Russland warnt vor neuem Chemie-Angriff in Syrien

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums bereiten Söldner einen Chemiewaffen-Angriff in der syrischen Region Deir Ezzor vor.

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Warnung vor C-Waffenangriff in Deir Ezzor. (Grafik: Syria Live Map)

Warnung vor C-Waffenangriff in Deir Ezzor. (Grafik: Syria Live Map)

Nach Informationen des Sprechers des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, bereiten angeblich Mitglieder der Freien Syrischen Armee (FSA) unter Beteiligung von Spezialeinheiten in der syrischen Provinz Deir Ezzor eine „Provokation“ unter Einsatz von „Chlor” vor. Russland gibt an, dass dieser Aktion ein Angriff der von den USA angeführten Koalition auf die Syrische Armee folgen könnte. Die Russen hatten vor einigen Monaten vor einem Chemiewaffen-Einsatz in Douma gewarnt. Die westliche Koalition hat die russischen Vorwürfe einer Provokation stets entschieden zurückgewiesen und ihrerseits die Russen beschuldigt, zuwenig getan zu haben, um den Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Krieg zu verhindern. Eine Aufklärung des Anschlags von Douma liegt bis heute nicht vor, obwohl Vertreter der OPCW in die Region gereist waren, um die Fakten herauszufinden.

„Nach Angaben, die in Syrien von drei unabhängigen Sendern bestätigt wurden, bereitet das Kommando der so genannten ’Freien Syrischen Armee’ mit Unterstützung der Streitkräfte der US-Spezialeinheiten eine schwere Provokation mit chemischen Kampfstoffen in der Provinz Deir Ezzor vor”, zitiert die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS Konaschenkow.

Mitglieder der FSA sollen Chlorflaschen in die Provinz Deir Ezzor transportiert haben, um einen Chemie-Angriff zu simulieren. Das Chlor soll gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden. Ein inszeniertes Video vom Angriff soll dann anschließend „einen Raketenangriff auf syrische staatliche Einrichtungen durch die US-geführte Koalition auslösen und eine Offensive von militanten Kämpfern gegen syrische Regierungstruppen am Ostufer des Euphrat rechtfertigen”, sagte der Sprecher.

Newsweek berichtet: „Im April führten die USA, Frankreich und das Vereinigte Königreich mehrere Luftangriffe gegen syrische Ziele aus, nachdem sie die Regierung von Präsident Baschar al-Assad in Damaskus beschuldigt hatten, chemische Waffen bei einem Angriff auf die Stadt Douma einzusetzen. Assad sagte dem Blatt The Mail, dass die britische Regierung Seite an Seite mit den White Helmets (…) gearbeitet habe, damit die westlichen Verbündeten den ’PR-Trick’ als Vorwand nehmen, um sein Regime anzugreifen. Im Jahr 2017 sagte Präsident Wladimir Putin über den staatlichen Fernsehsender Mir, dass der chemische Angriff von Khan Scheichun vom 4. April mit toxischem Sarin-Gas eine ’Provokation’ sei, die von westlichen Verbündeten zusammen mit regierungsfeindlichen syrischen Truppen inszeniert wurde. Auf dem G7-Gipfel in der vergangenen Woche einigten sich die USA, Kanada und einige europäische Verbündete im hochdiskutierten Kommuniqué auf eine Koalition gegen die russische Aggression in Syrien. ’Wir fordern Russland eindringlich auf, sein destabilisierendes Verhalten, demokratische Systeme zu untergraben und das syrische Regime zu unterstützen, einzustellen. Wir verurteilen den Angriff mit einem Militär-Agenten in Salisbury im Vereinigten Königreich.’”

Das Kommuniqué wurde vom EU-Rat im Wortlaut veröffentlicht.

Kämpfe in Hama

Die syrische Armee (SAA) hat am Dienstag in der nördlichen Landschaft von Hama eine Militäroperation gegen Verbände von Hayat Tahrir al-Sham (HTA), die die Nachfolgeorganisation der Al-Nusra-Front ist, durchgeführt. Die SAA richtete ihre Angriffe auf HTS-Positionen in der Umgebung der Stadt al-Latameneh. Dabei wurden vier HTS-Mitglieder getötet und mehrere Militärfahrzeuge zerstört. Unter den Getöteten soll sich auch ein bekannter Söldner mit dem Namen „Zaher al-Mahmoud” befinden. Doch das Syrian Network for Human Rights (SNHR), behauptet, „Zaher al-Mahmoud” sei ein „Zivilist” gewesen. Das SNHR wurde im Jahr 2011 in Großbritannien gegründet. Es hat seinen Sitz in London und agiert als unterstützende Kraft der Zivilschutzorganisation White Helmets, die ausschließlich in den Gebieten der Al-Nusra-Front humanitäre Leistungen tätigt.

Süd-Syrien und Golan

Am vergangenen Sonntag hat die israelische Armee (IDF) auf den Golan-Höhen eine Militärübung durchgeführt. DEBKAfile führt aus: „Tausende von Militärreservisten wurden aufgefordert, sich mit voller Ausrüstung für den sofortigen Einsatz zu melden und direkt von ihren Häusern und Arbeitsplätzen zu kommen. Dass die plötzliche IDF-Ankündigung keinen Zeitplan für das Ende der Übung festlegte, deutete darauf hin, dass ein direkter Zusammenhang zur Ankündigung Syriens, in der aktuellen Woche eine Militäroffensive in der Quneitra-Region – am Golan – durchzuführen, besteht. Die Ankündigung bezog sich auch auf eine Doppeloffensive gegen die Daraa-Provinz an der jordanischen Grenze. Die teilnehmenden Einheiten wurden als 4. gepanzerte Division der syrischen Armee für Quneitra und die ’Tiger Force’ (…) benannt. Israels Golan-Übung wurde angekündigt, um die syrische Offensive zu verhindern (…) Nach Angaben von DEBKAfile soll die syrische Offensive jedoch in Zusammenarbeit mit Hisbollah-Kräften und der pro-iranischen schiitischen Miliz Liwa Abu Fadl al-Abbas aus Afghanistan stattfinden, die unter Offizieren der Revolutionsgarden kämpft, die sich bereits außerhalb von Quneitra positioniert haben.”

In den vergangenen Tagen haben Söldner, die in Quneitra und Daraa gegen Syrien kämpfen, zahlreiche Baumplantagen und Felder in Brand gesetzt. Die Ernte wurde nahezu komplett zerstört.

Israel hat ein strategisches Interesse daran, im Süden von Syrien eine Sicherheitszone ins Leben zu rufen. The Intercept führt aus: „Die Sicherheitszone soll die syrische Armee und ihre iranischen und libanesischen Verbündeten so weit wie möglich von Israels Grenze fernhalten und Israels Kontrolle über die besetzten Golanhöhen festigen. Israel eroberte 1967 den syrischen Golan im Sechstagekrieg. Die Ausweitung einer Pufferzone würde in Zukunft wahrscheinlich Verhandlungen über die Rückkehr des syrischen Territoriums erschweren, da die Golanhöhen auf beiden Seiten von Gebieten mit bedeutendem israelischen Einfluss umgeben sein würde.“

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