Société Générale: Europas Banken stehen turbulente Zeiten bevor

Die französische Großbank Société Générale rechtfertigt ihren massiven Stellenabbau mit Vorbereitungen auf schwere Zeiten, die allen europäischen Banken drohen.

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Baukräne im Londoner Bankenviertel City of London. (Foto: dpa)

Baukräne im Londoner Bankenviertel City of London. (Foto: dpa)

Die französische Großbank Société Générale hat am Dienstag einen umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung hunderter Filialen angekündigt. Nach Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Frederic Oudea stehen der gesamten Branche in Europa schwere Einschnitte bevor, der Rückzug der Société Générale sei als Vorbereitung auf turbulente Zeiten zu verstehen.

Zusätzlich zu den bereits bekannten 2.550 wegfallenden Arbeitsplätzen ist nun der Abbau von weiteren 900 Stellen vorgesehen, teilte die Bank am Montagabend in Paris mit. Zudem sollen 300 Zweigstellen sollen geschlossen werden – was etwa 15 Prozent aller Filialen der Bank entspricht, wie die Financial Times berichtet. Zudem werden Verkäufe einzelner Geschäftsbereiche erwogen.

„Ich bin davon überzeugt, dass der europäische Bankensektor durch eine Art neuer Industrieller Revolution geht, die sich wahrscheinlich über die nächsten zehn Jahre erstrecken wird“, sagte Oudea zur FT. Die Umwälzungen würden auf drei Triebkräften basieren – der Digitalisierung, verstärkter Regulierung des Bankgeschäftes sowie auf politischen Kursänderungen, die durch externe Faktoren wie den Klimawandel angestoßen würden. Das Kundengeschäft – welches rund ein Drittel der Umsätze der Bank generiert – stünde „vor mehr Umwälzungen durch die Digitalisierung und wahrscheinlich mehr Wettbewerber“, sagte Oudea mit Blick auf junge Unternehmen der Fintech-Branche.

Oudea rechnet damit, dass europäische Banken im Investmentbanking weiter hinter ihre Konkurrenten aus den USA zurückfallen werden. „Die Einschnitte sind Vorbereitungen auf turbulente Jahre, wie Oudea glaubt. Er sagt, dass europäische Banken einen Nachteil haben, weil sie nicht nur global gültige Kapitalvorschriften und Liquiditäts-Regularien beachten müssen, sondern auch neue EU-Regeln zu Zahlungen, Datensicherheit und Investment-Gesellschaften“, schreibt die FT. „Hier in Europa gibt es einzigartige Rahmenbedingungen die dazu führen, dass europäische Institute mehr Herausforderungen als amerikanische oder asiatische Banken haben“, sagte Oudea.

Auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf Breuer, traut der Finanzbranche keine Rückkehr zu alten Boomzeiten zu. „Wenn einer meiner Enkel mich fragt, ob er in die Bank gehen soll, würde ich ihm abraten. Die goldenen Zeiten sind vorbei“, sagte Breuer der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hatte es gut, das waren goldene Zeiten für das Finanzwesen und für die Deutsche Bank insbesondere. Aber ich sehe das nicht wiederkommen.“

„Ich bin jetzt zehn Jahre draußen, da haben sich die Dinge ganz maßgeblich verkompliziert. Und ich bin keineswegs der Auffassung, ich könnte es besser“, wird Breuer zitiert. „Die Branche kämpft immer noch mit den Folgen der Finanzkrise, insbesondere, was das unglaublich dichte Netz an regulatorischen Vorschriften angeht. Das geht ja in das Reich der Bürokratie und ärgert die Kunden und nimmt den Mitarbeitern die Zeit für die Kunden.“

Spekulationen, wonach Société Générale die deutsche Commerzbank übernehmen könnte, wies Oudea zurück. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem es eine Harmonisierung von Kapital- und Liquiditätsvorschriften in Europa gebe, seien Fusionen und Übernahmen in der Branche unwahrscheinlich. „Man kann über eine europäische Bankenbranche mit weniger Banken, einer Konsolidierung der Märkte und vielleicht einigen gesamteuropäischen Instituten nachdenken. Aber ich kann sagen, dass in den kommenden Quartalen die Priorität auf der Transformation des eigenen Geschäfts liegt.“

Belastet wird die Bank auf von Strafzahlungen in den USA. Der Nettogewinn der Bank sank im dritten Quartal um 15 Prozent auf 932 Millionen Euro. Zugleich erhöhte die Bank die Rückstellungen für Rechtsfälle in den USA um 300 Millionen Euro auf 2,2 Milliarden. „Wir können trotz der Rechtskosten ein gutes Dividendenniveau sicherstellen“, beschwichtigte Konzernchef Oudea in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die Bank könne zwei Rechtsstreitigkeiten mit den US-Behörden voraussichtlich in den kommenden Monaten beilegen. Ein Fall hängt mit Geschäften mit dem libyschen Investmentfonds LIA zusammen, beim anderen dreht es sich um Referenzzinsen. Anfang Mai zahlte die Großbank in einem Vergleich mit der LIA fast eine Milliarde Euro. Der Investmentfonds hatte Société Générale betrügerische Geschäfte vorgeworfen.

Selbst wenn die Bank die beiden Fälle bald mit Vergleichen abschließen kann, sind ihre Probleme in den USA nicht vorbei. So verhandelt sie mit den US-Behörden auch wegen Verstößen gegen Wirtschaftssanktionen.

Auch im operativen Geschäft lief es für das Geldhaus im dritten Quartal nicht rund. In französischen Privatkundengeschäft sind die Erträge wegen der niedrigen Zinsen unter Druck. Im Investmentbanking fielen die Erträge um 15 Prozent, da sich Anleger wegen der vergleichsweise stabilen Märkte mit Investitionen zurückhielten. Im Anleihehandel brachen die Erträge sogar um mehr als ein Viertel ein. Viele große Wettbewerber wie die Deutsche Bank hatten in diesem Bereich ebenfalls starke Einbußen verbucht.