Deutschlands Banken brechen die Einnahmen weg

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
15.04.2019 17:25
Infolge der EZB-Zinspolitik erwartet die Beratungsgesellschaft Zeb in den kommenden Jahren einen erheblichen Ertragsrückgang bei Deutschlands Banken. Die Zahl der Filialen dürfte auch deshalb weiter sinken.
Deutschlands Banken brechen die Einnahmen weg

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Laut einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Zeb verzeichnen die Filialbanken in den meisten Ländern Europas derzeit eine Stagnation ihrer Einnahmen. Ihre Erträge werden demnach im Jahr 2022 mit 256 Milliarden Euro um rund 6 Prozent unter dem Niveau von 2017 liegen. In Deutschland würden die Erträge von Sparkassen, Volksbanken und privaten Banken wie Deutsche Bank oder Commerzbank der Studie zufolge in drei Jahren nur noch 39 Milliarden Euro ausmachen. Das wären rund 7 Prozent weniger als noch im Jahr 2017.

Grund für die fallenden Erträge bei Europas und Deutschlands Banken sind der Zeb-Studie zufolge vor allem die geringen Margen im Einlagengeschäft. In den kommenden fünf Jahren erwarten die Berater einen Rückgang der Einlagenerlöse um mehr als 40 Prozent. Grund dafür ist, dass die vor fünf Jahren von der EZB eingeführten Negativzinsen auf Einlagen bei der Zentralbank das Einlagengeschäft der Geschäftsbanken schwer unter Druck setzen. Seit dem Jahr 2016 liegt der Strafzins sogar bei minus 0,4 Prozent.

Auch der Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV) betrachtet die anhaltende Niedrigzinsphase neben der Digitalisierung und damit verbunden dem veränderten Kundenverhalten als eine große Herausforderung für die Geschäftsbanken. Der Dachverband der Sparkassen-Finanzgruppe begrüßt daher Pläne, die man derzeit bei der EZB diskutiert, einen dreistufigen Einlagenzinssatz einzuführen. Wegen der verminderten Deflationsgefahr ist die Umsetzung dieser Pläne zuletzt wahrscheinlicher geworden.

Den Plänen zufolge würden die Geschäftsbanken nur noch für einen Teil ihrer Zentralbankeinlagen bei der Europäischen Zentralbank Strafzinsen zahlen. Ein weiterer Teil wäre zinsfrei und ein dritter Teil würde sogar positiv verzinst. "Als DSGV sprechen wir uns für abgestufte Zinssätze der EZB aus, wie sie die Schweizer Nationalbank bereits anwendet. Wir sehen darin eine Möglichkeit, unerwünschte Effekte der Niedrigzinspolitik zu begrenzen", sagte der Verband gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten.

Auch die Commerzbank spürt die Auswirkungen der Zinspolitik. "Durch die negativen Zinsen und den Margendruck sind in Deutschland nicht die Erträge zu erwirtschaften wie in anderen Ländern", sagte ein Pressesprecher gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Trotzdem sei man in den vergangenen beiden Jahren bei Kunden und Assets gewachsen. Zudem wolle die Commerzbank an ihrem dichten Netz von rund 1.000 Filialen in Deutschland festhalten.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) würde die bei der EZB diskutierten Pläne ebenfalls begrüßen. "Eine in Rede stehende Freibetragsregelung für Guthaben der Kreditinstitute bei der EZB würde zwar die Belastungen für die Banken aus den negativen Zinsen senken, aber das grundsätzliche Problem zu niedriger Zinsen nicht beseitigen", so der Verband gegenüber den DWN. "Bedauerlicherweise hat der EZB-Rat letzte Woche keine Entscheidung über eine Freibetragsregelung für Guthaben der Kreditinstitute bei den Notenbanken getroffen. Dies wäre ein erster Schritt in Richtung normaler Verhältnisse der Geldpolitik gewesen."

Der Spitzenverband der genossenschaftlichen Bankengruppe warnt jedoch, dass die diskutierten Lockerungen beim Strafzins "auf keinen Fall als Rechtfertigung für ein weiteres Verschleppen der Zinswende dienen" dürften. Mit ihrem Beharren auf einer anhaltenden Negativzinspolitik drücke die EZB die Renditen am Kapitalmarkt weiterhin in Richtung historischer Tiefstände - trotz steigender Verbraucherpreise.

