Gemischtes

Lkw-Herstellern drohen Milliarden-Strafen

Lesezeit: 2 min
16.01.2019 15:12
Mehreren Herstellern von Lastkraftwagen drohen in Deutschland neue Strafzahlungen.
Lkw-Herstellern drohen Milliarden-Strafen

Daimler, MAN und andere Lkw-Hersteller in Europa stehen vor milliardenschweren Schadenersatzklagen von Kunden wegen ihres 2011 aufgeflogenen Kartells. Gut 7000 Transportunternehmen hätten mit den beiden bisher am Landgericht München eingereichten gemeinsamen Klagen Ansprüche von mehr als einer Milliarde Euro erhoben, erklärte der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) am Mittwoch in Frankfurt. "Wir gehen derzeit von einem Schaden von über einer Milliarde Euro aus", sagte BGL-Chef Dirk Engelhardt. Mit Urteilen sei aber nicht vor 2020 zu rechnen.

Die EU-Kommission sah es als erwiesen an, dass Daimler, MAN, Volvo/Renault, DAF, Iveco und Scania sich von 1997 bis 2011 über Preise abgesprochen hatten. Zudem hätten sie verabredet, mit strengeren Abgasvorschriften verbundene Kosten auf die Kunden abzuwälzen. 2016 verhängte die Wettbewerbsaufsicht gegen vier Hersteller ein Bußgeld von insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Gegen Scania folgte 2017 dann eine Strafe von 880 Millionen Euro, gegen die sich die schwedische Volkswagen-Tochter wehrt. Ihre Konzernschwester MAN ging straffrei aus, weil die Münchner als Kronzeuge die Sache ins Rollen gebracht hatten.

Die klagenden Transportfirmen sehen sich geschädigt, weil sie wegen des Kartells höhere Preise für Lastwagen gezahlt hätten als ohne die illegalen Absprachen. Unter Regie des Verbandes BGL bündelten gut 7000 Firmen aus 26 Ländern ihre Ansprüche und traten sie an die Kanzlei Hausfeld ab. Diese reichte die Klagen in München gegen alle Hersteller bis auf Scania zusammen Ende 2017 und Ende 2018 ein. Eine dritte Gemeinschaftsklage ist noch in Arbeit. Die geforderte Schadenssumme konnte der BGL erst jetzt nennen, weil diese für die mittlerweile rund 150.000 Fahrzeuge aufwendig von Gutachtern ermittelt werden musste.

HERSTELLER SEHEN KEINEN SCHADEN

Die Hersteller hatten zwar das Kartell zugegeben, bestreiten aber, den Kunden geschadet zu haben. So erklärte MAN, die EU-Kommission habe nur Absprachen der Bruttopreise angeprangert. "Da Endkunden aber niemals Bruttolistenpreise sondern nur individuell vereinbarte Nettopreise bezahlen, handelte es sich bei dem Verstoß nicht um eine Preisabsprache im engeren Sinne", erklärte ein Sprecher.

Neben den Mammutklagen unter Regie des BGL gibt es noch viele Klagen einzelner Unternehmen, von Kommunen, der Bahn oder der Bundeswehr. Die Landgerichte entschieden dem BGL zufolge bisher überwiegend zu Gunsten der Lkw-Käufer. Daimler hatte im vergangenen Jahr angekündigt, gegen eine solche Entscheidung des Landgerichts Stuttgart in Berufung zu gehen. "Wir gehen davon aus, dass unseren Kunden kein Schaden entstanden ist", bekräftigte ein Sprecher mit Blick auf die Massenklage der Transportunternehmen. Diese werde Daimler prüfen und sich gegen unberechtigte Ansprüche entschieden zur Wehr setzen.

Der BGL hofft trotz der harten Haltung der Lkw-Bauer, dass diese sich doch noch zu Entschädigungen durchringen, um jahrelangen teuren Rechtsstreit zu vermeiden. Bisher hätten sie das jedoch abgelehnt, sagte Engelhardt.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Politik
Politik Züricher Finanzportal: „Klaus Schwab sieht die Pandemie als Retterin seines Traumes“

Die sachlichen Kritiken an Klaus Schwab und am Weltwirtschaftsforum häufen sich.

DWN
Finanzen
Finanzen „Total Financial Reset“: Warum der Goldstandard das Fiat-Geldsystem ersetzen wird

Das aktuelle Fiat-Geldsystem ist durchsät von finanziellen Verzerrungen und Schulden. Dieses System ist eigentlich am Ende. Der Übergang...

DWN
Politik
Politik Biontech gründet weltweit erste Anlage für spezielle Krebs-Immuntherapie

Nach dem Erfolg mit seinem Corona-Impfstoff nimmt Biontech nun die Suche nach Medikamenten gegen Krebs stärker in den Blick.

DWN
Finanzen
Finanzen Verzerrte Statistik: „Die Inflation könnte derzeit bei 8 bis 10 Prozent liegen“

Im November stieg die Inflationsrate auf ein 29-Jahres-Hoch von mehr als fünf Prozent. Kritische Ökonomen äußern indes Zweifel an den...

DWN
Deutschland
Deutschland Alarmstimmung im Handel: 2G-Regelung bedroht Weihnachtsgeschäft

Der stationäre Handel sieht sich als Opfer einer unsinnigen „Show-Maßnahme“ der Politik und fürchtet Umsatzrückgänge von bis zu 50...

DWN
Deutschland
Deutschland IG Metall ruft zu Warnstreiks bei Airbus und Premium Aerotec auf

Der Streit um den Umbau der Produktion von Flugzeugteilen bei Airbus spitzt sich zu.

DWN
Deutschland
Deutschland Lieferengpässe erhöhen Kosten der deutschen Industrie

Die deutsche Industrie hat wegen anhaltender Lieferprobleme und hoher Inflation im November leicht an Tempo verloren.

DWN
Finanzen
Finanzen KREISS ANTWORTET AUF SEINE KRITIKER: Aus diesen Gründen könnte die Türkische Lira eine Finanzkrise auslösen

Am Sonntag veröffentlichten die DWN einen Artikel von Christian Kreiß, der eine rege Diskussion in Gang setzte. Die Thesen unseres...