Deutsche Autobauer haben schlechte Karten im Handelskrieg gegen USA

Die USA können einen Handelskrieg gegen Deutschland im Automobilsektor gewinnen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

US-Präsident Donald Trump hat im Handelskonflikt mit Europa nach der Ankündigung von Zöllen auf Stahl und Aluminium auch Abgaben auf Autoimporte angedroht. Er beklagte ein „großes Handelsungleichgewicht“. Aufgrund der starken Stellung der deutschen Autobauer in den USA sowie der schwachen Präsenz amerikanischer Hersteller hierzulande verfügt die US-Regierung über die Möglichkeit, einen Handelskrieg gegen Deutschland zu gewinnen.

Der Volkswagen-Konzern, Daimler und BMW steigerten im vergangenen Jahr den Absatz von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den USA um ein Prozent auf 1,35 Millionen Stück. Der Gesamtmarkt schrumpfte dagegen um knapp zwei Prozent auf 17,1 Millionen Neufahrzeuge. Einschließlich Transportern und Pickups stieg der Marktanteil der Deutschen leicht auf 7,9 Prozent. Bei Pkw stieg er fast um einen Prozentpunkt auf 12,7 Prozent. Im Luxussegment stammen vier von zehn Autos in den USA von deutschen Herstellern.

Analysten zufolge könnte ein umfangreicher Handelskrieg zwischen den USA und der EU das Wirtschaftswachstum in Deutschland um etwa 1 Prozent verringern, berichtet der englischsprachige Dienst von Reuters.

Umgekehrt ist in Deutschland Ford der größte US-Hersteller und zugleich die stärkste ausländische Marke mit einem Anteil von 7,2 Prozent (knapp 250.000 Fahrzeuge) 2017. Den deutschen Autobauer Opel verkaufte der US-Mutterkonzern General Motors im August an den französischen Autobauer PSA. Opels Marktanteil von sieben Prozent zählt deshalb nicht mehr zu den US-Hersteller. Als dritter der großen Drei aus den USA hat Chrysler, mittlerweile verschmolzen mit Fiat aus Italien, mit der Marke Jeep bei gut 13.000 Neuwagen einen Anteil von 0,4 Prozent. Der Elektroautobauer Tesla verkaufte rund 3.300 Exemplare (0,1) Prozent. Zusammen kommen die Amerikaner also auf knapp acht Prozent.

Auf längere Sicht betrachtet stieg die Produktion der Deutschen in den USA, während die Exporte dorthin sanken. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Fertigung der Deutschen in den USA aber wegen der Flaute am Automarkt um gut sechs Prozent auf 804.000 Stück. Im Vergleich zu 2013 ist das aber ein Anstieg um 29 Prozent. Gut jedes zweite in den USA hergestellte Auto wird aus den USA zu anderen Weltmärkten ausgeführt.

Die Exporte aus Deutschland in die USA beliefen sich auf knapp 500.000 Neuwagen, ein Viertel weniger als vor fünf Jahren. Wertmäßig sind die USA der bedeutendste Abnehmer von Pkw, Light Trucks und Zulieferprodukten.

Die deutschen Automobilhersteller beschäftigen in den USA gut 36.000 Mitarbeiter. Die deutschen Zulieferer, die auch die US-Konzerne bedienen, haben sogar rund 80.000 Beschäftigte. BMW hat sein weltweit größtes Pkw-Werk in Spartanburg/South Carolina mit einer Produktionskapazität von 450.000 Einheiten und über 9.000 Arbeitnehmern. Daimlers größter Pkw-Standort in den USA ist die Fabrik in Tuscaloosa/Alabama mit einer Kapazität von 300.000 Fahrzeugen im Jahr und mehr als 3.700 Mitarbeitern. VW hat sein 2011 eröffnetes Werk in Chattanooga/Tennessee zuletzt 2015 vergrößert. Der Standort mit seinen rund 3.500 Beschäftigten hat eine Produktionskapazität von rund 150.000 Stück. Alle deutschen Hersteller haben auch eine umfangreiche Fertigung für den US-Markt im benachbarten Mexiko, dem der US-Präsident ebenfalls schon mit Handelsbarrieren zum Schutz der heimischen Industrie drohte.

Mexiko ist nun zusammen mit Kanada erneut ins Visier der US-Regierung geraten. Auf dem Nachrichtendienst Twitter schrieb Trump, dass die Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta im Sinne der Interessen der USA gestaltet werden muss. „Wir haben große Handelsdefizite mit Mexiko und Kanada. Nafta, das gerade neu verhandelt wird, ist schlecht für die USA. Es gibt einen massiven Abfluss von Unternehmen und Arbeitsplätzen. Die Strafzölle auf Aluminium und Stahl werden nur abgebaut, wenn ein neues und faires Nafta-Abkommen unterzeichnet wird.“

Die Sorgen vor Strafzöllen auf europäische Autos seien zwar nicht neu. Sie seien aber ein Risiko für die deutschen Hersteller, auch wenn die Nettoimporte der USA merklich zurückgegangen seien, sagte ein Händler. Sollten in Mexiko produzierte Autos und Autoteile nicht unter Strafzölle fallen, wäre BMW am stärksten von US-Zöllen betroffen. Denn die Münchener exportierten einen vergleichsweise hohen Anteil ihre Fahrzeuge in die USA, da sie im US-Werk in Spartanburg lediglich die Modelle des Geländewagens „X“ herstellten.

Auch Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI sieht BMW potenziell am meisten gefährdet, gefolgt von Daimler. Volkswagen hingegen wäre am wenigsten betroffen. Denn im Vergleich zu anderen Autobauern hänge der Gewinn der Wolfsburger am wenigsten vom Geschäft mit den USA ab.

„Wir beobachten die Situation sehr aufmerksam“, wird ein Sprecher von Volkswagen von der dpa zitiert. „Wir beobachten die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge“, erklärte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes. Strafzölle könnten keine Lösung sein, und in einem Handelskrieg gäbe es „nur Verlierer – auf allen Seiten“.

Mattes verwies darauf, dass die deutschen Autobauer in den USA auch einen „erheblichen Beitrag“ zur automobilen Handelsbilanz des Landes leisteten: Ihr Anteil am US-Export von Autos sei mit rund einem Viertel dreimal so hoch wie der US-Marktanteil der deutschen Autobauer. Die Produktion in den USA werde seit Jahren „strategisch“ ausgebaut, gleichzeitig sinke der Export aus Deutschland.