Analyse: Zins-Erhöhungen der US-Notenbank lösen Krisen aus

Die Deutsche Bank warnt vor den Folgen der geldpolitischen Straffung der Federal Reserve. Diese hätten in der Vergangenheit bereits zahlreiche Krise weltweit ausgelöst.

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Analysten der Deutschen Bank warnen vor den Folgen der geldpolitischen Normalisierungsstrategie der US-Zentralbank Federal Reserve. Diese habe in den vergangenen Jahrzehnten weltweit bereits mehrfach zu Finanzkrisen geführt.

„Eine Beobachtung ist, dass jeder Straffungszyklus der Fed bislang irgendwo eine bedeutende Krise ausgelöst hat. Häufig fanden diese in Übersee statt, haben sich aber gewöhnlich auch in den USA ausgewirkt“, wird der Deutsche Bank-Analyst Alan Ruskin von Market Watch zitiert.

Ruskin zufolge gibt es unübersehbare Parallelen zwischen steigenden Zinsen in den USA und Finanzkrisen auf der Welt:

Schaut man in der Geschichte zurück, dann erscheint der Zinsanhebungszyklus der Fed von 2004 bis 2006 maßvoll, aber der Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes setzte eine Ansteckung global frei und führte beinahe zum Zusammenbruch des Weltfinanzsystems und war schlimmer als alle anderen Krisen seit Kriegsende.

Der schrittweise Anhebungszyklus Ende der 1990er Jahre beinhaltete die Asienkrise und die Kollapse Russlands und des Hedgefonds LTCM. Als die Zinsen weiter angehoben wurden, platzte dann die Aktienblase im Jahr 2000. Der Aufwertungszyklus der Jahre 1993 und 1994 beinhaltete Tumulte an den Anleihemärkten sowie die Krise in Mexiko. Der Aufwertungszyklus Ende der 1980er Jahre führte zur S&L-Krise und in die Zeit von Greenspans Straffung fällt der Schwarze Montag. Anfang der 1980er Jahre fanden die Schuldenkrise in Lateinamerika und der Conti Illinois-Kollaps statt. In der Stagflation der 1970er Jahre war die Fed zu spät dran und die Inflation verdeckte einen nachhaltigen Abschwung der Vermögenspreise.

Ruskin warnt daher vor den Folgen der aktuellen Anhebung der Leitzinsen. Dieser erscheine zwar harmlos, weil die Zinsen seit Ende 2015 nur auf ein Niveau von aktuell 1,5 bis 1,75 Prozent gehoben wurden – was im historischen Vergleich noch immer sehr niedrig sei.

Zu bedenken sei jedoch, dass diese Anhebungen nach einer Phase „extremer und langwieriger“ geldpolitischer Interventionen der expansiven Geldpolitik durch die Zentralbanken stattfinde. In der aktuellen Phase der Erhöhung hätten Investoren jedoch Probleme, die Politik der Fed zu verstehen, nach welchen Kriterien sie beabsichtigt, ihre Bilanzsumme zu verkleinern.

Ruskin erwartet, dass eine Folge der geldpolitischen Normalisierung der Fed höhere Schwankungen an den Finanzmärkten sein dürften. Ende Januar und Anfang Februar hatte es bereits deutliche und überraschende Einbrüche an den Aktienmärkten gegeben. „Volatilität hat viele Formen, aber im Allgemeinen folgt sie einer Leitzinsanhebung im Abstand von 18 bis 24 Monaten“, schreibt Ruskin.

Tatsächlich schlägt sich die Normalisierung derzeit in einem stärkeren Dollar nieder, welcher bereits zu ersten Verwerfungen in den Schwellenländern geführt hat.

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