Söldner zerstören Ernte im Süden Syriens

 

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12.06.2018 00:01
Söldner haben im Süden Syriens Plantagen angezündet und die gesamte Ernte zerstört. Die UN warnt vor einer neuen Flüchtlingsbewegung in Richtung der Türkei.
Söldner zerstören Ernte im Süden Syriens

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In der nördlichen Landschaft von Quneitra haben unbekannte Söldner am Wochenende nahe bei Kroum al-Hamria Dutzende von Bäumen, Weizenfeldern und Plantagen angezündet. Die syrische Nachrichtenagentur SANA berichtet, dass beispielsweise im Dorf Haddar Apfel,- Kirsch,- und Feigenbäume derart zerstört wurden, dass die örtlichen Landwirte erhebliche Verluste erlitten. Die angezündeten Äcker sollen aufgrund der Windbewegungen bis in den Montag hinein gebrannt haben. Zusätzlich wurden zahlreiche Olivenbäume zerstört.

Derzeit kontrollieren die Söldner große Teile der Provinzen Daraa und Quneitra, die nahe der Grenze zu Jordanien und den von Israel besetzten Golan-Höhen liegen. In der Region gilt seit längerem eine Waffenruhe. Jedoch warfen Helikopter der Armee kürzlich Flugblätter über den von Söldnern gehaltenen Vierteln von Daraa-Stadt ab, in welcher die Armee mit einer Offensive drohte.

Israel hatte zuvor für Daraa und Quneitra die Errichtung einer Sicherheitszone vorgeschlagen. Nach einem Bericht des Wall Street Journal verlegt Syrien pro-iranische und iranische Milizen nach Daraa und Quneitra. Diese sollen allerdings syrische Uniformen tragen, um der Aufmerksamkeit der israelischen Luftwaffe zu entgehen. „Es ist eine Tarnung”, sagte Ahmad Azam, ein Söldner-Kommandeur, dem Blatt. „Sie verlassen die Gegend in ihrer Hisbollah-Uniform und kehren in den Fahrzeugen des Regimes und in regulären [syrischen] Uniformen zurück”, so Azam. Der Söldner-Kommandeur meint, dass viele dieser Kämpfe die Ausweise von toten syrischen Soldaten bei sich tragen.

Die Situation in Idlib

Die UN sorgen sich angesichts eskalierender Kämpfe um 2,5 Millionen Menschen in der syrischen Provinz Idlib. Diese könnten in Richtung Türkei vertrieben werden, sagte der regionale UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Panos Moumtzis, am Montag in Genf. Innerhalb Syriens gebe es keinen anderen Ort, an den man sie bringen könne, zitiert Reuters den UN-Vertreter. Die Weltmächte sollten den Syrien-Konflikt diplomatisch beenden, um eine Katastrophe in Idlib zu verhindern. Idlib liegt im Nordwesten des Landes und befindet sich in der Hand der Söldner-Truppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS), die die Nachfolgeorganisation der Al-Nusra-Front ist und gegen das Friedensabkommen von Astana zwischen Russland, der Türkei und dem Iran auftritt. In den vergangenen Jahren sind Zehntausende Söldner und ihre Familienangehörigen aus anderen Teilen des Landes dorthin geflüchtet. Reuven Erlich, Chef des Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center (ITIC), sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten, dass sich die Anzahl der Söldner in Idlib schätzungsweise auf 30.000 Personen belaufe.

Am Sonntagmorgen sollen nach Angaben von SANA pro-syrische Milizen bei Kefraya und al-Fouaa einen Großangriff der ehemaligen Al-Nusra-Front abgewehrt haben. Der Söldner-Angriff soll aus den Richtungen der Dörfer Binnesh, Ram Hamdan und al-Sawaghiyeh am Rande der Städte al-Fouaa und Kefraya ausgeführt worden sein.

Kurden-Milizen und Assad

Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die von den USA unterstützt werden und sich fast ausschließlich aus Kurden-Milizen zusammensetzen, haben der Regierung in Damaskus einen Vorschlag unterbreitet. Die kurdische Nachrichtenagentur Rudaw führt aus, dass die SDF zu „Friedensgesprächen” mit der Regierung bereit sei. Sie würde nicht zögern, „bedingungslosen Gesprächen” mit der syrischen Regierung zuzustimmen. Hekmat Habib, Chef der SDF, sagte dem englischsprachigen Dienst der AFP, dass sie es mit der „Öffnung einer Tür für den Dialog” ernst meinen würden. „Aufgrund der Kontrolle der SDF über 30 Prozent von Syrien und der Kontrolle des Regimes über Teile des Landes sind dies die einzigen Kräfte, die am Verhandlungstisch sitzen und eine Lösung für die syrische Krise formulieren können”, meint Habib.

Im vergangenen Monat sagte der syrische Präsident Baschar al-Assad, dass es eine Option für Verhandlungen mit den SDF gebe. Sollte diese Option aber ausgeschlagen werden, „werden wir alle diese Gebiete (der SDF) mit Gewalt befreien”, so Assad. Der syrische Präsident wörtlich: „Es ist unser Land, es ist unser Recht und es ist unsere Pflicht, es zu befreien (...). Die Amerikaner sollten gehen. Irgendwie werden sie gehen”. Die SDF reagierte auf die Drohung von Assad. „Jede militärische Lösung, soweit die SDF betroffen ist, wird zu mehr Verlusten und Zerstörung und Schwierigkeiten für das syrische Volk führen”, zitiert die New York Times den SDF-Sprecher Kino Jibril.

Sencer Imer von der türkischen Hacettepe Universität ist der Ansicht, dass die US-Truppen gemeinsam mit den SDF die Gebiete östliche des Euphrats nicht verlassen werden, um einen Einfluss auf die Nachkriegsordnung beizubehalten. Die USA würden die Kurden-Milizen als Instrument nutzen, um ihren Einfluss in Syrien zu wahren. „Die Amerikaner haben keinen Platz beim Friedensabkommen von Astana, das einen enormen Einfluss auf die Zukunft Syriens haben könnte. Sie wollen dort bleiben. Unter dem Vorwand, dass sie die PYD (Kurden-Milizen, Anm. d. Red.) aus Manbidsch zurückziehen, möchten sie sich im Norden Syriens festsetzen. Mit der Existenz der PYD wird nicht nur die territoriale Integrität Syriens ständig bedroht bleiben, sondern es wird auch schwierig werden, dem Land eine neue Verfassung zu geben”, zitiert die türkische Zeitung Aydinlik Imer.

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