Aktuell haben die Genossenschaftsbanken noch 10.520 Bankstellen und damit 588 weniger als vor einem Jahr, so der Verband der Genossenschaftsbanken. "Zusätzlich stehen gut 3.800 SB-Zweigstellen bereit, sodass wir insgesamt das größte Filialangebot aller deutschen Banken für unsere Kunden bereithalten." Dass die Zahl der Filialen seit Jahren sinkt, liege in geringerem Maße auch an der Niedrigzinspolitik der EZB, da die Banken rückläufige Erträge aus dem Zinsgeschäft kompensieren müssten.

Doch in erster Linie seien die rückläufigen Filialzahlen eine Folge des veränderten Kundenverhaltens. Laut BVR nutzen viele Kunden verstärkt die digitalen Angebote und kommen weniger häufig in die Filiale. Mittlerweile nutzen rund 12 Millionen Kunden das genossenschaftliche Onlinebanking. Zwei Drittel aller Überweisungen werden demnach elektronisch erteilt. Auf das Jahr gerechnet, loggen sich die Kunden 756 Millionen Mal ins Onlinebanking ein. "Die VR-Banking App hat mit 800 Millionen Logins das klassische Onlinebanking mittlerweile eingeholt. 2017 waren es noch 300 Millionen."



DWN
Finanzen
Finanzen In Dänemark zeigen sich die desaströsen Folgen der Negativzinsen

Nirgends gibt es negative Zinssätze schon eine so lange Zeit wie in Dänemark, wo sich nun die nachteiligen Auswirkungen zeigen.

DWN
Politik
Politik DWN Eilmeldung: Anschlag auf Unterwasser-Pipeline in Syrien, Ölpest droht

In Syrien haben Unbekannte einen Anschlag auf eine Unterwasser-Pipeline begangen. Die Regierung in Damaskus versucht, den Schaden zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Großbrand hinter den Kulissen: 40 Prozent aller US-Firmen sind in die roten Zahlen gerutscht

40 Prozent aller börsennotierten Unternehmen in den USA haben in den vergangenen 12 Monaten Verluste erwirtschaftet. Einzig günstige...

DWN
Finanzen
Finanzen Sechs wichtige Banken der Eurozone unterschreiten die Kapital-Anforderungen der EZB

Nach Angaben der EZB-Bankenaufsicht sind sechs wichtige Banken der Eurozone unter die Kapital-Anforderungen der EZB gefallen.

DWN
Politik
Politik EU-Kommission will kleine Centmünzen abschaffen

Die EU-Kommission plant, die Ein- und Zwei-Centmünzen abzuschaffen.

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: FBI will Prinz Andrew befragen, dieser taucht ab

In der Affäre um den Handel mit und die Prostitution minderjähriger Mädchen um den verstorbenen Jeffrey Epstein ist Prinz Andrew ins...

DWN
Technologie
Technologie „Kalte Enteignung“: Wie Anwohner unter Windkraft-Parks leiden

In Deutschland soll es rund 1000 Bürgerinitiativen gegen den Neubau von Windrädern geben - nicht ohne Grund: Betroffene berichten von...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft TurkStream: Russland liefert die erste Milliarde Kubikmeter Gas in die Türkei

Das türkisch-russische Pipeline-Projekt TurkStream ist in vollem Gange. Die erste Milliarde Kubikmeter Erdgas wurde in die Türkei und an...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie sich der Osten der EU gegen den Euro stemmt

Die Zustimmung der Europäer zum Euro hat Rekordwerte erreicht. Die östlichen EU-Mitgliedsstaaten Polen, Tschechien und Ungarn bleiben...

DWN
Politik
Politik SPD muss Wert ihres Firmen-Imperiums deutlich nach unten korrigieren

Der Wert der Unternehmensbeteiligungen der SPD ist deutlich gesunken gesunken. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen...

DWN
Deutschland
Deutschland „Bullen jagen“: Linksradikale Demonstration in Leipzig eskaliert

Deutschlands Hauptstadt des Linksradikalismus macht wieder von sich reden.

DWN
Politik
Politik Bulgarien bereitet Ausweisung von russischen Diplomaten vor

Zwei russische Diplomaten, denen Spionage vorgeworfen wird, sollen aus Bulgarien ausgewiesen werden. Die US-Botschaft in Sofia unterstützt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Immer pessimistischer: Drucker rechnen 2020 mit weiteren Ertragsrückgängen

Die Druckindustrie kommt einfach nicht in Schwung: Die deutschen Manager gehen überwiegend davon aus, dass die Erträge im laufenden Jahr...

DWN
Deutschland
Deutschland Polnische LOT rettet den bankrottreifen Ferienflieger Condor

Der finanziell angeschlagene Ferienflieger Condor hatte noch bis Ende März Zeit, einen neuen Investor zu finden - ansonsten hätte ein...

celtra_fin_Interscroller