Fahrkarten für Fernstrecken könnten deutlich günstiger werden

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
17.04.2019 17:36
Das Verkehrsministerium erwägt, die Mehrwertsteuer bei Fernreisen mit der Bahn zu senken.
Fahrkarten für Fernstrecken könnten deutlich günstiger werden

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bahnfahren mit ICE, Intercity und Eurocity könnte günstiger werden: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schlägt vor, auf Fernzugtickets weniger Steuern zu erheben. Um die Schiene «noch attraktiver zu machen, brauchen wir auch im Fernverkehr der Bahn die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Tickets von 19 auf sieben Prozent», sagte der CSU-Politiker der Bild-Zeitung. Über eine Steuersenkung, die Umweltschützer schon seit Jahren verlangen, soll nun in der Bundesregierung diskutiert werden - Details sind aber völlig offen.

Im Nahverkehr gilt bereits die vergünstigte Mehrwertsteuer. Das Bundesfinanzministerium zeigte sich grundsätzlich offen für die Debatte. Ob der Rabatt auf den Fernverkehr kommt und wie der Zeitplan aussehen könnte, blieb am Mittwoch aber zunächst unklar. Offen war auch, ob und wie die Mindereinnahmen des Staats ausgeglichen werden und wie viele Treibhausgase damit eingespart werden sollen.

Scheuer sagte, Bahnfahrer könnten so um bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr entlastet werden. «Wem es mit dem Klimaschutz und dem Umstieg von Auto oder Flugzeug auf die Bahn ernst ist, der muss bei der Steuer ansetzen.» Eine Sprecherin von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte, das sei «einer von vielen Vorschlägen». Wie viel der Staat derzeit über Bahntickets einnehme, lasse sich nicht sagen.

Ein Sprecher von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) begrüßte den Vorschlag. Allerdings brauche es ein Gesamtkonzept, damit die Klimaschutzziele im Verkehr erreicht würden. Es bedürfte «sicherlich einiger Beratung» dazu, wie alles zusammenpasse.

Eine Beispielrechnung: Wer für 94,40 Euro mit einem «Super Sparpreis» und Bahncard 25 von Berlin nach Stuttgart fährt, zahlt mit seinem Ticket derzeit 15,07 Euro Mehrwertsteuer. Fielen nur sieben Prozent Steuer an, würden stattdessen nur 5,55 Euro fällig - dann könnte das Ticket also fast zehn Euro weniger kosten.

Bei Verbraucherschützern kam die Idee denn auch gut an. Allerdings müsse die Bahn eine Steuersenkung auch an die Kunden weitergeben - oder das Geld in den Netzausbau stecken, hieß es beim Fahrgastverband Pro Bahn. Günstigere Preise hätten aber Priorität. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) verlangte im «Handelsblatt», dem Vorschlag müssten nun aber auch schnell Taten folgen.

Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist für die Steuersenkung. «Die Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern sind immer noch zu Lasten der Schiene verzerrt», sagte der Vorsitzende Alexander Kirchner.

Großes Ziel ist, mehr Menschen zum Umsteigen auf die Schiene zu bringen - auch zum Schutz des Klimas. Scheuer will die «wichtige Schwelle» von 150 Millionen Fahrgästen im Fernverkehr erreichen - im vergangenen Jahr waren es schon 148 Millionen. Der Minister argumentierte, statt Verboten, Tempolimits oder teurerer Mobilität müssten Bahnverbindungen noch attraktiver werden. Auf der ICE-Strecke Berlin-München, hätten sich die Fahrgastzahlen verdoppelt. «Wir haben auf dieser Strecke schon 30 Prozent der Passagiere vom Inlandsflug zum Umstieg auf die Schiene bekommen», sagte der Verkehrsminister.

Auch bei Bahnkonkurrenten weckte der Vorschlag Begehrlichkeiten: Das Münchener Unternehmen Flixmobility, das unter dem Namen Flixbus Fernbusfahrten anbietet, hält Scheuers Beitrag für einen sehr guten Vorschlag, wie der Chef André Schwämmlein der «Wirtschaftswoche» sagte. Allerdings müssten die Verkehrsträger Fernbus und Fernzug gleichermaßen gefördert werden. Auch der ADAC forderte dies.

