Mittelstand: EU-Bankenregulierung erschwert Zugang zu Krediten

Lesezeit: 2 min
03.07.2019 17:01
Die Ändeurngen in der europäischen Bankenregulierung werden den Zugang des Mittelstands zu Krediten in den kommenden Jahren zusätzlich erschweren.
Mittelstand: EU-Bankenregulierung erschwert Zugang zu Krediten
Der Zugang von KMU zu Krediten erschwert sich von Jahr zu Jahr. Der Mittelstand ist aufgeschreckt. (Grafik: Euler Hermes)

Die Änderungen in der europäischen Bankenregulierung werden in den kommenden Jahren den Zugang von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zu Bankkrediten erschweren. Die Finalisierung von Basel III und Umsetzung von Basel IV verteuert Finanzierungskosten in absehbarer Zeit. Das führt zu einer restriktiveren Vergabe von Krediten durch Banken, vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Kreditwürdigkeit. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes und TRIB Rating, dem Rating-Service von Euler Hermes Rating in Zusammenarbeit mit Moody's für europaweit einheitliche Ratings für mittelständische Unternehmen.

“Das Interesse der Banken, Kredite von Mittelständlern mit eher schlechter Bonität zu verlängern oder zu gewähren sinkt mit den neuen EU-Richtlinien zur Bankenregulierung voraussichtlich”, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. “Dabei besteht bereits heute bei der europäischen Bankenfinanzierung trotz dauerhafter Niedrigzinsphase weiterhin eine Finanzierungslücke von 400 Milliarden Euro bei den KMU”, zitiert die dpa Van het Hof.

Steigende Kapitalhinterlegung = steigende Finanzierungskosten

Mit der strengeren Bankenregulierung steigen beispielsweise die Mindest-Kapitalanforderungen für Banken von 8,0 Prozent auf 10,5 Prozent. “Dies könnte zu einem Anstieg der Finanzierungskosten um schätzungsweise mehr als 100 Basispunkte führen, das ist über ein Prozent. Das bringt viele dieser Unternehmen unter Zugzwang, denn europäische Mittelständler sind mit 70 Prozent besonders stark von einer Bankenfinanzierung abhängig. Alternative Finanzierungsformen gewinnen hier also deutlich an Bedeutung”, sagt Kai Gerdes, Direktor Analyse bei Euler Hermes Rating. 

Aktuelle Mechanismen, die die Kapitalanforderungen für Bankkredite an KMU reduzieren, wie etwa der "KMU Unterstützungsfaktor" könnten die erwartete Negativentwicklung bei der Finanzierung des europäischen Mittelstands auch in Zukunft etwas abfedern - allerdings nur bei kleineren Krediten unterhalb der Grenze von 1,5 Millionen Euro.

“In der Eurozone insgesamt entfallen nur etwa 30 Prozent aller neu vergebenen Kredite in diese Kategorie. In Deutschland sind es mit 18 Prozent sogar noch deutlich weniger. In Italien (47 Prozent) und Spanien (53 Prozent) dürfte dieser Puffer hingegen etwas stärker wirken, weil die Anzahl an eher kleinen Krediten wesentlich höher ist”, sagt Gerdes. 

Kapitalmarktunion: Viele Fortschritte, aber Ziele nicht erreicht

Um eine ausreichende Finanzierung des europäischen Mittelstands zu gewährleisten hat die Europäische Kommission die Initiative “EU Capital Markets Union” (CMU) ins Leben gerufen. Bis Oktober 2019 soll diese planmäßig vollständig umgesetzt sein.

“Obwohl in einigen Bereichen deutliche Fortschritte erzielt wurden, sind die ursprünglichen Ziele der Kapitalmarktunion längst noch nicht erreicht. Bis Mittelständler also tatsächlich wirklich barrierefrei an Kredite kommen, dürfte noch einige Zeit ins Land ziehen - zumal das Thema bei den großen Parteien in Europa aktuell keine sonderlich hohe Priorität haben dürfte, da sie sich aktuell auf die Herausforderung konzentrieren werden, eine Koalition zu bilden”, sagt Gerdes. 

Mittelstand: Woher mit dem Geld? 

Kleine und mittelständische Unternehmen in Europa werden sich laut Studie von Euler Hermes und TRIB Rating also zunehmend mit alternativen Finanzierungsformen auseinandersetzen müssen.

“Im Niedrigzinsumfeld wächst das Interesse von institutionellen Investoren an alternativen Investmentfonds. Die direkte Kreditvergabe privater Investoren in Europa boomt in den letzten Jahren. Das könnte für Mittelständler zu einer echten Alternative werden bei der Finanzierung. Gerade KMU sind für Investoren sehr attraktiv, auch wenn sie wesentlich höhere und komplexere Kreditrisiken als multinationale Unternehmen”, sagt Van het Hof. 

Die Sparrate in Europa ist mit 12,1 Prozent weiterhin hoch, so dass etwa 860 Milliarden Euro Kapital pro Jahr zur Verfügung steht. Etwa 30 Prozent werden in Wertpapiere investiert.

“Wenn ein Viertel dieser Ersparnisse in Kreditfonds für KMU investiert würden, würde dies Kapital in Höhe von 65 Milliarden Euro pro Jahr freisetzen. Mit diesem zusätzlich verfügbaren Finanzierungsvolumen könnte ein Teil der vorhandenen Finanzierungslücke geschlossen werden”, so Van net Hof.


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