Politik

Russland: Börse Moskau bricht nach US-Strafaktion ein

Lesezeit: 2 min
09.04.2018 13:44
Die Börse in Moskau ist am Montag nach den von den USA verhängten Strafmaßnahmen gegen russische Vermögen im Ausland eingebrochen.
Russland: Börse Moskau bricht nach US-Strafaktion ein

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Anleger in Moskau sind nach der Ankündigung, die Vermögen von Russen im Ausland beschlagnahmen zu wollen laut Reuters "in Scharen aus russischen Aktien und dem Rubel geflohen". Der Index für die in Dollar gelisteten Standardwerte stürzte am Montag um fast zwölf Prozent ab. Der Rubel wertete an der Börse Moskau um fast drei Prozent zum Dollar ab. Ein Dollar kostete mit 59 Rubel so viel wie seit November vorigen Jahres nicht mehr. Auch der Euro stieg um über drei Prozent auf 73,3550 Rubel. Am Freitagnachmittag hatten die USA wegen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 Sanktionen gegen Russland verhängt.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow klagte am Montag vor Journalisten, die US-Regierung setze sich mit den Sanktionen über "alle Regeln" hinweg. Ministerpräsident Dimitri Medwedew sagte, die Regierung prüfe mögliche Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Branchen und Unternehmen. Auch Vize-Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch sagte den betroffenen Firmen Hilfen zu, falls sich deren Lage aufgrund der "aktuellen Situation" verschlechtern sollte.

Zu den Betroffenen zählen der Industriemagnat Oleg Deripaska, zu dem der Aluminiumkonzern Rusal gehört, sowie der Abgeordnete Suleiman Kerimow, dessen Familie den größten russischen Gold-Produzenten Polyus kontrolliert. Polyus verloren gut 15 Prozent ab, Rusal stürzten um rund 47 Prozent ab. Bereits am Freitag hatten Rusal-Papiere 17,7 und Polyus-Titel 3,1 Prozent verloren. Auch die Euro-Anleihen von Polyus sackten auf ein Rekordtief ab.

Die russische Regierung plant Vergeltungsmaßnahmen gegen die verschärften Sanktionen der USA. Das Vorgehen der Amerikaner sei ungerechtfertigt und unannehmbar, sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew am Montag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Russland behalte sich daher das Recht vor, darauf zu reagieren. Den von den US-Strafmaßnahmen betroffenen heimischen Unternehmen solle geholfen werden, sagte Medwedew.

Rusal forderte seine Kunden auf, Zahlungen zu stoppen, nachdem sie unter US-Sanktionen gestellt wurden. Das weltweit zweitgrößte Aluminiumunternehmen untersuchte die Folgen der Sanktionen und verzichtet nicht auf seinen Anspruch auf die Zahlungen. Dies geht aus einer Kopie eines Schreibens vom 6. April hervor, das vom Marketingchef von Rusal unterzeichnet wurde, berichtete Bloomberg. "Wir fordern, dass Sie alle Zahlungen und Überweisungen sofort an UC Rusal bis auf weiteres zurückhalten", sagte das Unternehmen in dem Brief. "Wir arbeiten intensiv daran, die Kontinuität unseres Geschäfts sicherzustellen."

"Die Anleger haben endlich erkannt, wie schlimm sich Russland entwickelt", sagte Vadim Bit-Avragim, ein Vermögensverwalter bei der Kapital Asset Management LLC in Moskau auf Bloomberg, der heute ebenfalls russische Aktien verkaufte. "Es scheint, als hätten die USA genug. Ausländische Investoren müssen sanktionierte Unternehmen verlassen, aber sie sahen diesen Auftrag als Signal, alle russischen Aktien zu schließen. Die Anleger befürchten, dass jetzt jedes russische Unternehmen von Sanktionen bedroht ist. Händler schränken die russischen Aktien ein, weil sie als toxische Werte gelten. "


Mehr zum Thema:  

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bertelsmann-Studie: Wie nachhaltig sind deutsche Unternehmen?
25.05.2024

Die Transformation deutscher Unternehmen befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt, der von der zunehmenden Digitalisierung, dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nach den Protesten im Winter: Bauern wieder in schwieriger Geschäftslage
25.05.2024

Die finanzielle Situation vieler Höfe hatte sich zuletzt deutlich stabilisiert. Ist diese Phase für die Landwirtschaft nun schon wieder...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lieferdienst Getir ist vom Markt: Wie es bei den Lebensmittel-Lieferanten weitergeht
25.05.2024

Der Weg zum nächsten Supermarkt ist in Deutschland meist kurz. Trotzdem bestellen viele Menschen Brot, Käse, Obst und Gemüse längst...

DWN
Politik
Politik Die größte Demokratie der Welt wählt: Indiens verstärkt despotische Aussichten
25.05.2024

Einige Monate vor dem Beginn der indischen Parlamentswahlen am 19. April (die Wahlen dauern noch bis 1. Juni an) machte der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Teeverband sorgt sich um Kleinbauern
25.05.2024

Der Deutsche Teeverband bangt wegen des neuen Liefergesetzes der EU um die Kleinbauern als Zulieferer. Eine Sorge, die die...

DWN
Technologie
Technologie China dominiert grüne Technologien – und wird zum Big Player der Erdölindustrie
25.05.2024

Chinas Exporte von Batterien, Elektroautos und Solarmodulen sind im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen, womit das Land seine...

DWN
Politik
Politik Russische Taktiken und die europäische Sicherheitslandschaft: Norwegen im Fokus
25.05.2024

Tor Ivar Strømmen gilt als einer der angesehensten Militärwissenschaftler Norwegens. Kurz nach der Entdeckung der Lecks in der Nord...

DWN
Finanzen
Finanzen Fußball-EM 2024: Gemeinsam gucken und Steuer sparen - für Teamgeist und Motivation
25.05.2024

Sie wollen in der Firma den Teamgeist stärken und eine größere Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen schaffen? Laden...