Finanzen
Rückendeckung für Erdogan

China stockt Währungsreserven der Türkei mit Milliarden-Kredit auf

Im Juni hat China der Türkei Finanzhilfen in Milliardenhöhe zukommen lassen. Dies war ein klarer Sieg für Präsident Erdogan, der wegen der Lira-Krise unter erheblichem Druck stand.
12.08.2019 17:16
Lesezeit: 1 min

Die chinesische Zentralbank hat im Juni dieses Jahres 1 Milliarde Dollar an die Türkei überwiesen. Dies war die bisher größte chinesische Finanzhilfe für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der Kredit in Rekordhöhe wurde im Rahmen eines Lira-Yuan-Swap-Abkommens abgewickelt, das auf das Jahr 2012 zurückgeht, sagte ein nicht namentlich genannter Insider zu Bloomberg.

China stockte demnach die Devisenreserven der Türkei auf, während in Istanbul Kommunalwahlen stattfanden und die internationalen Investoren wegen der politischen und finanziellen Krise in dem Land und mit Blick auf den Wertverfall der Landeswährung Lira beunruhigt waren.

Warum die Türkei Finanzhilfen aus China brauchte

In der Folge der Finanzspritze aus China stabilisierte sich die türkische Lira in den Monaten Juni und Juli wieder, nachdem man in dem Land wie berichtet zuvor bereits eine Hyperinflation hatte befürchten müssen. Zwar ist die chinesische Finanzhilfe ein Erfolg für Erdogan, der sich darum bemüht, die internationalen Beziehungen der Türkei durch den Aufbau neuer Partnerschaften mit Ländern wie Russland und China neu auszurichten. Doch die enge Beziehung mit China ist mit den traditionellen Verbindungen zum Westen nicht vereinbar, und sie birgt auch die Gefahr einer weiteren Entfremdung, behauptet Ozgur Unluhisarcikli, der Chef des German Marshall Fund of the United States.

Zudem könnten solche kurzfristigen Finanzierungsquellen "kein Heilmittel für den längerfristigen Bedarf der Türkei sein", zitiert ihn Bloomberg. "Sie sind keineswegs ein Ersatz für die langjährigen Beziehungen der Türkei zu den USA und zum Westen."

Ein Sieg für Erdogan

Dennoch zeigen die umfangreichen chinesischen Finanzhilfen, dass die Türkei vor dem Hintergrund beispielloser Spannungen mit dem Westen bei ihren Bemühungen vorankommt, ihre Quellen ausländischer Investitionen zu diversifizieren. Der türkische Finanzminister Berat Albayrak sagte kürzlich, dass der asiatische Wirtschaftsraum ein vielversprechender Partner sei, von dem die Türkei Investitionen anziehen müsse.

Die Türkei und China haben für die Finanzhilfen in Rekordhöhe den Devisen-Swap-Vertrag  genutzt, den sie bereits vor sieben Jahren unterzeichnet und dann alle drei Jahre erneuert hatten. Allerdings hatte es im Rahmen des Swap-Geschäftes bis zur Veröffentlichung der Zahlungsbilanzdaten am vergangenen Freitag kaum einen nennenswerten Transfer aus China gegeben, der einen wesentlichen Beitrag zu den türkischen Finanzen geleistet hätte.

In der Vergangenheit hat die Türkei versucht, ähnliche Abkommen auch mit anderen Partnern zu unterzeichnen. So schloss das Land im vergangenen Jahr einen Vertrag mit Katar ab, welcher Erdogan Mittel im Umfang von 3 Milliarden Dollar einbrachte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
03.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Dieses Familienunternehmen profitierte vom Krieg, nun droht der Kontrollverlust
03.08.2026

Aller Petfood blieb mit zwei Fabriken in Russland aktiv und profitierte zunächst vom abgeschotteten Markt. Nun geraten das...

DWN
Panorama
Panorama Deutschlandticket: Preiserhöhung droht für 2027 – Preisindex sorgt für neue Berechnung
03.08.2026

Das Deutschlandticket könnte 2027 erneut teurer werden. Eine neue Berechnungsformel liefert bereits einen möglichen Preis, während...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
03.08.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
03.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Finanzen
Finanzen Beiersdorf-Aktie unter Druck: Prognosesenkung sorgt für neue Zweifel – wie sollten Anleger reagieren?
03.08.2026

Die Beiersdorf-Aktie gerät nach einer überraschenden Prognosesenkung unter Druck. Schwache Geschäfte mit der Kernmarke Nivea zwingen den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stahlindustrie: Deutschlands Wette auf grünen Stahl könnte scheitern – was das bedeutet
03.08.2026

Die europäische Stahlindustrie steht vor einem historischen Umbruch. Eine neue PwC-Studie zeigt, warum Milliardeninvestitionen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Alibaba-Aktie steigt: Angriff auf OpenAI und Anthropic mit neuem KI-Modell Qwen 3.8-Max
03.08.2026

Mit dem neuen KI-Modell Qwen 3.8-Max will Alibaba seine Position im globalen Technologiewettbewerb stärken. Die Börse reagiert...