Türkei drohen steigende Kosten für Schulden-Dienst

Die US-Ratingagentur Moody’s hat ihre Note für die Kreditwürdigkeit der Türkei um eine Stufe gesenkt. Die langfristigen Verbindlichkeiten würden jetzt nur noch mit „Ba2“ bewertet nach zuvor „Ba1“, teilten die Bonitätswächter am Mittwoch mit. Damit rutscht das Rating tiefer in...

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Die US-Ratingagentur Moody’s hat ihre Note für die Kreditwürdigkeit der Türkei um eine Stufe gesenkt. Die langfristigen Verbindlichkeiten würden jetzt nur noch mit „Ba2“ bewertet nach zuvor „Ba1“, teilten die Bonitätswächter am Mittwoch mit.

Damit rutscht das Rating tiefer in den Ramschbereich und die Kreditkosten des Landes dürften sich verteuern. Grund für die Entscheidung der Agentur sind neben der politischen Unsicherheit das hohe Leistungsbilanzdefizit, die steigenden Staatsschulden und Verzögerungen bei Wirtschaftsreformen. Der Ausblick wurde dagegen auf „stabil“ von zuvor „negativ“ angehoben, so dass keine unmittelbare weitere Herabstufung droht.

Die wahrscheinliche Erhöhung der Kosten für Zinszahlungen und Schuldentilgungen bergen Sprengstoff, weil die Türkei und insbesondere türkische Unternehmen in der Vergangenheit viel Geld im Ausland geliehen hatten. Beobachtern zufolge könnte das Land zu einem der Krisenherde der nächsten Finanzkrise werden.

Im Vergleich zum Euro hat die türkische Währung in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. Für einen Euro müssen inzwischen mehr als 4,73 Lira bezahlt werden. Vor einem Jahr betrug der Wert noch etwa 3,90 Lira.

Beim US-Dollar liegt der Kurs derzeit bei 3,8 Lira, nachdem er vor einem Jahr um den Wert von 3,60 schwankte. Auch zu anderen wichtigen Währungen – wie zum Beispiel dem britischen Pfund und dem Schweizer Franken – ist die türkische Währung so schwach wie selten zuvor.

Die Inflation lag im Oktober 2017 verglichen mit dem Vorjahresmonat bei 11,9 Prozent – der höchste Wert seit der Wirtschaftskrise 2008 und weit über der Zielmarke der Zentralbank von 5 Prozent. Die Zentralbank korrigierte ihre Erwartungen für 2017 erst kürzlich nach oben und rechnet nun mit einer Preissteigerungsrate von 9,8 statt 8,7 Prozent.

Zwischen Staatspräsident Erdogan und der Zentralbank schwelt seit Jahren ein Konflikt. Aus Sicht von Konjunkturexperten müsste die Notenbank die Zinsen deutlich erhöhen, um die Inflation in den Griff zu bekommen und den Verfall der Lira zu stoppen. Langfristig würde das Stabilität schaffen, kurzfristig würde das Wachstum aber gebremst. Der mächtige Präsident ist strikt dagegen – und fordert stattdessen Zinssenkungen.