cyber-Kriminelle verfügen könnte.

Die amerikanischen Behörden wollen Alexander Vinnik in die USA holen, um dort von ihm zu erfahren, wie er sein mutmaßliches Geldwäschesystem betrieben hat, wer dabei seine Partner waren und wessen Geld er gewaschen hat. Russland hingegen würde ihn gern nach Moskau holen, um das Wissen für sich zu nutzen.

„Die dunkelste Frage ist, wer und was in die Geldwäsche von vier Milliarden Dollar verwickelt war“, zitiert die Washington Times den russischen Analysten Boris Zilberman von der Foundation for the Defense of Democracies. „Haben die Russen Angst davor, dass Vinnik diese Informationen an die USA übergibt?“

Laut der Anklageschrift der US-Staatsanwaltschaft im Norden Kaliforniens wird Alexander Vinnik vorgeworfen, verschiedene Verbrechen unterstützt zu haben, darunter Drogenhandel, Korruption, Betrug, Identitätsdiebstahl und Steuerbetrug sowie vor allem die Geldwäsche in Milliardenhöhe mithilfe der Bitcoin-Börse BTC-e.

Die US-Behörden haben im laufenden Jahr bereits eine ganze Reihe von Operationen gegen russische Cyberkriminelle im Zusammenhang mit Bitcoin gestartet. Neben Alexander Vinnik haben die USA dieses Jahr bereits sechs weitere Russen festgenommen oder angeklagt.

Vinnik war in Griechenland im Urlaub und gerade mit seiner Frau und zwei Kindern am Strand, als mehr als 20 Beamte ihn festnahmen. Vorausgegangen waren monatelange Ermittlungen, an denen eine Vielzahl von US-Behörden beteiligt war, darunter die Immigrations- und Zollbehörde, das FBI und der Secret Service.

Nach Ansicht von Alexandra Vinnik, der Ehefrau von Alexander Vinnik, geht es im Zusammenhang mit dessen Auslieferung auch um Politik. In einem Interview mit RT sagte sie, dass die USA vor allem an den Fähigkeiten ihres Ehemanns interessiert seien. Dieser sei ein sehr fähiger Berater im Bereich der Kryptowährungen.

Alexander Vinnik selbst beteuert seine Unschuld. „Ich habe erst einen Monat nach meiner Festnahme von den Anschuldigungen gegen mich erfahren“, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Er sagt, dass er in der Vergangenheit für BTC-e gearbeitet hat, eine der ersten Bitcoin-Börsen überhaupt.

Die Bitcoin-Börse hatte eine Zusammenarbeit mit Vinnik zunächst bestritten, später aber eingeräumt. Nachdem die US-Behörden die Webseite von BTC-e übernommen hatten, gingen die Betreiber mit einer neuen Börse namens WEX online, welche die Nutzerdaten von BTC-e übernahm. Auch die Webseite sieht genauso aus wie zuvor.

Am Mittwoch letzter Woche entschied ein Athener Gericht für einen Antrag der Amerikaner auf Vinniks Auslieferung in die USA. Dagegen hat dessen Anwalt beim Obersten Gericht Griechenlands Einspruch eingelegt. Nun muss voraussichtlich das griechische Justizministerium über den Fall entscheiden.

Das russische Außenministerium nannte die Entscheidung des Athener Gerichts „ungerecht“ und eine „Verletzung internationalen Rechts“. Russland hat ebenfalls Vinniks Auslieferung wegen Betrugs beantragt und weist auf Präzedenzfälle hin, wonach ein russischer Staatsbürger im Zweifel in seine Heimat ausgeliefert werden müsse.

Sollte Vinnik nun aber tatsächlich in die USA ausgeliefert werden, so hat er nach Ansicht des Analysten Boris Zilberman nur einen Verhandlungstrumpf, nämlich sein Wissen auszuhändigen. „Niemand weiß, was er erzählen könnte. Handelte er allein? Kennt er eine größere Zahl verwickelter Personen?“

Als Alexander Vinnik im September das Athener Gericht betrat, trug er das gleiche T-Shirt wie die beiden Beamten, die ihn begleiteten. Alle drei waren auf die gleiche Weise unrasiert. Dies deutet darauf hin, dass die Behörden möglicherweise einen Anschlag auf den Mann befürchten. „Vier Milliarden Dollar sind eine Menge Geld“, sagt Zilberman.

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