Finanzen

JP Morgan-CEO Jamie Dimon rechnet mit Europa ab: „Europa verliert“

Jamie Dimon, CEO von JP Morgan und einer der mächtigsten Akteure der US-Wirtschaft, warnt europäische Politiker: Der Kontinent droht wirtschaftlich gegenüber China und den USA ins Hintertreffen zu geraten.
11.07.2025 15:57
Lesezeit: 1 min
JP Morgan-CEO Jamie Dimon rechnet mit Europa ab: „Europa verliert“
JP Morgan-Chef Jamie Dimon warnt Europa (Foto: dpa) Foto: Jim Lo Scalzo

Jamie Dimon warnt vor wirtschaftlicher Schwäche Europas

„Ihr verliert“, sagt Jamie Dimon laut Financial Times – eine direkte Botschaft an Europas politische Führungen. „Europa ist von 90 Prozent des US-BIP auf 65 Prozent gefallen – innerhalb von 10 bis 15 Jahren. Das ist kein gutes Zeichen“, so der Chef der größten US-Großbank weiter. Diese Aussagen machte Dimon am Donnerstag auf einer Veranstaltung in Dublin, organisiert vom irischen Außenministerium. „Ihr verliert“, wiederholte Dimon.

Jamie Dimon steht seit 2006 an der Spitze von JP Morgan – einer der vier größten Banken der USA mit einer Marktkapitalisierung von rund 680 Milliarden Euro. Er gilt als eine der einflussreichsten Stimmen in der US-Wirtschaft.

Europas Reformbedarf und Dimons Kritik an Brüssel

Es ist nicht das erste Mal, dass Dimon Europa in den wirtschaftspolitischen Senkel stellt.

Bereits im Frühjahr hatte er erklärt, dass Europa „ernsthafte Probleme zu lösen“ habe. Damals forderte er umfassende Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas langfristig zu sichern. Am Donnerstag richtete Dimon den Blick jedoch nicht nur auf Europa. Auch die USA selbst stehen seiner Ansicht nach vor wirtschaftlichen Risiken – insbesondere im Hinblick auf die Zinspolitik.

USA vor Zinsschock? – Und was das für Europa bedeutet

Wie das schwedische Portal Dagens Industri berichtet, sieht Dimon ein deutlich erhöhtes Risiko für steigende Zinsen in den USA. „Der Markt geht derzeit von einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent aus – ich rechne eher mit 40 bis 50 Prozent“, so Dimon. Als mögliche Gründe nennt er unter anderem die US-Zollpolitik sowie die expansive Finanzpolitik der Vereinigten Staaten. Donald Trump habe zudem mehrfach versucht, Fed-Chef Jerome Powell unter Druck zu setzen, um die Leitzinsen zu senken.

Für die deutsche Wirtschaft ist Dimons Warnung mehr als symbolisch. Als Exportnation profitiert Deutschland nur in einem starken Europa – doch Rückstand bei Produktivität, Kapitalmarktintegration und Digitalisierung gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig erhöht ein möglicher US-Zinsschock den Druck auf den Euro und erschwert die Finanzierung industrieller Transformation. Jamie Dimons scharfe Worte sind ein Weckruf: Europa braucht nicht nur neue Impulse, sondern tiefgreifende Reformen, um wirtschaftlich wieder mit den USA und China gleichzuziehen. Die Wettbewerbsfähigkeit Europas entscheidet darüber, ob der Kontinent weiterhin global mitgestalten kann – oder weiter an Einfluss verliert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Shein an der Börse: Wer bei Fast Fashion jetzt vorn liegt
05.09.2026

Der chinesische Konzern Shein hat sich an der Börse den größten Namen der Fast Fashion angeschlossen. Doch wie läuft es bei seinen...

DWN
Politik
Politik 37 Jahre alt und rund 15 Milliarden Euro schwer: Das ist Mario Draghis neuer Partner
05.09.2026

Der frühere EZB-Chef und ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat sich mit einem irischen Tech-Milliardär...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn-Sanierung ohne monatelange Vollsperrungen: VCD legt Gegenentwurf vor
05.09.2026

Die Bahn will ihr marodes Schienennetz mit groß angelegten Generalsanierungen zuverlässiger machen. Doch das bisherige Konzept bringt...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
05.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deepal S05 im Test: Der Chinese, der keiner sein will
05.09.2026

Der Deepal S05 kommt aus China, trägt aber deutlich europäische Züge. Entworfen wurde der Elektro-SUV in Turin, und genau das merkt man...

DWN
Politik
Politik Landtagwahl in Sachsen-Anhalt: Was Sie über die Sachsen-Anhalt-Wahl wissen sollten
05.09.2026

Sachsen-Anhalt steht vor einer Wahl, deren Folgen weit über Magdeburg hinausreichen könnten. Die AfD liegt vorn, mögliche Mehrheiten...

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen: Warum Schulden so teuer sind wie lange nicht
05.09.2026

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen großer Volkswirtschaften sind auf Niveaus gestiegen, die teils seit der Finanzkrise nicht mehr...

DWN
Technologie
Technologie Biometrie-Panne: Die gefährlichste Rolle ist der Zwilling
05.09.2026

Manche Dinge sind offenbar selbst für die klügsten Systeme eine zu große Herausforderung. Und dies ist eine Glosse genau über diese...