Die Forderung nach Senkung der Mehrwertsteuer auf Fernzugtickets ist viele Jahre alt. Zum Beispiel hatten sich in der Vergangenheit die Grünen dafür eingesetzt. Scheuer solle das nicht nur in Aussicht stellen, sondern auch umsetzen, forderte deren Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, in der «Rheinischen Post».

Die SPD im Bundestag begrüßte den Vorschlag grundsätzlich. «Eine einzelne Idee ergibt jedoch noch kein schlüssiges Gesamtkonzept», sagte Fraktionsvize Sören Bartol. «Was helfen günstigere Preise, wenn die Züge trotzdem überfüllt und unpünktlich sind?» Der FDP-Verkehrspolitiker Torsten Herbst nannte eine Steuersenkung einen «Baustein» für eine attraktivere Bahn. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit seien aber die größte Baustelle.

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Unser Angebot für Sie: DWN testen und alle Artikel frei lesen für nur 1€!

Überzeugen Sie sich und bekommen Sie unbegrenzten Zugriff für nur 1€!

DWN
Politik
Politik US-Nationalgarde und New Yorker Polizei im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten

Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten haben sich die Nationalgarde von Minnesota und das New York Police Department zu den...

DWN
Politik
Politik Trump will Antifa als Terror-Organisation einstufen

Die US-Regierung will die Antifa-Bewegung als Terrororganisation einstufen lassen. Zuvor hatte Trump gesagt, dass er besorgt sei über den...

DWN
Politik
Politik Neuer Rettungsplan: EU-Billionen kommen lediglich den Finanzmärkten zugute

Die EU weiß nicht mehr weiter. In Panik wirft sie mit den Milliarden einfach so um sich - die Lobbyisten bringen sich schon in Stellung,...

DWN
Deutschland
Deutschland Neue Regeln, härtere Strafen: Was sich jetzt für Autofahrer ändert

Autofahrer müssen sich seit dem 12. Mai auf strengere Regeln und härtere Strafen einstellen. Es gibt zahlreiche neue Vorschriften.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Altmaier nicht handelt, drohen zahlreiche Insolvenzen beim Mittelstand

Das Wirtschaftsministerium wollte dem Mittelstand mit Corona-Förderungen helfen. Doch das Vorhaben scheiterte bereits in der...

DWN
Politik
Politik Pharma-Industrie behinderte Pandemie-Forschung in der EU

Die Pharmaindustrie hat im Jahr 2017 die Pandemie-Forschung behindert.

DWN
Politik
Politik China und Iran solidarisieren sich mit Demonstranten in den USA

Die Außenministerien Chinas und des Irans solidarisieren sich ganz offen mit den Demonstranten in den USA.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Massenentlassungen drohen: Österreichs Wirtschaft fährt mit voller Wucht gegen die Wand

Die österreichische Wirtschaft befindet sich - nicht nur wegen Corona - in einer schweren Krise.

DWN
Politik
Politik Nuklearmächte China und Indien mobilisieren Truppen im Himalaya

Indien und China mobilisieren Truppen an ihrer gemeinsamen Grenze. Die beiden Nuklearmächte wetteifern seit 1962 um ein umstrittenes...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Historiker: Keine Parallelen zwischen Corona-Krise und Weltwirtschafts-Krise 1929

Der Historiker Jan-Otmar Hesse sagt, dass die aktuelle Corona-Krise in ihren Auswirkungen nicht vergleichbar sei mit der...

DWN
Technologie
Technologie Internet der Dinge: Investitionen explodieren weltweit auf 1,1 Billionen Dollar

Die Investitionen für das Internet der Dinge werden Schätzungen zufolge gigantische Ausmaße erreichen. Deutschland hinkt allerdings...

DWN
Technologie
Technologie Henkel entwickelt Gesundheitspflaster gegen Corona

Henkel hat ein Corona-Gesundheitspflaster entwickelt.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Wertarbeit, deutscher Arbeitsethos: August Thyssen – der „Rockefeller des Ruhrgebiets“

August Thyssen galt als „Rockefeller des Ruhrgebiets”. Keinem Deutschen vor und nach ihm gelang es, unter schwersten Bedingungen ein...

DWN
Politik
Politik DWN EXKLUSIV: Das ist das Waffenarsenal des libyschen Söldner-Generals Haftar

Die DWN listet detailliert auf, welche - teilweise bemerkenswerten - Waffen sich im Inventar der Armee von Chalifa Haftar befinden. Lesen...

celtra_fin_Interscroller