Syrien kontrolliert noch bei weitem nicht das gesamte Staatsgebiet

Lesezeit: 2 min
03.01.2018 00:37
Die syrische Armee muss auch nach den Erfolgen gegen den IS einen Mehrfronten-Krieg im eigenen Land führen.
Syrien kontrolliert noch bei weitem nicht das gesamte Staatsgebiet

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Mitglieder der Söldner-Organisation Hayat Tahrir al-Scham (HTS), einer Nachfolge-Organisation der al-Nusra-Front, haben nach Angaben der syrischen Nachrichtenagentur SANA das Mharda-Kraftwerk und das Dorf Qubat al-Kurdi in der Nähe der Stadt Hama mit Mörsern und Raketen angegriffen. Es gab lediglich materielle Schäden. Als Reaktion auf diese Angriffe führte die syrische Armee (SAA) mit Unterstützung der russischen Luftwaffe Angriffe gegen HTS-Stellungen aus.

Am vergangenen Samstag wurde Ost-Ghouta (ein Vorort von Damaskus) mit Raketen beschossen. Dabei kamen 19 Menschen ums Leben, berichtet der Boston Globe. Zuvor hatten Russland, der Iran, die Türkei und die syrische Regierung Ost-Ghouta zur Deeskalationszone erklärt, in der keine Kampfhandlungen mehr stattfinden dürfen.

Am vergangenen Freitag haben syrische Regierungstruppen westlich der Stadt Rakka ein Massengrab mit Dutzenden Toten gefunden. Urheber des Massakers soll die Terror-Miliz ISIS gewesen sein. Der Guardian berichtet, dass bereits im Dezember 2014 im Osten der Provinz Deir Ezzor ein Massengrab mit 230 Leichen gefunden worden war. Auch dies wird ISIS zugeschrieben.

Die SAA hatte Ende Dezember einige Gebiete in der Grenzregion zu Israel von internationalen Söldnern zurückerobert, berichtet der englischsprachige Dienst von Reuters. Dabei wurde die SAA von iranischen Kämpfern und drusischen Milizen unterstützt. Die eroberten Gebiete befinden sich östlich und südlich der Stadt Beit Jinn. Beit Jinn ist die letzte Hochburg der Söldner im Süden von Syrien. „Die vom Iran unterstützten Milizen versuchen, ihren Einflussbereich im Südwesten von Damaskus bis zur israelischen Grenze zu konsolidieren”, so der Sprecher der Söldner-Truppe Liwa al Furqan, Suhaib al-Ruhail. Israel ist besorgt darüber, dass der Iran seinen Einfluss in Syrien unter Zuhilfenahme von Milizen und der Hisbollah erhöhen wird, berichtet The Times of Israel.

Bisher hat die militärische Unterstützung für Syrien einen wichtigen Faktor bei den Erfolgen der SAA dargestellt.

Nach iranischen Angaben wurden ungefähr 6.000 bis 7.000 iranische Kämpfer nach Syrien entsendet, berichtet Al-Monitor. Die Washington Post berichtet, dass bisher etwa 2.100 iranische Kämpfer in Syrien getötet wurden. Davon sollen 81 Prozent der iranischen Revolutionsgarde (IRGC), zwei Prozent der regulären iranischen Armee und 17 Prozent der iranischen Freiwilligen-Bataillone angehören.

Die höchsten Verluste erlitten die iranischen Verbände zwischen September 2015 und April 2016. Es besteht ein Zusammenhang zu der russischen Intervention von September 2015, da sich nach der Intervention die Kampfhandlungen der russisch-iranisch-syrischen Allianz gegen die internationalen Söldner intensivierten.

In Syrien wurden bisher der iranische Generalmajor Hossein Hamadani, Oberleutnant Mohsen Ghitaslou, Brigadegeneral Mohsen Ghajarian, Militärberater Mohsen Hojaji und Brigadegeneral Mohammed Jamali-Paqaleh getötet. Die iranischen Operationen in Syrien werden von Qassem Soleimani, Kommandeur der al-Quds-Einheit, einer Division der Iranischen Revolutionsgarde (IRGC), geleitet. Die USA und Israel sollen sich auf die Ermordung des Generals verständigt haben. 

US-Verteidigungsminister Jim Mattis hat den syrischen Staatschef Baschar al-Assad vor einer Offensive gegen kurdische Einheiten gewarnt, die von den USA unterstützt werden. "Das wäre ein Fehler", sagte Mattis am Freitag im Pentagon vor Journalisten laut AFP. Es gebe derzeit eine "Demarkationslinie" zwischen den von den USA und ihren Bündnispartnern kontrollierten Gebieten in Ostsyrien und denen, die Assad und Russland im Westen des Landes kontrollierten. Diese Linie dürfe nicht überschritten werden.

Der Ton zwischen Assad und den an der Seite der USA kämpfenden syrischen Kurden hat sich in jüngster Zeit erheblich verschärft. Assad bezeichnete sie zuletzt als "Verräter". Das von kurdischen Kämpfern dominierte Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) konterte, Assads Regierung entlasse "Terroristen" aus dem Gefängnis, damit diese "das Blut von Syrern jeglicher Couleur vergießen" könnten.

Das kurdisch-arabische SDF-Bündnis eroberte mit Unterstützung der US-Luftwaffe in monatelangen Kämpfen Teile Nord- und Ostsyriens von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zurück. Mattis kündigte am Freitag an, dass US-Diplomaten bald im Osten Syriens eintreffen würden, um Projekte zur Räumung von Minen und für den Wiederaufbau in Gang zu setzen. Das US-Militär werde 2018 von seinem Einsatz zur Gebietseroberung zu einer Stabilisierungsmission übergehen.

Schätzungen zufolge kontrolliert die syrische Regierung nach ihren mit russischer Unterstützung errungenen Siegen über die Söldner und andere Assad-Gegner 55 Prozent des Landes. Kurdische Kräfte haben demnach die Kontrolle über 28 Prozent des Territoriums. Die Frage, ob die US-Regierung letztlich eine Teilung Syriens anstrebe, verneinte Mattis.


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