Öl-Konzerne treiben kleine Bohr-Unternehmen aus dem Markt

Seit 2015 haben zahlreiche Bohrunternehmen Insolvenz angemeldet. Die großen Ölgesellschaften vergeben aufgrund des Ölpreis-Verfalls nur wenige Aufträge an Bohrunternehmen.

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Die norwegische Firma Fred.Olsen Energy hat am Mittwoch angekündigt, dass sie ihre Gläubiger nicht mehr bedienen werde, um liquide zu bleiben. Die Aktien des Unternehmens gingen nach der Ankündigung um 19 Prozent zurück und entwickelten sich damit schlechter als der europäische Öl- und Gasindex, der um 0,6 Prozent zurückging. Damit liegen die Kursverluste von Fred.Olsen Energy seit Jahresbeginn bei über 70 Prozent. Bereit smm Montag fiel die Aktie um bis zu 27 Prozent, nachdem Olsen Energy keine Verlängerung der Kreditvereinbarungen erzielen konnte. Eine Reihe von Offshore-Bohrern, einschließlich Seadrill, einst das weltweit größte Bohrunternehmen aus Sicht der Marktkapitalisierung, mussten ihre Schulden umstrukturieren, nachdem die Nachfrage aufgrund des Abschwungs des Ölmarktes in den Jahren 2014 bis 2016 gesunken war.

Die Konsolidierung kleinerer Akteure könnte die Erholung des Bohrmarkts unterstützen, sagte Seadrills-Chef Anton Dibowitz am Dienstag dem englischsprachigen Dienst von Reuters. Jedes Unternehmen mit weniger als zehn bis 15 Bohranlagen müsse wahrscheinlich konsolidiert werden.

Fred.Olsen Energy hatte zuvor gemeldet, dass sie Eigenkapital- und Wertminderungsaufwendungen für ihre Bank- und Anleihenkredite benötige.

Ende 2017 hatte das Unternehmen 759 Millionen US-Dollar aus einer Kreditlinie mit einem Bankenkonsortium und ein Anleihekredit von umgerechnet 122 Millionen US-Dollar, der im Februar 2019 fällig wurde. Die erste Halbjahresrate von 95,5 Millionen wurde im ersten Quartal getilgt. Die nordischen Banken DNB, Danske und Nordea halten den Großteil von Fred.Olsen Energys Bankschulden. Das Unternehmen verfügt über sieben schwimmende Bohrinseln, von denen nur einer unter einem kurzfristigen Vertrag mit BP in Betrieb ist.

Bohrunternehmen melden Insolvenz an

Bohrunternehmen erzielen ihre Einnahmen nicht durch den Verkauf von Öl. Stattdessen werden sie von großen Ölgesellschaften bezahlt, wenn sie nach neuem Öl bohren müssen. Aufgrund der niedrigen Ölpreise wird weniger nach Öl gebohrt, da dies in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht rentabel ist. Dadurch sinkt die Nachfrage der Ölgesellschaften für die Dienstleistungen von Bohrunternehmen. Eines der teuersten und lukrativsten Dienstleistungen von Bohrunternehmen sind Richtbohrungen („Directional Drilling”). Mit Richtbohrungen lassen sich Stellen unter dem Erdboden erreichen, die sich mit vertikalen Bohrungen nicht erreichen lassen. Ob der Nachfragerückgang schlussendlich zum Konkurs vieler Bohrunternehmen führen wird, bleibt noch unklar.

Jedoch sind zahlreiche Bohrunternehmen dazu übergegangen, ihre Mitarbeiter zu entlassen. Schlumberger, Halliburton, Baker Hughes und Weatherford, die als die „Big 4” der Bohrunternehmen umschrieben werden, haben einen Teil ihrer Belegschaft entlassen müssen, berichtet Forbes. Im Jahr 2015 kündigte Halliburton an, 6.400 Mitarbeiter entlassen zu wollen, so das US-Magazin Fortune. Im selben Jahr kündigte Baker Hughes an, 7.000 Stellen streichen zu wollen, so CNN Money. Weatherford kündigte die Entlassung von 8.000 Mitarbeitern an, führt Fortune aus. Das Magazin Chron berichtete im Januar 2018, dass Schlumberger in den vergangenen Jahren 70.000 Stellen gestrichen hat.

Nach Angaben der US-Kanzlei Haynes and Boone haben seit Anfang 2015 insgesamt 167 US-amerikanische und kanadische Bohrunternehmen Insolvenz angemeldet. die Entwicklungen in der Ölfeldservice-Restrukturierung verfolgt und berichtet. Einige der größten gemeldeten Insolvenzfälle betreffen Gesamtschulden in Höhe von etwa acht Milliarden US-Dollar (Seadrill Limited), 5,3 Milliarden US-Dollar (Odebrecht), 3,7 Milliarden US-Dollar (Ocean Rig), 3,4 Milliarden US-Dollar (CGG Holding), 3 Milliarden US-Dollar (Pacific Drilling) und 2,8 Milliarden US-Dollar (Vantage) ), 2,5 Milliarden Dollar (Paragon Offshore), 2,3 Milliarden Dollar (Tidewater) und 2,1 Milliarden Dollar (Tervita).